Bildung, Rehabilitation und Integration am Arbeitsmarkt: Aus BBRZ Gruppe wird "Expertis"
OÖ/LINZ. Der Unternehmensverbund der bisherigen BBRZ Gruppe tritt künftig unter einer neuen Dachmarke auf: Expertis. Mit neuem Namen und modernem Außenauftritt will die Gruppe für Bildung, Rehabilitation und Integration ihre Rolle als zentrale Partnerin von Wirtschaft und öffentlicher Hand noch sichtbarer machen. Am Donnerstag wurde die Neuerung in Anwesenheit von prominenten Vertretern aus Politik und Wirtschaft in Linz präsentiert.
Seit 1960 ist die heutige Expertis Gruppe ein wichtiger Akteur in der Aus- und Weiterbildung sowie in der beruflichen Rehabilitation und Integration. Unter dem Leitmotiv „Jobready – Beschäftigung, aber besser“ will man künftig noch praxisnäher und effektiver für den Arbeitsmarkt qualifizieren, noch enger mit Wirtschaft und Industrie zusammenarbeiten, so Manfred Bauer, CEO der Expertis Gruppe.
Die bekannten Einrichtungen bfi Berufsförderungsinstitut Oberösterreich (gegründet 1960), BBRZ – Berufliches Bildungs- und Rehabilitationszentrum (1975) und FAB – Verein zur Förderung von Arbeit und Beschäftigung (2004) bleiben weiterhin als eigenständige und etablierte Marken bestehen. Expertis fungiert künftig als übergeordnete Dachmarke.
Österreichweit ist die Gruppe an 138 Standorten tätig, versammelt rund 3.300 Beschäftigte und betreut etwa 117.000 Kunden in Bildungs-, Reha- und Integrationsangeboten.
Lebenslanges Lernen als Schlüsselthema
Im Rahmen der Präsentation diskutierten Vertreter der Partner der Expertis Gruppe über die Herausforderungen eines sich rasant wandelnden Arbeitsmarktes. Auf dem Podium saßen Sozial-Landesrat Christian Dörfel (ÖVP), Thomas Bründl, Präsident der Industriellenvereinigung Oberösterreich und CEO der Starlim Spritzguss GmbH, AK-Präsident Andreas Stangl, AMS-Landesgeschäftsführerin Iris Schmidt sowie der Linzer Wirtschafts-Stadtrat Thomas Gegenhuber (SPÖ).
Einigkeit herrschte darüber, dass maßgeschneiderte Qualifizierungs- und Ausbildungsangebote angesichts von Digitalisierung, Automatisierung und demografischem Wandel immer wichtiger werden. „Der Wandel begleitet uns vom Berufseinstieg bis zur Pensionierung. Qualifizierung muss leistbar, zeitlich machbar und auch berufsbegleitend möglich sein – das spielt eine riesige Rolle“, so AK OÖ-Präsident Stangl.
AMS-Landesgeschäftsführerin Iris Schmidt verwies auf den steigenden Bedarf an digitalen Kompetenzen, betonte aber auch die wachsende Bedeutung sozialer Fähigkeiten: „Die Arbeitswelt wird dynamischer, interdisziplinärer und diverser.“ Lebenslanges Lernen sei daher eine Notwendigkeit.
„Investition in die Zukunft“
Auch IV-Präsident Thomas Bründl unterstrich, dass neben Fachwissen vor allem soziale Kompetenzen im Zuge der Digitalisierung an Bedeutung gewinnen. Angesichts des sich verschärfenden Fachkräftemangels brauche es sowohl lernwillige Menschen als auch Unternehmen, die bereit seien auszubilden. „Ich sehe das bei uns als Investition in die Zukunft, daher haben wir auch eine starke Lehrlingsausbildungsstätte“, so der Starlim CEO.
„Aufgrund des demografischen Wandels können wir es uns schlicht nicht mehr leisten, jemanden zurückzulassen. Das ist der Auftrag: Für jeden einen möglichen Arbeitsplatz zu finden, wir werden ihn in der Wirtschaft brauchen. Es soll Spaß machen in einem Team zu sein, zu arbeiten, das stärkt auch die Resilienz. Und auch das soziale Netzwerk ist nicht zu unterschätzen.“
„Wir haben ein gemeinsames Interesse, bei dem alle am Standort an einem Strang ziehen“, verweist Wirtschafts-Stadtrat Gegenhuber auf Prognosen: „Bis 2040 werden in Oberösterreich rund 150.000 Arbeitskräfte fehlen, allein in der Region Linz/Wels etwa 83.000.“
Fachkräftemangel als Chance
Der Fachkräftemangel eröffne zugleich neue Chancen für bisher benachteiligte Gruppen am Arbeitsmarkt. Wie diese genutzt werden könnten, zeige Expertis, so Landesrat Dörfel: „Gezielt individuell und praxisnah herangehen, jeder hat Fähigkeiten und Talente.“ Es müsse Perspektive und Orientierung gegeben werden. „Es geht nicht nur um Befähigung, sondern auch viel ums Mutmachen.“ Und weiter: „Der Arbeitsmarkt ist ein zentraler Faktor für den Zusammenhalt in der Gesellschaft. Arbeit ist mehr, als nur Geld zu verdienen, sondern heißt auch, gebraucht zu werden, Teil der Gesellschaft zu sein. Wir wissen, dass nicht alle die selben Voraussetzungen haben, um am Arbeitsmarkt teilnehmen zu können. Da kommt die Expertis-Gruppe ins Spiel, weil sie durch ein breites Angebot genau jenen Unterstützung bietet, die sie brauchen. Und vor allem: Sie geben jedem eine Chance.“
Enge Abstimmung mit Wirtschaft nötig
Ein zentrales Anliegen aller Diskutierenden war die enge Abstimmung mit der Wirtschaft. „Je enger wir zusammenarbeiten, desto besser können wir Talente und Arbeitsprofil matchen. Wir müssen lernwillige Personen fördern und auch fordern.“ Und Programme müssten „am Puls der Zeit“ und „nah am Markt“ sein – denn das beste Angebot nütze wenig, wenn die entsprechenden Berufe aktuell nicht gefragt seien.
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