An der Seite der Toten
PEUERBACH. Ein geliebter Mensch stirbt. Vielleicht hatte man nicht mehr die Gelegenheit, sich von ihm zu verabschieden. Die Trauer überschattet alles. Von einer Sekunde zur nächsten verändert ein Schicksalsschlag das gesamte Leben. Dass der Tod aber auch Macht ausstrahlen kann und warum es essentiell ist, sich in der Trauerphase mit dem toten Körper auseinanderzusetzen, erklärt Martin Prein am 2. März in Peuerbach.

Im Tips-Interview spricht der ehemalige Bestatter, Mitarbeiter im Rettungsdienst und der Krisenintervention über seine Arbeit als Thanatologe und warum ein Leichnam eine besondere „Strahlkraft“ besitzt.
Tips: Was ist Thanatologie?
Martin Prein: Die Thanatologie versteht sich als „die Wissenschaft vom Tod, Sterben und der Bestattung in ihren soziologischen und psychologischen Aspekten“. Dies klingt sperrig und kühl. Konkret unterstütze ich Berufskräfte, die in ihrer Arbeit sehr intensiv mit dem Tod konfrontiert werden, wie Pflege- und Einsatzkräfte. Berufskräfte also, die mit dem Leichnam in Berührung kommen, aber auch den trauernden Angehörigen in ihrem Schmerz und ihrer Ohnmacht begegnen. Zudem biete ich Begleitung für trauernde Menschen an, die darunter leiden, dass ihnen in den ersten Stunden und Tagen, nachdem ein geliebter Mensch verstorben ist, Dinge nicht ermöglicht oder sie in ihren Bedürfnissen nicht wahrgenommen worden sind. Zu dieser Arbeit kam ich durch meine langjährige Tätigkeit als Bestatter.
Tips: Sie spezialisieren sich bei Ihrem Vortrag auf die Zeit zwischen Tod und Bestattung – warum sind gerade diese Tage so wichtig? Welche Mythen und Ängste ragen um den toten Körper?
Prein: Weil ich als Bestatter sehr intensiv erleben durfte, wie hilfreich es für den weiteren Trauerprozess der Hinterbliebenen sein kann, sich auch körperlich von ihrem Verstorbenen zu verabschieden. Den Hinterbliebenen wird nämlich ein solches „Begreifen“ des Todes oft nicht ermöglicht oder gar verwehrt. Der Grund für dieses Verwehren ist auch in der, wie ich es nenne, „Strahlkraft“ des Leichnams zu finden. Darum hilft die intensive Auseinandersetzung mit dem Leichnam, um vor allem Mythen und Ängste, die sich um den toten Körper ranken, abzubauen.
Ein sehr zentraler Mythos, der sich um den Leichnam rankt und sehr stark unsere Abschiedskultur beeinflusst, ist etwa der Mythos „Leichengift“ – es gibt aber kein Leichengift.
Tips: Mit welchem Gefühl sollen die Besucher in Ihren Vortrag gehen und mit welchem diesen wieder verlassen? Kurzum: Was wollen Sie mit Ihrem Vortrag den Gästen mitgeben?
Prein: Die Besucher sollen mit Skepsis und Neugierde in meinen Vortrag kommen. Aus nun mehreren Jahren Erfahrung als Vortragender weiß ich, dass sich viele Besucher zuerst nicht vorstellen können, was „der da“ zwei Stunden lang zu diesem Thema reden will. Oder die Gäste erwarten einen Vortrag, der sehr traurig macht. Zu meiner großen Freude kann ich aber aufgrund vieler Rückmeldungen sagen, dass dem nicht so ist. Ganz im Gegenteil, wird es ein Abend werden, an dem auch viel gelacht wird. Mit meinem Vortrag möchte ich die Besucher darin bestärken, Mitmenschen in den schwersten Stunden ihres Lebens beizustehen. Und sie im persönlichen Trauerfall in ihrer Selbstbestimmung ermutigen.
Vortrag
„An der Seite der Toten“
Mittwoch, 2. März, 19.30 Uhr
Pfarrsaal Peuerbach, Eintritt: 3 Euro


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