AMS OÖ mit vorsichtigem Optimismus und Schwerpunkten Langzeitarbeitslosigkeit und Jungen
OÖ/LINZ. Nach wirtschaftlich schwierigen Jahren zeigt sich das AMS OÖ für 2026 vorsichtig optimistisch. Die Landesgeschäftsführung stellte am Mittwoch in Linz gemeinsam mit den Sozialpartnern das Arbeitsprogramm für 2026 vor. Der Tenor: Der Arbeitsmarkt in Oberösterreich zeigt sich robuster als erwartet, dennoch bleiben die Herausforderungen groß. Schwerpunkte 2026 liegen auf besonders betroffenen Zielgruppen – allerdings auch, weil das zur Verfügung gestellte Budget einschränkt.
Oberösterreich ist als exportorientiertes Industriebundesland besonders stark von der wirtschaftlichen Lage mit drei Jahren Rezession betroffen. Trotzdem: Im Jahresdurchschnitt 2025 lag die Arbeitslosenquote in OÖ bei 5,4 Prozent, im Österreichschnitt bei 7,4 Prozent. Oberösterreichs Arbeitsmarkt zeige sich daher „robust“, so AMS OÖ-Landesgeschäftsführerin Iris Schmidt und ihr Stellvertreter Markus Litzlbauer.
Oberösterreich habe aktuell zudem eine Sonderstellung im Vergleich zu den anderen Bundesländern, mit zuletzt leicht sinkenden Arbeitslosenzahlen.
Erholung erst zum ab drittem Quartal erwartet
Für 2026 rechnet Schmidt mit einer moderaten Erholung: Die Arbeitslosigkeit sollte sinken, die Beschäftigung leicht steigen – wenngleich geopolitische Unsicherheiten und internationale Entwicklungen weiterhin bremsend wirken könnten. Und sie rechnet auch damit, dass sich die positiven Entwicklungen erst im dritten bzw. vierten Quartal 2026 niederschlagen werden.
158 Millionen Euro Budget begrenzt Spielraum
Dem AMS OÖ stehen ähnlich wie im Vorjahr im Jahr 2026 knapp 158 Millionen Euro für arbeitsmarktpolitische Maßnahmen zur Verfügung. Angesichts steigender Herausforderungen wird das Budget jedoch als zu knapp eingeschätzt. „Wir könnten viel mehr tun, zum Beispiel für jene Gruppe, die eine länger Ausbildung bräuchten, weil die Basisarbeit länger dauert“, so Schmidt.
Der Fokus liegt 2026 auf zwei aktuell besonders betroffenen Gruppen: jungen Erwachsenen sowie langzeitbeschäftigungslosen Personen.
Schwerpunkt junge Erwachsene und Langzeitarbeitslosigkeit
Stark betroffen von den wirtschaftlichen Verwerfungen der vergangenen Jahre waren junge Erwachsene zwischen 20 und 25 Jahren. Ein weiteres zentrales Thema bleibt die Langzeitbeschäftigungslosigkeit. Auch wenn Oberösterreich im Bundesvergleich weiterhin vergleichsweise gut dastehe, sieht das AMS hier dringenden Handlungsbedarf.
Schmidt verweist auf das Programm „upperWORK“ von AMS OÖ und Land OÖ, den Sozialpartnern, Unternehmen und Bildungsträgern, das gezielte Qualifizierungsmaßnahmen setze.
Mit der „Aktion 55+“ würden älteren Arbeitslosen bessere Beschäftigungschancen eröffnet. Hintergrund: Rund 40 Prozent der oberösterreichischen Betriebe mit mindestens fünf Beschäftigten beschäftigen laut Arbeiterkammer OÖ keine über 60-Jährigen Personen.
Mit einem „Case Management“ sollen arbeitsmarktferne Personen intensiver betreut werden. Drei speziell geschulte AMS-Mitarbeiter sowie nach Bedarf eine Psychologin unterstützen Kunden, bei denen klassische Maßnahmen nicht oder nicht mehr greifen.
