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OÖ/LINZ. Die öffentlich geförderten Deutschkurse in Oberösterreich werden neu organisiert. Künftig sollen Teilnehmer einheitlich eingestuft, Kurse stärker nach dem tatsächlichen Bedarf angeboten und Qualitätsstandards vereinheitlicht werden. Auch die Teilnahme soll genauer dokumentiert werden. Die Ausschreibung für das neue Kurssystem startet Anfang September. Am Freitag präsentierten Integrations-Ministerin Claudia Bauer und Integrations-Landesrat Christian Dörfel (beide ÖVP) die Neuerungen.

Stellten das neue Konzept der Deutschkurse vor (v. l.): Landesrat Christian Dörfel, Integrationsministerin Claudia Bauer und Franz Wolf (Direktor des Österreichischen Integrationsfonds) (Foto: Land OÖ/Lina Spenlingwimmer)

Bund, Land und der Österreichische Integrationsfonds (ÖIF) wollen künftig einheitliche Standards für Einstufung, Kursqualität und Dokumentation verwenden. Gleichzeitig soll das Land stärker bestimmen, wo und welche Kurse angeboten werden.

Bisher meldeten die Bildungsträger selbst, wie viele Kurse sie voraussichtlich benötigen. Auf dieser Grundlage wurden Budgetmittel reserviert. Der tatsächliche Bedarf und die spätere Auslastung standen zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht fest. Dadurch konnten einerseits Plätze frei bleiben, andererseits regional zu wenige Kurse zur Verfügung stehen. Auch Dokumentation und Qualitätssicherung unterschieden sich je nach Anbieter.

Flexibler und zielgerichteter

Mit dem neuen Modell soll das Angebot laufend an den tatsächlichen Bedarf angepasst werden. Besonders berücksichtigt werden sollen Gemeinden mit hohem Zuwanderungsdruck sowie bestimmte Zielgruppen, sogenannte „Hotspots“. Laut Dörfel sind das jene Gemeinden und Städte mit einem Anteil über dem Durchschnitt von 20 Prozent mit nicht-deutschsprachigen Ausländern. Rund 40 seien das in Oberösterreich aktuell, vor allem im Zentralraum.

Ändert sich die Nachfrage, sollen zusätzliche Angebote schneller eingerichtet werden können. Geplant sind auch Kurse zu Randzeiten, damit sich der Deutschkurs besser mit einer Berufstätigkeit vereinbaren lässt. Besteht in einer Kursgruppe verstärkt Bedarf an Kinderbetreuung, soll dafür ebenfalls eine Lösung gesucht werden. Die Ausschreibung beginnt Anfang September, ein Ergebnis wird bis Ende November erwartet.

Mögliches Vorbild auch für andere Bundesländer

Integrations-Ministerin Claudia Bauer, am Freitag zu Gast in Linz: „Gelungene Integration beruht auf drei klaren Säulen: Deutsch. Arbeit. Werte. Deutsch ist dabei der Schlüssel für Bildung, Arbeit und ein selbstständiges Leben. Deshalb müssen öffentlich geförderte Deutschkurse überall denselben hohen Qualitätsstandards entsprechen.“ Es gehe auch darum, Steuergeld wirksamer und effizienter einzusetzen. „Oberösterreich hat hier eine Vorreiterrolle, ich wünsche mir, dass dieses Modell auch in anderen Bundesländern übernommen wird.“

Land kann stärker steuern

Landesrat Dörfel sieht einen klaren Vorteil in einer stärkeren Steuerung durch das Land: „Mit der Ausschreibung der Niveaukurse beenden wir das bisherige ‚Wunschkonzert‘ und sorgen für aktive Steuerung. Wir gewährleisten eine regionale Verteilung, passende Kurse und rasche Konsequenzen bei Verstößen.“

Sprachstandseinstufung

Neu ist auch die Sprachstandseinstufung. Künftig sollen auch jene Personen, deren Deutschkurse vom Land gefördert werden, nach den Standards des Österreichischen Integrationsfonds ÖIF digital eingestuft werden. Das Verfahren orientiert sich am Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen für Sprachen. Die Ergebnisse sollen dem Land tagesaktuell zur Verfügung stehen. Teilnehmer können dadurch einem Kurs zugewiesen werden, der ihrem tatsächlichen Sprachniveau entspricht.

Im Integrationszentrum Oberösterreich werden jährlich rund 4.000 Personen eingestuft, wie der Direktor des Österreichischen Integrationsfonds, Franz Wolf, erläutert. Rund 30.000 Beratungen gebe es jährlich.

Einheitliche Qualitätsstandards

Auch bei den Kursen selbst übernimmt das Land künftig Qualitätsstandards des ÖIF. Diese enthalten Vorgaben zu Lernzielen und Kursinhalten, zur Qualifikation der Lehrkräfte sowie zur Dokumentation und Qualitätssicherung. Damit sollen öffentlich geförderte Kurse besser vergleichbar werden.

Eine weitere Änderung betrifft die Dokumentation. Oberösterreich will als erstes Bundesland sämtliche Daten seiner landesgeförderten Deutschkurse in die Integrationsschnittstelle des Bundes einmelden. Erfasst werden sollen der Sprachstand, die Teilnahme und der Abschluss. Sozialhilfebehörden, AMS und weitere zuständige Stellen erhalten damit aktuelle Daten, für etwaige Sanktionen aber auch, um Doppelgleisigkeiten und Mehrfachförderungen zu vermeiden.

Kritik von SPÖ, Grüne sind gespannt

SPÖ-Integrationssprecher Erich Wahl übt Kritik. „Während die ÖVP-Entscheidungsträger von einheitlichen Standards und bedarfsgerechten Kursen sprechen, haben sie mit dem Jahreswechsel zahlreiche bewährte Sprachförderprojekte massiv gekürzt. Namhafte Integrationsprojekte wurden um die Hälfte oder sogar bis zu einem Dreiviertel zusammengestrichen. Bewährten Programmen hat man so ein Ende gesetzt, Neuerungen können nie so schnell den bereits erreichten Standard erzielen.“

Die Grüne Integrationssprecherin Ines Vukajlović zu den präsentierten Maßnahmen: „Zumindest scheren sie aus dem bekannten Integrations-Demontage-Kurs aus. Einheitliche Standards bei den Deutschkursen sind grundsätzlich gut. Bessere Angebote vor allem in den Regionen natürlich auch - wenn sie denn kommen. Wir werden genau hinschauen, ob die Ankündigungen Substanz haben.“  


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