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Nach 30 Jahren in der Sozialarbeit spürte Eva Forster, dass es Zeit ist für ein neues Abenteuer. Mit der Gründung ihrer „Greisslerei“ im Herzen von Ottensheim lebt die zweifache Mutter seit drei Jahren die Slow-Food-Idee: Die Tiere werden am eigenen Hof liebevoll aufgezogen, deren Fleisch direkt im Geschäft nicht nur verkocht, sondern auch eingeweckt, Kräuter selbst angebaut und gepflückt.  

"Die Greisslerin" Foto: Rubra Fotos Rudolf Brandstätter
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„Mir war klar, ich kann in meinem alten Beruf nicht bis zur Pension weiterarbeiten. Ich wollte mich nicht mehr nur mit den schweren Dingen des Lebens und mit Krisen befassen“, erinnert sich Eva Forster an die anspruchsvolle Zeit im Sozialbereich. Spontan kündigte sie ihren Job und nahm sich eine Auszeit. Die damalige Rotteneggerin entschied sich für ein Studium und genoss es, nebenbei ihre Freundinnen zu bekochen und mit eingeweckten Gerichten zu beliefern. „Die Rückmeldungen aus meinem Freundeskreis waren gut, meine Gerichte wurden gelobt“, freut sich Forster.

Hausgemacht

Schnell war das Konzept für die Selbstständigkeit geboren: ausgesuchte Bio-Ware, persönlich verkostet und eingekauft. Bio-Fleisch aus eigener Zucht, Biokräuter aus dem eigenen Garten, besonders verträglich auch für Allergiker, also glutenfrei und laktosefrei, sollte es sein. Aber auch einige Hürden stellten sich ihr bei der Gründung in den Weg: „Ich war komplett branchenfremd, die Behördenwege und die vielen Auflagen waren eine Herausforderung, der ich mich stellen musste“, blickt Forster zurück und ist dennoch froh, den Schritt gewagt zu haben. Einwecken aus der Kindheit

Schonendes Weckverfahren

Selbst ist die Mühlviertlerin mit dem auch von ihr angewandten schonenden Haltbarkeitsverfahren, dem Einwecken, aufgewachsen. Bereits ihre Mutter hat mit dem sanften Verfahren sämtliche Lebensmittelkombinationen haltbar gemacht. „Als die Gefriertruhen Einzug in die Wohnhäuser hielten, hörte das Einwecken auf. Ich finde das sehr schade, denn durch das Einfrieren verlieren die Gerichte den Geschmack“, beteuert Forster. So einfach sei das Wecken aber gar nicht, man müsse sich viel Wissen über verwendbare Gewürze und Kräuter aneignen und auch viel experimentieren, bis man zu einem perfekten Ergebnis gelangt.

Biologische Lebensmittel

Auch die bewusste Entscheidung für biologische Lebensmittel hat seine Gründe: „Mir ist es wichtig, dass die Qualität stimmt. Ich mag keine industriell gefertigten Lebensmittel. Meine Gerichte sollen so natürlich und biologisch wie möglich sein, und das schmeckt man auch“, ist die Greisslerei-Inhaberin sicher. Bis zu biologischen Kosmetikprodukten zieht sich der sanfte, biologische Grundgedanke in ihrem Geschäft durch, denn „es darf auch nichts auf die Haut, was man nicht auch essen könnte“.

Fleisch aus eigener Zucht

Die eigene Aufzucht der Tiere ist vor allem von ihrem Lebenspartner Albert eine Herzensangelegenheit, wobei auch immer wieder die Gefahr besteht, dass Eva Forster Tiere liebgewinnt und es dann nicht übers Herz bringt, sie zu verkochen: „Beim jungen Osterkitz weigere ich mich, das schaffe ich nicht. Rupfen der Hühner ist für mich kein Problem. Aber wenn die Tiere zum Schlachten gebracht werden, kann ich nicht einmal beim Einladen dabei sein, das bring ich nicht übers Herz. Es gibt sogar einzelne Tiere, die handzahm sind, die werden dann von mir höchstpersönlich auf unsere Alm in Taxenbach verfrachtet anstatt zum Schlachter“, lächelt die zweifache Oma. Ihr Freund hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht, für den Erhalt der vom Aussterben bedrohten Rasse Tauernschecken zu kämpfen, um eine Vielfalt der Tiere zu erhalten. „Sonst bleiben am Ende nur mehr landwirtschaftlich nützliche Rassen übrig. Wir haben Perlhühner, die halt dann ihre Eier legen wenn sie wollen, nicht wenn sie müssen“, schmunzelt Forster.

Wunschstandort Ottensheim

Auch den Standort Ottensheim in der Linzer Straße im auffälligen lila Häuschen hat die Dürnbergerin ganz bewusst ausgesucht: „Ottensheim ist sehr familiär, bietet ein gutes Publikum für mein Konzept, und es gibt ein gutes Netzwerk für Unternehmer“, fasst Forster ihre Gründe zusammen und sagt ehrlich: „Reich werde ich hier nicht, das ist mir bewusst. Aber es geht sich immer alles irgendwie aus“, lächelt die sympathische Slow-Food-Gastronomin, deren Greisslerei übrigens zum dritten Mal im Slow-Food-Gasthausführer von 130 Ländern aufgeführt ist. Und sich damit gemeinsam mit der Initiative für die Erhaltung regionaler Kochkultur und Bewahrung althergebrachter und nachhaltiger Landwirtschaftstraditionen engagiert.

Erholungsphase Kochen

Es gebe zwar viel zu tun in ihrem eigenen Laden, aber das Stressausmaß sei heute ein anderes als früher. „Wenn ich abends heimkomme bin ich müde, aber es ist jetzt ganz ein anderer Stress als früher. Für mich selbst aber bleibt gerade wenig Zeit übrig. Meine Erholungs-Phasen sind das Kochen am Vormittag, das genieße ich richtig und kann dabei fast meditieren“, erzählt Forster.

Info:

www.greisslerei-forster.at

www.mythos-tauernschecken.com


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