Zehn Millionen Euro zusätzlich für „Lehre mit Matura“
Ö/LINZ. Der Bund will die Lehrausbildung modernisieren und jungen Menschen mehr Möglichkeiten für ihre weitere Karriere eröffnen. Bei einem Besuch in der Linzer Konditorei Jindrak präsentierten Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) und Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner (SPÖ) aktuelle Maßnahmen. Für die „Lehre mit Matura“ werden zehn Millionen Euro zusätzlich zur Verfügung gestellt.

„Die Lehre ist kein Plan B, sondern ein Karriereweg mit Zukunft. Mit dem Lehrberufspaket haben wir 14 Lehrberufe auf den neuesten Stand gebracht, ab 2027 wird auch die Lehrabschlussprüfung in der Konditorei noch praxisnäher“, so Hattmannsdorfer. „Wer eine Lehre beginnt, dem stehen alle Wege offen – bis zur Meisterprüfung, zur Betriebsübernahme und in die Selbstständigkeit.“
Das zeige sich besonders beim Konditorenhandwerk. Während die Zahl der Lehrlinge zuletzt gesunken ist, haben deutlich mehr Menschen die Meisterprüfung abgelegt. Im Jahr 2025 wurden österreichweit 112 Meisterprüfungen im Konditorengewerbe erfolgreich abgeschlossen. Ein Jahr zuvor waren es 95. Das entspricht einem Plus von rund 18 Prozent. Auffällig ist dabei der hohe Frauenanteil: 104 der 112 Meisterprüfungszeugnisse gingen an Frauen.
Neue Prüfung für Konditoren ab 2027
Auch die Ausbildung selbst soll stärker an den Berufsalltag angepasst werden. Ab 1. Jänner 2027 gilt eine neue Lehrabschlussprüfung. Die Kandidaten müssen zunächst ein schriftliches Planungskonzept erstellen und dieses danach praktisch umsetzen. Gefordert werden unter anderem Aufschnitt- und Festtagstorten, Petits Fours, Pralinen, Teegebäck sowie Tellerdesserts im Schwerpunkt Patisserie.
Neu ist außerdem, dass die angefertigten Produkte präsentiert werden müssen. Neben dem handwerklichen Können sollen damit Kundenorientierung und Verkaufskompetenz stärker bewertet werden.
Mehr Mittel für „Lehre mit Matura“
Mehr Möglichkeiten soll es auch für Lehrlinge geben, die zusätzlich die Matura machen wollen. Für das Programm „Lehre mit Matura“ werden laut Bundesministerin Holzleitner zusätzlich zehn Millionen Euro bereitgestellt.
„Eine Lehre darf keine Sackgasse sein. Junge Menschen sollen unabhängig davon, welchen Bildungsweg sie wählen, die Chance haben, sich weiterzuentwickeln und weiter aufzusteigen. Genau dafür steht die Lehre mit Matura: Sie verbindet eine hochwertige Berufsausbildung mit der Möglichkeit zur Berufsreifeprüfung und eröffnet damit zusätzliche Bildungs- und Karrierewege“, so Holzleitner.
Weniger Lehrlinge, größerer Fachkräftebedarf
Die Maßnahmen kommen auch vor dem Hintergrund sinkender Lehrlingszahlen. Ende 2025 befanden sich in Österreich 102.878 Lehrlinge in Ausbildung. Das waren 3,4 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Gleichzeitig verschärft die demografische Entwicklung den Fachkräftebedarf: Die Zahl der Menschen im Erwerbsalter erreichte 2024 mit 5,57 Millionen ihren Höchststand und wird bis 2040 voraussichtlich um rund 256.000 Personen sinken.
Winkler begrüßt zusätzliche Mittel
Oberösterreichs SPÖ-Chef Landesrat Martin Winkler begrüßt die zusätzlichen Mittel für die „Lehre mit Matura“ als „wichtige Investition in junge Menschen, soziale Aufstiegschancen und unseren Wirtschaftsstandort. Wer sich für eine praktische Ausbildung entscheidet, muss danach alle Möglichkeiten haben – von der Meisterprüfung über die Selbstständigkeit bis zum Studium. Wenn wir den Fachkräftemangel ernsthaft bekämpfen wollen, müssen wir die Lehre attraktiver machen, Bildungswege öffnen und Weiterbildung unabhängig vom Einkommen ermöglichen.“








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