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Extremismus-Prävention: Neues Streetwork-Projekt in Oberösterreich soll Jugendliche im digitalen Raum erreichen

Tips LogoMarlis Schlatte, 18.06.2024 17:04

OÖ. Auf TikTok, SnapChat und Co. werden Jugendliche mit einer Flut an Informationen konfrontiert - nicht selten kommen ihnen dabei negative Berichterstattungen, Fake-News und Challenges, die zu kriminellen Handlungen aufrufen, unter. Dies führe vermehrt zu Extremismus und Radikalisierung, so Integrations-Landesrat Wolfgang Hattmannsdorfer. Ein neues Projekt gemeinsam mit dem OÖ Familienbund soll Jugendliche nun genau dort erreichen, wo sie sich wohl am meisten aufhalten - in der digitalen Welt.

  1 / 2   TikTok, SnapChat und Co. können durch Informationen, welche von Algorithmen ausgespielt werden, die Weltbilder der Nutzer beeinflussen bzw. bestärken. (Foto: Rawpixel.com/stock.adobe.com)

Apps wie TikTok, Instagram, Facebook und Co. arbeiten mit Algorithmen, welche dem Nutzer genau das ausspielen sollen, was er gerne sehen möchte. Das soll ihn möglichst lange auf der jeweiligen App halten, hat aber auch zur Folge, dass oft nur ein Blickwinkel zu einem Thema gesehen wird und dieser sogar verstärkt wird.

Immer öfter nun lassen sich extremistische Tendenzen im Zusammenhang mit Sozialen Medien erkennen. Wenn Jugendliche in einen bestimmten Algorithmus hinein kommen, spielt es ihnen immer mehr Material dazu aus - dadurch entstehe immer öfter Radikalisierung, legen Landesrat Wolfgang Hattmannsdorfer und Obmann des OÖ Familienbunds Vizebürgermeister Martin Hajart (beide VP) dar: „Algorithmen werden zu Brandbeschleuniger von Radikalisierung, Weltbilder werden dabei bestätigt und verstärkt.“

Radikale Tendenzen rechtzeitig erkennen

Hier will das Land OÖ nun gemeinsam mit dem OÖ Familienbund mit einem neuen Streetwork-Projekt ansetzen. Jugendlichen soll in „ihrem“ digitalen Raum begegnet werden und dabei frühzeitig radikale Tendenzen erkannt werden. Dadurch sollen präventiv entsprechende Angebote zur Verfügung gestellt werden können.

„Anlass für dieses Projekt war unter anderem die Halloween-Nacht in Linz“, so Hajart. Man habe sich darin bestätigt gefühlt, handeln zu müssen. „Es wird die Möglichkeit geschaffen, Leute zu erreichen, die sonst nie eine Beratung in Anspruch nehmen würden“, ist auch Efgani Dönmez, Projektleiter des „OÖ Digital Streetwork“, von der Notwendigkeit eines solchen Angebots überzeugt.

Das Projekt richtet sich an junge Menschen von 12 bis 27 Jahren, sowie an Menschen mit Beeinträchtigung. Auch Eltern, Bekannte, Freunde und Pädagogen können sich an das Team von „OÖ Digital Streetwork“ wenden.

Nicht belehrend, sondern auf Augenhöhe agieren

Das digitale Streetwork-Projekt setzt den Schwerpunkt auf Extremismus-Prävention. In der Testphase im April und Mai wurde das Angebot von 149 jungen Klienten genutzt - von 135 Personen über Chats in den sozialen Netzwerken und von 14 Personen telefonisch.

Dabei stellts sich heraus, dass die am häufigsten genutzten Kanäle Snapchat und Instagram sind, gefolgt von TikTok und WhatsApp. Man möchte sich daher im Streetwork-Projekt auf einige wenige Kanäle konzentrieren, erklärt Dönmez.

Vier Streetworker sind mit eigenen bzw. mit „Digital Streetwork“-gekennzeichneten Profilen auf den Social-Media-Plattformen vertreten. Bei Konflikten können sie aktiv auf Nutzer zugehen und Hilfestellung bei bestehenden Problemen leisten. Man wolle aber nicht in die belehrende Haltung rutschen, sondern auf Augenhöhe mit den Jugendlichen kommunizieren und so an sie herankommen, so Dönmez.

Enge Zusammenarbeit mit Schulen und Polizei

In der Testphase beschäftigten die Jugendlichen besonders die Themen Gewalt und „Vandalismus-Challenges“ aber auch Fragen zur Ausbildung, Identität und Zugehörigkeit. Jeder Mitarbeiter habe verschiedene Schwerpunkte, etwa wenn dieser selbst einen Migrationshintergrund hat, einst nach Österreich flüchtete und den Jugendlichen dabei aus eigener Erfahrung heraus beraten kann, so Dönmez.Das Projekt wird in enger Kooperation mit der Kinder- und Jugendhilfe, den Schulen und der Polizei durchgeführt und wird zudem wissenschaftlich begleitet, da es österreichweit zum ersten Mal durchgeführt wird.

„Ich möchte betonen: Es besteht Handlungsbedarf. Ich glaube, dass hier eine Kopf-in-den-Sand Politik nichts bringt - Extremismus ist gefährlich. Ich fordere daher die Probleme ernst zu nehmen und zu handeln“, so Hajart. Hattmannsdorfer und Hajart sprechen sich in diesem Zuge auch für ein Pflichtfach zu Werten in einer Demokratie und in einem liberalen Rechtsstaat aus.


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