Oö. Bauwirtschaft blickt nach Polen – und auf die Zukunft des heimischen Wohnbaus
OÖ/KRAKAU. Über nachhaltigen Wohnbau, moderne Massivbauweise und neue Wohnkonzepte informierte sich eine Delegation der oö. Bauwirtschaft in Krakau (Polen). Dabei wurde auch auf aktuelle Herausforderungen für die heimische Branche hingewiesen.

Die Delegation rund um WKOÖ-Präsidentin Doris Hummer, die beiden Landesinnungsmeister Martin Greiner (OÖ Bauhilfsgewerbe), Wolfgang Holzhaider (Bau OÖ), den Vorsitzenden der Stein- und keramischen Industrie der WKOÖ Stefan Leitl sowie LH-Stellvertreter Wohnbaureferent Manfred Haimbuchner (FPÖ) und Raumordnungs-Landesrat Markus Achleitner (ÖVP) besuchten auf ihrer Studienreise unter anderem die Wohnsiedlung OZON.
Urbanistisches Siedlungs-Projekt
Das Großprojekt im nordöstlichen Teil der 800.000-Einwohner-Stadt umfasst im Endausbau knapp 1.600 Wohnungen. Besonders geachtet wird auf viel Grün und Spielmöglichkeiten zwischen den Gebäuden, gemeinschaftlich nutzbare Einrichtungen und integrierte Supermärkte, Cafés und Restaurants. „Beim modernen Wohnbau hat man hier ganz klar auch die Kosten im Auge. Man baut von vornherein verdichtet. Man legt gleichzeitig Wert darauf, dass die Autos unter der Erde sind – Tiefgaragen werden entsprechend errichtet. Daraus ergeben sich dann Grünflächen“, fasst Haimbuchner die Vorgehensweise in Polen zusammen. Gleichzeitig sehe man in Krakau, dass auf alte Bausubstanz geachtet werde, diese hervorragend und qualitativ saniert werde.
Herausforderungen für heimische Bauwirtschaft
Die Reise wurde auch für den wichtigen Austausch genutzt und aktuelle Herausforderungen für die Oö. Bauwirtschaft besprochen.
„Wir haben ein massives Problem mit dem Nachwuchs, eine sinkende Zahl an Lehrlingen“, so Martin Greiner. Zudem sei die unzureichende schulische Grundausbildung vieler Jugendlicher frustrierend: „Es gibt Defizite in Deutsch, Mathematik, aber auch in der Motorik.“ Die Bereitschaft, Lehrlinge auszubilden, würde auch abnehmen. Greiner fordert daher eine Verbesserung von Fördermodellen und weniger bürokratische Hürden, um die duale Ausbildung langfristig abzusichern. WKOÖ-Präsidentin Hummer betont einen möglichen Ansatz: die bestehende Basisförderung für Lehrlinge gegen eine direkte Senkung der Lohnnebenkosten tauschen.
Ein Anliegen ist Greiner zudem ein hochwertiger und einheitlich geregelter Zugang zum Gewerbe in Österreich, „nur so können Wildwuchs, Pfusch und sinkende Qualitätsstandards verhindert werden“.
Nachverdichtung im Fokus
Landesinnungsmeister Holzhaider sieht wie Haimbuchner und Landesrat Achleitner großes Potenzial in der Nachverdichtung bestehender Ortskerne. Zentrales Anliegen ist die Anpassung der OÖ. Baugesetze. Auf Grundstücken im Rahmen der ehemaligen Kleinhausbebauung sollten vier statt bisher drei Wohneinheiten möglich sein. Für Haimbuchner sinnvoll, er verweist aber darauf, dass es dafür Akzeptanz in der Bevölkerung brauche. Gefordert wird auch eine Wohnbauförderung bereits ab vier Wohneinheiten bei zweigeschossiger Bauweise (bei Hauptwohnsitz). Achleitner verweist darauf, dass Nachverdichtung auch die Flächeninanspruchnahme senke. Er bekräftigt den Grundsatz in Oberösterreich „Boden schützen und Zukunft ermöglichen“: „Wir wollen mit unseren Bodenressourcen möglichst sparsam umgehen, zugleich die positive Weiterentwicklung des Landes ermöglichen.“
Kreislaufwirtschaft
Für einen fairen und neutralen Wettbewerb zwischen Baustoffen und einem Abgehen von einseitigen Förderungen plädiert Stefan Leitl. Er betont auch die Bedeutung von Recycling: 90 Prozent der Bau- und Abbruchabfälle werden derzeit wiederverwertet. Ziel ist es, durch Forschung und Entwicklung auch die restlichen zehn Prozent zu schaffen.
„Bitte weniger Formulare“
Allen gemein ist die Forderung nach Bürokratieabbau und Kritik an vielen Vorschriften. „Bitte weniger Formulare, lasst uns mehr Zeit für Innovation“, so Leitl.
Haimbuchner wie auch Holzhaider kritisieren konkret die Gebäuderichtlinie der EU, mit dem Ziel, Energieverbrauch und CO2-Emissionen weiter zu reduzieren. „Wir haben in den vergangenen 20 Jahren schon sehr energieeffizient gebaut, sind im Neubau schon lange weg von fossilen Energieträgern. Es ist sinnvoll, energiebewusst zu bauen. Aber was jetzt zusätzlich gefordert wird, ist Platinstandard, führt zu Mehrkosten, der Nutzen für Mieter oder Eigentümer ist aber Großteils nicht vorhanden“, so Haimbuchner. Es würde ein Moratorium in der EU brauchen – einen Stopp für neue Vorschriften.
„Niemand stellt Umwelt-, Gesundheits- oder Arbeitnehmerschutz in Frage, aber Regelungen müssen praxistauglich sein und dürfen die Wettbewerbsfähigkeit nicht gefährden“, unterstreicht Doris Hummer.


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