Fachhochschule OÖ setzt mit modernisiertem Agrarstudium auf innovative und praxisnahe Landwirtschaft
OÖ/WELS/STEYR/LINZ. Die Landwirtschaft befindet sich im Wandel. Das überarbeitete Agrarstudium an der Fachhochschule (FH) OÖ an den Standorten Wels und Steyr soll dafür die passenden Antworten liefern.

Die Landwirtschaft verändert sich – und mit ihr die Anforderungen an Ausbildung und Praxis. Klimawandel, neue Auflagen und technologische Entwicklungen stellen Betriebe vor Herausforderungen. Darauf reagiert die FH OÖ mit einem neu strukturierten Agrarstudium, das ab Herbst startet. Das Bachelorstudium wird an der FH Wels angeboten, an der FH Steyr kann berufsbegleitend ein Masterstudium angeschlossen werden.
Dass diese Entwicklung notwendig ist, unterstreicht auch Agrar-Landesrätin Michaela Langer-Weninger (ÖVP): „Oberösterreich ist Agrarbundesland Nr. 1, gerade wenn es um die Tierhaltung geht. Für uns ist es wichtig, dass wir für die bäuerlichen Familienbetriebe, die dieses Land so stark und so intensiv prägen und damit für Wertschöpfung, für entsprechende Kulturlandschaft, für gesunde und hochwertige Lebensmittel sorgen, auch die entsprechende Ausbildung anbieten können. Ich bin sehr dankbar, dass wir in Oberösterreich in dieser Breite aufgestellt sind und für junge Hofübernehmer und auch alle Interessierten dieses Angebot haben.“
Oberösterreichs Landwirtschaft ist auch wirtschaftlich ein Schwergewicht: Als „Unternehmen“ betrachtet sorgt die Landwirtschaft in OÖ für einen Produktionswert von 2,9 Milliarden Euro, rund 30.000 landwirtschaftliche Betriebe gibt es im Bundesland. „Jeder einzelne landwirtschaftliche Betrieb ernährt schon jetzt 140 Personen“, erläutert Langer-Weninger die Bedeutung der Branche auch für die Versorgungssicherheit.
Ausbildung als Antwort auf den Wandel
Der Wandel selbst sei dabei nichts Neues: „Die Land- und Forstwirtschaft hat sich immer anpassen müssen. Dazu braucht es die entsprechende Aus- und Weiterbildung, das Know-how“, so Langer-Weninger mit Blick auf Entwicklungen wie den „Green Deal“ und die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der EU.
Auch das Thema Digitalisierung beschäftigt die Landwirtschaft zunehmend – von Automatisierung über Präzisionslandwirtschaft und Smart Farming bis hin zu Sensorik und Künstlicher Intelligenz. „Das sind vielleicht nicht die ersten Themen, die man mit der Land- und Forstwirtschaft verknüpft – aber wir sehen, dass unsere Bäuerinnen und Bauern sich mit den Themen intensiv beschäftigen.“
Genau hier setzt die Neuausrichtung des Studiums an. Das Studium wird breiter aufgestellt und stärker an die Realität der Betriebe angepasst. Neben klassischen Themen wie Pflanzenbau oder Tierhaltung gewinnen neue Inhalte an Bedeutung. Dazu zählen etwa Energiemanagement, Digitalisierung und nachhaltige Bewirtschaftung. Auch Spezialbereiche wie Berg- und Grünlandwirtschaft oder Obst- und Weinbau werden stärker berücksichtigt.
Praxisnah und flexibel studieren
Ein zentrales Element ist ein neues Zeitmodell beim Bachelorstudium in Wels. Lehrveranstaltungen finden verstärkt im Winter statt, während die ernteintensiven Sommermonate weitgehend frei bleiben, um für die Arbeit am Hof da sein zu können. Ergänzt wird das Studium durch Abendtermine, Onlineformate und flexible Lernangebote.
„Wir sind immer noch ein Vollzeitstudium, haben aber unsere Vorlesungen nun so getaktet, dass sie sich mit den Arbeiten in der Landwirtschaft besser vereinbaren lassen“, erklärt Claudia Probst, Studiengangsleiterin Agrartechnologie und -management (Bachelor) am FH Campus Wels.
Das Angebot richtet sich dabei nicht nur an Hofübernehmer, sondern steht auch Interessierten ohne landwirtschaftlichen Hintergrund offen. Die Einstiegsphase wird neu gestaltet, sodass unterschiedliche Vorkenntnisse ausgeglichen werden können. Gleichzeitig wird der Übergang in weiterführende Studien verbessert.
Inhalte am Puls der Zeit
Um die Ausbildung optimal auszurichten, wurde im Vorfeld eine umfassende Befragung unter Stakeholdern, Schulen, Absolventen landwirtschaftlicher Fachschulen und in der Agrarcommunity durchgeführt. „Wir haben bestehende Stärken ausgebaut. Ich glaube auch, dass gerade im Bereich Lebensmittelentwicklung und Lebensmittelgewinnung großes Potenzial in und für Oberösterreich herrscht. Und ich glaube, es braucht ein Stück weit eine wissenschaftliche Begleitung“, so FH OÖ-Präsident Michael Rabl.
