Erinnerungszeichen für verhindertes Atomkraftwerk vor Toren von Linz enthüllt
LINZ/SANKT PANTALEON-ERLA. Vor 50 Jahren war weniger als 15 Kilometer von Linz entfernt, in der niederösterreichischen Gemeinde St. Pantaleon-Erla, der Bau eines Atomkraftwerks geplant. Genau 15 Jahre nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima wurde dort - initiiert von der Linzer Anti-Atom-Organisation „atomstopp_atomkraftfrei leben!“ - ein Erinnerungszeichen an das letztlich verhinderte AKW enthüllt.

Im Rahmen der Enthüllung trugen Schüler der Fachschule für wirtschaftliche und soziale Berufe Erla ihre Gedanken zu den Gefahren der Atomenergie vor. Bei der Enthüllung vor Ort war auch die Linzer Klima-Stadträtin Eva Schobesberger (Grüne). Sie betonte, wie wichtig es für Linz war, dass die damaligen AKW-Pläne verworfen wurden: „Bei einem Super-GAU in einem AKW St. Pantaleon hätte Linz wohl evakuiert werden müssen. Allein daran sieht man, dass diese Art der Stromerzeugung nicht verantwortbar ist.“
„Proteste waren visionär“
Herbert Stoiber, Geschäftsführer von atomstopp_atomkraftfrei leben!, spannte einen Bogen von der Vergangenheit in die Gegenwart: „Die damaligen Proteste waren visionär, schließlich waren die Super-GAUs von Tschernobyl und Fukushima noch in ferner Zukunft. Umso unverständlicher, dass nach diesen Großkatastrophen noch immer manche nach AKWs rufen – auch wenn eine Renaissance zum Glück nur herbeiphantasiert wird. Schließlich würde ein Ausbau der Atomenergie Jahrzehnte dauern. Bis dahin sind wir mit Erneuerbaren versorgt.“
Auch Friedrich Witzany, der von Beginn an zu den führenden Gegnern des Projekts gehörte, erklärte, dass damals eine große Technologiegläubigkeit geherrscht habe. Es habe vieler Informations- und Protestveranstaltungen bedurft, die schließlich erfolgreich gewesen seien.
Laut ursprünglicher Planung wäre der Baubeginn mit 1976 festgelegt worden. Die von der Widerstandsbewegung 1974 organisierte Befragung der Gemeindebevölkerung zeigte: 91 Prozent waren gegen das AKW. Zusätzlich wurden in der Region rund 75.000 Unterschriften gesammelt. Der wachsende Protest trug letztlich dazu bei, dass Österreich 1978 in einer Volksabstimmung auch das bereits fertiggestellte Atomkraftwerk Zwentendorf ablehnte.
Direkt an der Donau
Das Erinnerungszeichen kann am damals vorgesehenen Standort des AKW in St. Pantaleon-Erla direkt an der Donau besichtigt werden.


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