Das AMS setzt auch auf frühe Intervention: Angebote sollen ab dem ersten Tag der Arbeitslosigkeit greifen. Kompetenzanalysen, gezielte Beratung und eine verstärkte Vermittlung sollen verhindern, dass Menschen dauerhaft aus dem Arbeitsmarkt herausfallen.
Join Mint mit dem „Star Truk“
Ein zentrales Projekt ist auch „JOIN MINT“. Mit dem Flaggschiff, einer mobilen Erlebniswelt – dem „Star Truck“ – werden seit Februar 2026 Schulen und Veranstaltungen in ganz Oberösterreich besucht. Das Projekt ist eine gemeinsame Initiative von AMS OÖ, Land OÖ, AK OÖ, Business Upper Austria, Wirtschaftskammer OÖ und Industriellenvereinigung OÖ. Ziel ist es, Interesse an technischen Berufen und MINT-Kompetenzen zu wecken – von Robotik über Künstliche Intelligenz bis hin zur grünen Transformation.
Qualifizierung als Schlüssel
Qualifizierung bleibt der zentrale Hebel der Arbeitsmarktpolitik. Zusammengefasst sind die Ausbildungsschwerpunkte 2026:
- Digitalisierung und Künstliche Intelligenz als Basiskompetenzen
- Umwelt- und Nachhaltigkeitsberufe, etwa mit dem „Campus Nachhaltige Logistik und Mobilität“, „Urban Gardening“ oder dem sozialökonomischen Betrieb „Zero Waste Kitchen“
- Pflegeberufe, unter anderem über Stiftungsmodelle und Stipendien
- Unternehmensnahe Qualifizierungen wie die Arbeitsplatznahe Qualifizierung oder Lehre für Erwachsene
Die Metallausbildungszentren werden laut Schmidt zudem in „Technische Ausbildungszentren“ weiterentwickelt und stärker auf Elektronik und Elektrotechnik ausgerichtet.
Kompetenzorieniert
Zunehmend setzt das AMS auch auf kompetenzorientierte Vermittlung. Statt formaler Ausbildungsabschlüsse werden individuelle Fähigkeiten und Kompetenzen im Mittelpunkt gerückt. Hier spielt vor allem die unternehmensnahe Qualifizierung eine große Rolle.
Kritik am „Zwischenparken“ von Arbeitskräften
Kritisch äußert sich Rudolf Moser, Mitglied des Landesdirektoriums der Arbeiterkammer OÖ und Mitglied des AMS-Landesdirektoriums zum sogenannten „Zwischenparken“ von Beschäftigten. Dabei würden Unternehmen bei schwacher Auftragslage Mitarbeitende vorübergehend arbeitslos melden. Das belaste die Arbeitslosenversicherung erheblich und führe zu Einkommensverlusten für Betroffene. Auch fordert er angesichts der Herausforderungen höheres Budget für das Arbeitsmarktservice.
Auch Menschen mit Beeinträchtigungen sind für ihn stärker in den Fokus zu nehmen. Drei Viertel der Betriebe würden ihre gesetzliche Beschäftigungspflicht nicht oder nur teilweise – erfüllen.
WKOÖ vorsichtig optimistisch
Die Wirtschaftskammer OÖ mit Vizepräsidentin Lisa Sigl, ebenfalls Mitglied des AMS-Landesdirektoriums, zeigte sich vorsichtig optimistisch. Besonders im Produktionssektor sei zuletzt ein Rückgang der Arbeitslosigkeit bei gleichzeitig steigenden offenen Stellen zu beobachten gewesen. Sinkende Inflation und eine stabile Tourismusentwicklung könnten 2026 zusätzlichen Rückenwind bringen. Schwerpunkt müsse die unternehmensnahe Qualifizierung sein.
Für sozialpartnerschaftliche Gespräche stehe die Wirtschaftskammer auch bereit, so Sigl zu Moser - sie sieht sie beim kritisierten Thema „Zwischenparken“ allerdings keinen auffallenden Trend.
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