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Dunkle Tage, schlechte Laune – Psychologin Angelika Lang über saisonale Verstimmungen

Jennifer Wiesmüller, 28.10.2025 15:36

RIED/RIEDMARK. Der Herbst hat die Landschaft bereits in seine warmen Farben gehüllt, die Luft wird klarer – die Temperaturen sinken, und die Tage werden immer kürzer. Während sich einige auf die Gemütlichkeit des Winters freuen, rutschen andere in ein Stimmungstief. Angelika Lang, Psychologin aus Ried in der Riedmark, klärt im Tips-Gespräch Fragen rund um das Thema Winterdepression – was hilft, wenn sich die Dunkelheit aufs Gemüt schlägt?

Psychologin Angelika Lang aus Ried in der Riedmark. (Foto: Tips)
Psychologin Angelika Lang aus Ried in der Riedmark. (Foto: Tips)

Wenn das Aufstehen am Morgen schwerfällt, man ständig müde, niedergeschlagen, weinerlich oder traurig ist – dann könnte dahinter eine Winterdepression stecken. „Im Fachjargon sagen wir auch „Seasonal-Affective-Disorder““, berichtet Psychologin Angelika Lang aus Ried in der Riedmark. Die Ursache dieser Erkrankung? „In den Monaten November, Dezember und Jänner ist weniger Tageslicht zur Verfügung. Das beeinflusst unseren Hormonhaushalt, besonders die Produktion von Serotonin und Melatonin, die für die Stimmung mitverantwortlich sind.“ Generell steige das Risiko, an einer Winterdepression zu erkranken, mit zunehmenden Alter.

Den Körper austricksen

Um den Körper auszutricksen, könne es oft schon helfen, Mittagslicht künstlich zu simulieren. Angelika Lang verweist auf spezielle Tageslichtlampen (Sättigungsgrad von 5.000 bis 6.500 Kelvin). Stellt man diese rund 30 Minuten am Tag, etwa beim Frühstücken, mit einem Abstand von 50 Meter neben sich, könne das oft schon spürbare Auswirkungen auf das Gemüt haben.

Ab an die frische Luft

„Wenn es draußen kalt und ungemütlich ist, sagen sich viele Menschen „Ich bleibe lieber drinnen“. Doch gerade das Hinausgehen in die Natur hat viele positive Effekte auf die Stimmung“, so Lang. Die Expertin schlägt vor, jeden Tag etwa 30 Minuten spazieren zu gehen.  „Der Blick in die Ferne stärkt das Wohlbefinden – es tut der Psyche gut, wenn man nicht immer eine Wand vor den Augen hat.“ Die gleichmäßige Bewegung beim Spazierengehen hälfe dabei belastende Gedanken loszulassen. „Man kann sich während eines Spaziergangs besser von seinen Gedankenkreisen distanzieren.“ Besonders effektiv sei der Spaziergang, wenn er zur Mittagszeit stattfindet – damit man auch Sonnenlicht aufnimmt. 

Eine Belohnung in Aussicht stellen

„Ein Hilfsmittel im Umgang mit einer Winterdepression kann auch eine Belohnung sein“, verrät Lang. „Es kann helfen, wenn man sich bewusst am Morgen eine Sache für den Tag in Aussicht stellt, auf die man sich freuen kann. Das kann ein Treffen mit einem Freund sein, die Lieblingsserie am Abend oder auch etwas Leckeres zum Essen.“ Als Unterstützung und zur Entspannung im Alltag eignen sich zudem einfache Atemtechniken, die das Nervensystem beruhigen. Psychologin Angelika Lang macht etwa auf die Drei-Vier-Sieben-Methode aufmerksam: „Drei Sekunden einatmen, vier Sekunden den Atem halten und sieben Sekunden langsam ausatmen. Diese Übung lässt sich ganz nebenbei machen – beim Arbeiten, Kochen oder sogar während man auf den Aufzug wartet.“

Unterstützen – aber mit Grenzen

Ist ein Familienmitglied oder der Partner von einer saisonalen Depression betroffen, möchten nahestehende Personen oft helfen: „Man kann versuchen, den Betroffenen abzulenken und ihn für eine gemeinsame Aktivität entführen – sei es ein Kinobesuch, ein Thermenaufenthalt, ein Escape-Room-Event oder ein Spaziergang über den Adventmarkt. Nimmt die Person diese Unterstützung aber nicht an, ist es wichtig, auf sich selbst zu achten. Man sollte für den anderen zwar da sein, nicht aber die Verantwortung für seine Gefühle übernehmen.“

Transparenz als erster Schritt

Wichtig im Umgang mit einer Winterdepression sei vor allem die Transparenz darüber: „Man sollte ehrlich zu sich selbst und zu anderen sein. Es muss nicht immer sofort ein Psychologe aufgesucht werden – aber man sollte sich zumindest einem Freund anvertrauen.“ Sobald die Tage länger werden und der Frühling vor der Tür steht, klingt die saisonale Verstimmung meist von selbst ab. Tritt keine Besserung ein, rät Lang dazu, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

„Es wird nie langweilig“

Angelika Lang arbeitet seit sieben Jahren in ihrer eigenen Praxis in Ried in der Riedmark. An ihrer Tätigkeit als Psychologin schätzt sie besonders die Zusammenarbeit mit ihren Klienten: „Ich habe das Gefühl, wenn man mit Menschen arbeitet, wird es nie langweilig. Es ist immer spannend und berührend und letztendlich ist es auch ein unglaublich schönes Gefühl, wenn jemand sagt: „Jetzt brauche ich Sie nicht mehr“.“

Telefonische Soforthilfe bei psychischen Problemen:

Telefonseelsorge: 142 (rund um die Uhr)

Krisenhilfe OÖ: 0732 2177 (rund um die Uhr)

Rat auf Draht: 147 (rund um die Uhr)

Ö3-Kummernummer: 116 123 (täglich von 16 bis 24 Uhr)


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