Sammler sind glückliche Narren
PASCHING/NEUHOFEN. Seit 40 Jahren sammelt Anna Sorna Krampusse. Weit über 1.000 Figuren in allen Größen und Formen gibt es in ihrer Wohnung in Langholzfeld.

Derzeit arbeitet Anna Sorna an einem Krampus-Schach aus Porzellan. Sie hat auch schon unzählige Krampus-Köpfe geformt. Das Talent dazu hat sie vom Portrait-Malen, ebenfalls eine ihrer Leidenschaften.
Der Großteil ihrer Arbeit basiert aber auf historischen Relikten. „Ich muss immer erst etwas Altes finden, damit ich daraus etwas Neues machen kann“, erklärt Sorna.
Flohmärkte sind ihr Revier
Vor allem Flohmärkte sind ihr Revier. So findet sie manchmal Krampusköpfe aus einer Art Ton − ohne Nase, Ohren oder Hände. Diese werden dann restauriert und ein möglichst authentisches Outfit kreiert.
„Als ich das erste Mal einen alten Pelz für diese Figuren nach Hause gebracht habe, da hätte mich mein Mann fast rausgeworfen“, scherzt Sorna. „Hier muss man natürlich das Ungeziefer mit diversen Mitteln im Zaum halten, und erst bei den alten Zwetschkenkrampussen, die ich aus einem Museum habe, was glauben Sie, da muss man aufpassen.“
Aber von Hygieneproblemen ist in der Wohnung von Anna und Alfred Sorna tatsächlich keine Spur zu erkennen. Die abertausenden Krampusse sind fein säuberlich in Vitrinen, dicht an dicht, sorgfältig verstaut.
Auch ihr Mann Alfred hat, aus Langeweile auf den unzähligen Flohmarktbesuchen mit seiner Frau, angefangen zu sammeln. Ihm haben es alte Kameras angetan. „Aber als er keinen Platz mehr hatte, hat er eben wieder aufgehört. Das ist bei uns richtigen Sammlern anders“, schmunzelt Anna Sorna. Natürlich wird auch bei ihr der Platz knapp, aber „die Stücke werden halt immer dichter zusammengedrängt“.
Der Traum von einer großen Ausstellung
Deshalb wünscht sich die Sammlerin auch, einmal die Chance auf eine richtig große Ausstellung in einem Museum zu bekommen. Damit all die liebevollen Details wieder Raum bekommen.
Auf meine Frage, ob es ein Kellerabteil gibt, in dem auch noch Sammelstücke lagern, erfahre ich noch Erstaunlicheres: „Ich hab schon einen Keller, aber da sind Dekorationsmittel drin. Wie das rote Geschirr und die Gläser, alle mit Krampussen bemalt. Weil wenn wir eine Krampus-Feier machen, da muss natürlich auch das Umfeld passen. So sind wir halt.“
Krampus-Feste
„Wir“ ist eine Gruppe von neun Leuten, alle mit einem Faible für Krampusse. „Die einen sammeln nur Krampus-Karten, einer sammelt nur Nikolaus-Sachen, ganz verschieden. Aber sie kommen alle in Rot oder Schwarz zu meinen Festen.“
Alle neun eint das historische Interesse an der Thematik.
Die Nikolaus-Geschichte kennt man ja seit 1880/90, und der Krampus war sein Begleiter. „Der Krampus ist ja nicht der Böse, der Krampus ist nur der, der bestraft. Und er hat nie ein braves Kind bestraft, immer nur die unartigen. Und wenn der Nikolaus gesagt hat, es ist genug, dann hat er aufgehört“, erzählt Sorna.
Und dass aus pädagogischer Sicht heute der Nikolaus und der Krampus als bedenklich eingestuft werden, kann sie überhaupt nicht nachvollziehen. „Was ist denn bitte an Helloween oder den Perchten besser?“


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