"Ich bedanke mich für mein ganz persönliches Erntedankfest"
SCHWERTBERG. In Zeiten, in denen Zeitungen voller erschütternder Berichte über das Leid der Welt sind, geschehen gleichzeitig auch großartige, menschliche, herzerwärmende Ereignisse, die meistens aber im Verborgenen bleiben und es nicht ans Licht der Öffentlichkeit schaffen. Doch heute schon.

„Ich habe mich dafür entschieden, anonym zu bleiben, weil es in der mir passierten Geschichte nicht um mich oder um Einzelpersonen geht, sondern um die Kraft, die in einer Gemeinschaft entsteht, in denen die Menschen das Herz am rechten Fleck haben. Darum ist es mir ein besonderes Bedürfnis, den Scheinwerfer auf ein Ereignis zu richten, das sich mitten unter uns in der Gemeinde Schwertberg ereignet hat“, sagt eine Schwertbergerin (Name der Redaktion bekannt). Seit vielen Jahren leidet die Frau an einer chronischen, genetisch bedingten Erkrankung, die sehr schmerzhaft ist und eine mit den Jahren zunehmende Bewegungseinschränkung bedeutet. Mit viel Disziplin, unzähligen Stunden frühmorgendlichem Mobilitätstraining und ausgeklügelten Strategien, damit ihr Umfeld nichts mitbekommt, blieb ihre Krankheit lange unentdeckt. Nur Familie und enge Freunde wussten Bescheid.
Nach missglückten Operationen weitere notwendig
„Bis schließlich zwei Operationen, welche mir eine Verbesserung meiner Beschwerden bringen sollten, mehr oder weniger unglücklich verlaufen sind und jetzt vier weitere Operationen notwendig sind. Nun ließ es sich einfach nicht länger verheimlichen. Besonders belastend für mich ist, dass ich einen Großteil dieser Operationen selbst finanzieren muss. Mir wurde eine Spezialklinik empfohlen, in welcher ich in fachlich sehr guten Händen bin. In der Hoffnung auf dauerhafte Schmerzlinderung und einen Teil meiner Lebensqualität zurückzubekommen, habe ich mich für die Operationen entschieden, ohne schon genau zu wissen, wie ich diese finanzieren soll. Rationell war diese Entscheidung nicht, aber getragen von Glauben und Hoffnung auf eine gute Lösung, auch wenn ich diese noch nicht kannte“, sagt die Schwertbergerin.
Großartige Unterstützung
Vor einigen Wochen hat sie sich dann Freundinnen aus dem Umkreis der Pfarre Schwertberg anvertraut. Und diese haben eine Idee geboren: Beim heurigen Chorwandertag des „Kreuz & Quer -Chores“ sollte ihre Leidensgeschichte im vertrauten Kreis der Gemeinschaft öffentlich gemacht werden. Jedes Chormitglied bekam die Möglichkeit, sich zu überlegen, wie eine mögliche Unterstützung im kommenden Jahr, das geprägt sein wird von Operationen, aussehen kann. „Aus dieser Initiative ergab sich eine Welle der Hilfsbereitschaft, von der ich natürlich zu diesem Zeitpunkt noch keine Ahnung hatte. Viele Chorsänger und sogar andere Mitglieder der Pfarre, die so von meiner Notsituation erfahren haben, wollten ihren persönlichen Beitrag zu meiner Unterstützung einbringen“, sagt die Patientin. Daraufhin wurde ein Überraschungs-Geburtstags-Kaffeekränzchen mit einer überschaubaren Anzahl von Chormitgliedern organisiert. Alle Anwesenden brachten Angebote ein, wie sie unterstützen könnten. „Von Pflegedienst, Essensversorgung, Hilfe bei der Reinigung der Wohnung, dem Erledigen des Einkaufs, diversen Taxidiensten und Krankenbesuchen war alles dabei. Ich war sprachlos – überwältigt von diesen unerwarteten Unterstützungsangeboten meiner Chorfreunde und anderer Personen, der Pfarre nahestehenden Hilfswilligen.“
Tränen der Erleichterung
Als sie dann am Abend die Glückwunschkuverts öffnete, um sich an den aufbauenden Worten ihrer Gesangskollegen zu erfreuen, staunte sie nicht schlecht, als sie in den vielen Kuverts Beiträge zur Finanzierung ihrer Operationen entdeckte. „Damit hatte ich bei aller Liebe nicht gerechnet!“, betont sie und sagt weiter: „Zwei Packungen Taschentücher fingen die Tränen der Freude, der Dankbarkeit, der Rührung, der Erleichterung und auch des Glücks auf. Auf einer der Glückwunschkarten stand: ‚Und manchmal flüstert das Glück ganz leise: Du bist dran!‘ Es ist ein sehr gutes Gefühl in einer Gemeinschaft eingebettet zu sein und zu wissen, dass alles, was auf mich zukommt, ich nicht alleine durchstehen muss. Mein ganz persönliches kleines Erntedankfest!“


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