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Van Gogh und das Kino: Betreiber der Lichtspiele Katsdorf adressiert offenen Brief an den Bundeskanzler und den Gesundheitsminister

Markus Hochgatterer, 17.03.2021 09:43

KATSDORF/LINZ. Kinobetreiber Norbert Dattinger (Lichtspiele Katsdorf) wendet sich mit einem Brief an oberste Regierungsvertreter.

Die Van Gogh-Ausstellung begeisterte bis zum 14. März zahlreiche Besucher in der ehemaligen Linzer Tabakfabrik. (Foto: oberoesterreichische nachrichten/volker weihbold)

Sehr geehrter Herr Bundeskanzler,

sehr geehrter Herr Gesundheitsminister,

 vor einigen Tagen besuchte ich die „Van Gogh“-Ausstellung in der ehemaligen Tabakfabrik in Linz.

Die Ausstellung ist ohne Zweifel sehenswert. Wenn man bereit ist, sich den Werken von Vincent Van Gogh in einer modernen Art und Weise unter Verwendung alle technischen Raffinessen, die heute zur Verfügung stehen, anzunähern, wird man von einem besonderen Erlebnis überrascht. Die Bilder des Künstlers werden lebendig, Ihr Inhalt beginnt sich zu bewegen, beginnt zu fließen und zu verformen. Damit aber sind wir schon mitten im Thema.

Nachdem man nach Anmeldung ohne Vorweis einer Testung die Ausstellung betritt, erreicht man im 3. Ausstellungsraum einen Saal, der sich von einem Kinosaal kaum unterscheidet. Es gibt allerdings keine fixen Reihen, sondern sind über den gesamten Raum Lederstühle verteilt, auf denen gleichzeitig 2 Personen Platz nehmen können. Am Tag meines Ausstellungsbesuches waren geschätzte 80 Personen in diesem sehr großen, kinosaalähnlichen Raum. Auch geboten wird in diesem Saal Unterhaltung, die sich mit einem Kinobesuch durchaus vergleichen lässt. Die Werke von Van Gogh werden mit Hilfe moderner Computertechnik lebendig, Wasser fließt aus den Bildern und beginnt, den Raum zu füllen. Blühende Bäume und Sträucher verteilen sich auf alle vier Wände, den Boden und die Decke und bewegen sich wie im Wind.

Ich war ehrlich begeistert. Und dann fiel mir unser Kinosaal ein. Der Saal ist ähnlich groß, vielleicht nicht ganz so hoch. Projiziert wird bei uns nicht auf alle vier Wände, den Boden und die Decke, sondern nur nach vorne auf die Leinwand. Die Menschen bewegen daher bei uns im Kino nicht so stark die Köpfe, renken nicht so stark ihren Hals wie in dieser Ausstellung. Die Menschen im Kinosaal sehen eher starr nach vorne.

Unser Saal fasst 120 Besucher. In Coronazeiten haben wir – als das Kino von Juni bis Oktober 2020 geöffnet sein durfte, nur jeden dritten Platz vergeben. Mit Glück hatten wir bei einer Vorstellung 30 Besucher, eher aber viel weniger.

Und dann habe ich mich geärgert, sehr sogar.

Ich ersuche nun, mich keinesfalls falsch zu verstehen. Ich freue mich, dass die Ausstellung geöffnet war und so viele Besucher Ihre Freude daran hatten. Ich möchte keinesfalls den Eindruck erwecken, dass ich verärgert darüber war, dass so viele Besucher in dieser Ausstellung waren. Und mich hat auch die Anzahl der Besucher in dem besagten, kinosaalähnlichen Raum nicht gestört. Im Gegenteil: Schön war das Erlebnis, wieder unter Menschen sein zu dürfen, die ähnliche Interessen wahrnehmen wie ich. Es war ein wunderschöner Ausstellungsbesuch. Gestört hat mich aber plötzlich die Unfairness, mit der mit uns Kinos und ähnlichen Kultureinrichtungen verfahren wird.

In unserem Kino wären keine 80 Personen zugegen. Wenn wiur immer mit 20 Besuchern unsere Vorstellungen abwickeln könnte, wären wir schon zufrieden. Und wenn ein Film einmal wirklich mehr Besucher anzieht – 80 Besucher sind es dennoch kaum. Und sind es 60 Personen, so können diese 60 Personen trotz dazwischen freibleibendem Sessel Ihren Platz finden. Und die Lüftung wäre eingeschaltet und würde das Risiko einer Infektion weiter verringern.

Ich könnte einen der vielen Verfilmungen über das Leben von Vincent Van Gogh als Ergänzung zur erwähnten Ausstellung anbieten.

Aber nein, uns ist die Öffnung nicht gestattet. Das finde ich unfair. Das empfinde ich als sehr schmerzvolle Ungleichbehandlung.

Die Ausstellung schließt am 14. März ihre Pforten, leider.  Die Ungerechtigkeit ist dadurch beseitigt?   Nein!  Denn in den vielen Wochen zuvor durften wir unser Publikum nicht begrüßen und mit ebensolchen Erlebnissen verwöhnen.

Und diese Ungleichbehandlung bzw. die Folgen, die Gefühle im Zusammenhang mit dieser Ungleichbehandlung bleiben.

 

Dr. Norbert Dattinger

LICHTSPIELE KATSDORF

 

 


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