Er betont auch die Bedeutung von Motivation und Perspektiven: „Junge Menschen brauchen Mut. Und wir müssen sie motivieren. Wir müssen sie aber auch dafür sensibilisieren, dass vielleicht gewöhnte und ausgetretene Pfade nicht immer zukunftsfähig sind. Genau hier setzen wir an. Hier braucht es Motivation und eine entsprechende Ausbildung, um diese Angst, die man vielleicht hat, sich als junger Mensch über ein großes neues Projekt zu trauen, zu nehmen.“
Claudia Probst ergänzt: „Die Erfahrung der letzten Jahre hat uns gezeigt, dass gerade wenn es um Klimaschutz und Energie geht, es ein wenig Aufholbedarf im Curriculum gegeben hat. Bei der Studie ist zum Beispiel herausgekommen, dass das Thema Energiemanagement sehr gefragt ist. Auch das Thema Tiergesundheit, aber auch konventioneller Stallbau und EU-Auflagen – dieses dann direkt verknüpft mit Themen wie Grünland und benachteiligten Gebieten – ist gefragt.“
Zudem sei das Thema Forst ausgebaut worden. „Dennoch ist das Thema Technik nicht weggefallen, wir haben die Technik quasi direkt verknüpft mit den agrarwissenschaftlichen Fächern.“
Durchgängige Ausbildung bis zum Master
Bachelor- und Masterstudium werden enger verzahnt, um eine durchgängige Ausbildung vom Einstieg bis zur Spezialisierung zu ermöglichen. Dabei stehen Betriebsführung, Innovation und nachhaltige Produktion im Mittelpunkt.
„Wir bemühen uns seit vielen Jahren intensiv, das Thema Forschung einzubauen. Genau beim Thema Technologie und Anwendung setzt der Master an, wir versuchen in der Anwendung Sinn zu stiften, aber auch den Sinn der Studierenden dafür zu wecken, welche Technologien auf den Markt kommen“, erklärt Michal Schmidthaler, Studiengangsleiter Agrarmanagement und Innovation (Master) am FH Campus Steyr.
Er verweist auch auf die starke Ausgangsbasis: „Die oberösterreichische Landwirtschaft ist bereits hoch innovativ, wir haben einen sehr gut funktionierenden agrarischen Schulsektor, wir haben exzellente HBLAs und auch dreijährige Schulen. Und auf dieser guten Basis können wir aufbauen.“
Die „Digitale Spürnase“ im Kampf gegen Borkenkäfer
Wie eng Forschung und Praxis verzahnt sind, zeigen konkrete Projekte an den Standorten. Beispiele sind etwa „Next Generation Crop Care“, bei dem in Steyr autonome Hackgeräte getestet wurden, oder „Der energieoptimierte Bauernhof“ am Campus Wels.
Besonders innovativ ist eine entwickelte „Digitale Spürnase“. Dabei handelt es sich um einen Prototyp, der frühzeitig Borkenkäferbefall erkennen kann. „Wir haben eine Künstliche Intelligenz entwickelt, die es erlaubt, Geruchsmuster nachzuvollziehen. Gleichzeitig komplementieren wir mit Bildern: Die KI erkennt: Das ist eine Fichte. Da sind Löcher. Und vom Geruch her weiß sie: In diesem Loch befindet sich gerade ein Borkenkäfer-Männchen, das ein Weibchen anlocken will. Diese kombinierte Information gibt dem Förster die Info: Es ist noch früh genug, aber der Baum muss weg“, erklärt Claudia Probst.
Diese Technologie könne auch in anderen Bereichen eingesetzt werden, etwa zum Auffinden von Wildschweinkadavern. „Warum ist das wichtig? Aufgrund der Afrikanischen Schweinepest etwa. Es ist für uns ein großes Thema, Kadaver zu finden und diese zu beproben“, so Langer-Weninger.
Nachfrage
Im Bachelorstudium werden 30 Plätze pro Jahrgang angeboten. Sollte das Interesse durch qualifizierte Anwärter steigen, könne das Angebot ausgebaut werden. „Die Bewerberzahlen sehen für das nächste Semester schon sehr gut aus“, freut sich Probst über das Interesse. Im Masterstudium gibt es 15 Regelstudienplätze pro Semester, auch hier sei die Bewerbungslage sehr zufriedenstellend.
Tage der offenen Tür öffnet konkrete Einblicke
Interessierte können sich vor Ort informieren: Am 20. März findet am FH Campus Wels von ein Tag der offenen Tür statt, am FH Campus Steyr folgt dieser am 21. März.
Mehr dazu: Fachhochschulen OÖ laden ein, Campus-Luft zu schnuppern


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