Suche


Weitere Angebote

Sociale Medien

Kontakt
tips.at als bevorzugte Google-Quelle hinzufügen

Arbeiterkammer OÖ kritisiert „Zwischenparken“ von Beschäftigen beim AMS

Tips LogoKarin Seyringer, 24.07.2025 20:35

OÖ/LINZ. Die Arbeiterkammer OÖ hat beim Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO) eine Studie in Auftrag gegeben, die ergibt, dass ein „Zwischenparken“ von Beschäftigten beim AMS jährlich rund 600 bis 700 Millionen Euro an Kosten für die Arbeitslosenversicherung verursacht. AK OÖ-Präsident Andreas Stangl verweist auch auf „erhebliche Einkommensverluste“ für die betroffenen Personen.

Arbeiterkammer OÖ-Präsident Andreas Stangl und Dagmar Andree, Leiterin Wirtschafts-, Sozial- und Gesellschaftspolitik. (Foto: AK OÖ / Wolfgang Spitzbart)

Temporäres „Zwischenparken“ – sogenannte Layoffs und damit das Vorgehen, vorübergehend Beschäftigte in Arbeitslosigkeit zu schicken und sie nach einiger Zeit wiedereinzustellen: Die AK OÖ wollte genauer wissen, welche Auswirkungen dies hat.

In deren Auftrag hat daher das Österreichische Institutes für Wirtschaftsforschung (WIFO) eine Studie durchgeführt.

Das Ergebnis: „Zwischenparken“ beim AMS verursacht rund 600 bis 700 Millionen Euro Kosten für die Arbeitslosenversicherung in Österreich. Diese Kosten setzen sich aus Arbeitslosengeld, Notstandshilfe und die Sozialversicherungsbeiträge, die das AMS für Arbeitssuchende abführen muss, zusammen.

Ein Prozent mehr Arbeitslosigkeit

Dieses Vorgehen erhöht zudem laut Studie die Arbeitslosigkeit in Österreich um rund einen Prozent. „Statt 6,9 Prozent lägen wir knapp unter sechs Prozent ohne diese Praxis“, so AK-Präsident Andreas Stangl. Und: „Besonders für die Betroffenen hat dieses System gravierende Folgen: Sie müssen erhebliche Einkommensverluste hinnehmen und finden sich oft in einem wiederkehrenden Zyklus von Arbeitslosigkeit und befristeter Wiedereinstellung wieder.“

Das WIFO hat errechnet, dass 14 Prozent der gesamten registrierten Arbeitslosigkeit im Jahr 2023 auf temporäre Layoffs zurückzuführen ist. „Das gezielte Verhindern dieser Unternehmenspolitik hätte zwei große Vorteile. Wir würden die Arbeitslosigkeit deutlich reduzieren und hätten mehr Mittel für aktive Arbeitsmarktpolitik“, betont Stangl.

Laut Studie rekrutierten rund 47.000 Betriebe frühere Beschäftigte nach bis zu einem Jahr Arbeitslosigkeit erneut. Deutlich häufiger betroffen vom „Zwischenparken“ seien Arbeiter und gering Qualifizierte mit maximal Pflichtschulabschluss sowie Personen mit Lehrabschluss.

Kritik: Risiko wird übertragen

„Zu viele Unternehmen übertragen ihr unternehmerisches Risiko und ihre Personalkosten auf die Allgemeinheit der Beitragszahler“, wird seitens der AK OÖ kritisiert. Die Studie zeigt auch: In Branchen wie dem Bau oder dem Tourismus gibt es zwar saisonale Schwankungen. „Dennoch muss auch dort das Ziel sein, das ‚Zwischenparken‘ möglichst zu vermeiden“, fordert die AK OÖ.

In der Arbeitskräfteüberlassung gehöre das „Zwischenparken“ aber laut AK offensichtlich zum Geschäftsmodell. „Gewinne werden privatisiert, die Kosten trägt die Allgemeinheit. Zahlreiche Wiederaufnahmen der Beschäftigung beim selben Arbeitgeber erfolgen nach wenigen Wochen“, wird kritisiert.

AK fordert Kostenbeteiligung und verstärktes Augenmerk

Die Arbeiterkammer OÖ fordert daher, dass sich Unternehmen, die häufiger auf dieses Vorgehen zurückgreifen, an den Kosten dieses „Zwischenparkens“ zu beteiligen haben. Auch ein verstärktes Augenmerk des AMS auf eine solche Personalstrategie, Kurzarbeit als Alternative wieder stärker im Bewusstsein der Betriebe zu verankern und eine strengere Vollziehung des Frühwarnsystems zählen zu den Vorschlägen. Zudem wiederholt die AK OÖ die Forderung, dass es angesichts der aktuellen Arbeitsmarktsituation und der sich stark verändernden Arbeitswelt mehr Geld für die Arbeitsmarktpolitik benötige.


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.

Jetzt anmelden


Weitere Beiträge

OÖ-Arbeitsmarkt bleibt stabil, Frauenarbeitslosigkeit aber deutlich gestiegen

OÖ-Arbeitsmarkt bleibt stabil, Frauenarbeitslosigkeit aber deutlich gestiegen

OÖ. Die Zahl der Arbeitslosen ist in Oberösterreich im August gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Besonders deutlich fiel der Zuwachs bei Frauen ...

Tips - total regionalKarin Seyringer
Kunstuni Linz und IT:U verstärken Gründer-Netzwerk „hub,ert“

Kunstuni Linz und IT:U verstärken Gründer-Netzwerk „hub,ert“

OÖ/LINZ. Das oberösterreichische Gründer-Netzwerk „hub,ert“ bekommt Zuwachs: Die Kunstuni Linz und die IT:U – Interdisciplinary Transformation ...

Tips - total regionalKarin Seyringer
Mit der Pflegelehre in einen Beruf mit Zukunft

Mit der Pflegelehre in einen Beruf mit Zukunft

OÖ. Mit der Pflegelehre gibt es seit 2023 in Oberösterreich einen direkten Einstieg nach der Pflichtschule. Sie verbindet praktische Ausbildung ...

Tips - total regionalOnline Redaktion
Raiffeisenlandesbank OÖ steigert Halbjahresgewinn deutlich

Raiffeisenlandesbank OÖ steigert Halbjahresgewinn deutlich

OÖ/LINZ. Die Raiffeisenlandesbank Oberösterreich hat im ersten Halbjahr 2026 deutlich mehr verdient als im Vorjahreszeitraum. Der Gewinn vor ...

Tips - total regionalKarin Seyringer
Weniger Lust auf Jobwechsel, mehr Zufriedenheit im aktuellen Job

Weniger Lust auf Jobwechsel, mehr Zufriedenheit im aktuellen Job

Ö. Der aktuelle Arbeitsmarkt-Kompass zeigt im zweiten Quartal 2026 erste Zeichen einer Stabilisierung: Die Wechselbereitschaft der heimischen ...

Tips - total regionalOnline Redaktion
Legionellen in Kühlanlage im Bezirk Linz-Land entdeckt

Legionellen in Kühlanlage im Bezirk Linz-Land entdeckt

LINZ/LEONDING. Im Zusammenhang mit dem Legionellenausbruch im Großraum Linz gibt es eine neue Spur: In einer Kühlanlage eines Gewerbebetriebs ...

Tips - total regionalDavid Ramaseder
Weitere Beiträge