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Peuerbacher im Einsatz für Erdbebenopfer

Sabrina Lang, 19.04.2016 16:47

PEUERBACH/NEPAL. Großes Herz bewiesen Willi Rupertsberger, Anton Mayrhofer, Wolfgang Oberlehner und Josef Razenberger aus Peuerbach sowie Raphael Langerhorst aus Stroheim für die Erdbebenopfer in Nepal. Selbst mit anpacken und direkt vor Ort helfen war ihre Intention, als sie im Februar in das krisengeschüttelte Land reisten, um Holzhäuser aufzubauen und den Menschen vor Ort wieder eine Perspektive, einen Ort zum Leben zu schaffen. Am 22. April sprechen die Peuerbacher über das Land, die Menschen und über das Projekt. Tips traf Willi Rupertsberger zum Interview.

Willi Rupertsberger (2. v. l.) und Anton Mayrhofer (3. v. l.) beim Bau eines Hauses in Nepal.
  1 / 7   Willi Rupertsberger (2. v. l.) und Anton Mayrhofer (3. v. l.) beim Bau eines Hauses in Nepal.

Tips: Wie kam es zu Ihrem Einsatz in Nepal?

Willi Rupertsberger: Ich wollte immer schon Menschen in Notregionen persönlich helfen. Von Spenden bin ich kein großer Fan, wissend, dass sehr viel Geld auf der Strecke bleibt. Nachdem mein Hobby das Bergsteigen ist, und ich irgendwann nach Nepal wollte, hatte sich die Gelegenheit ergeben.

Können Sie die Situation der Menschen nach dem Erdbeben beschreiben?

Das ist schwer zu beschreiben. Die Menschen in Nepal sind von Grund aus positiv. Das war auch täglich im Dorf zu spüren. Es sind fast zehn Monate nach dem Erdbeben vergangen und die Menschen haben sich mit der Wohnsituation vorerst abgefunden. Dadurch, dass viele Menschen eigenen Grund und Boden haben, ist die Nahrungsversorgung gesichert. Die Erde hat sich noch nicht beruhigt, es gibt alle paar Tage neuerliche Erdstöße. Die Menschen haben trotz der Situation einen glücklichen und zufriedenen Eindruck gemacht. Da könnten wir uns einiges abschauen – wie oft bei uns wegen Kleinigkeiten gejammert wird.

Wie werden die Häuser genutzt?

Holzhäuser sind für die Nepalesen völlig neu. Bisher bestanden die Häuser aus Stein und Lehm. Die Holzhütten haben keinen Fußboden. Die Menschen leben, kochen und essen am Lehmboden. Auch die Feuerstellen befinden sich direkt in den Häusern. Interessant war auch, dass alle Leute beim Holz gerochen und gefragt haben: „Sind hier Schädlinge drinnen, die das Holz verfaulen lassen?“ Getrocknetes Holz kannten die Leute nicht. Wir sehen diese Art von Häusern als Pilotprojekt für einen erdbebensicheren Haustyp in Nepal. Die wirkliche Nutzung wird sich in den nächsten Monaten zeigen.

Woher haben Sie das Know-how solche Häuser zu bauen?

Als kleiner Junge baute ich verschiedenste Hütten am Bauernhof meiner Eltern. Mit dem Bau meines eigenen Hauses konnte ich das Know-how noch ausbauen. Die endgültige Konstruktion entwickelte ich gemeinsam mit Anton Mayrhofer, er ist ein begnadeter Handwerker.

Wie lange baut man an einem Haus? Wie groß ist es und aus welchem Materialen besteht es?

Die Bauzeit verblüffte die Leute. Abbinden und Aufstellen der Rahmenstruktur dauerte zwei Tage. Für die Ausfertigung sind fünf Tage anzusetzen. Die Standardgröße für ein Haus beträgt fünf mal fünf Meter bei einer einstöckigen Bauweise. Als Material wurde bis auf die Dachdeckung ausschließlich Holz verwendet.

Können die Häuser ein weiteres Erdbeben überstehen?

Davon sind wir überzeugt. Die Holzkonstruktion erlaubt Bewegungen des Untergrunds. Durch die Verschalung wird der Zusammenhalt der Konstruktion zusätzlich gesichert.

Welche Eindrücke nehmen Sie aus Nepal mit?

Nepal ist ein sehr armes Land. Die meisten Menschen arbeiten in der Landwirtschaft. Es gibt kaum Arbeitsplätze in Firmen oder Fabriken. Die Kinder erhalten eine einigermaßen gute Schulbildung – leider mit wenig Chance das Wissen im Land einzusetzen. Das Internet hat auch schon Einzug gehalten, damit bekommen die jungen Leute Informationen von der Welt, was nicht immer Freude auslöst. Von der Hauptstadt Kathmandu habe ich leider negative Eindrücke mitgenommen: Die Infrastruktur, speziell die Straßen, sind in einem sehr schlechten Zustand. Manche Bereiche der Stadt gleichen einer Mülldeponie.

Was hat Sie besonders beeindruckt?

Die Kinder im Dorf. Wir haben so viel Freude, Wärme und Nähe erleben dürfen – davon zehren wir noch lange. Durch Facebook pflegen wir auch die Freundschaften weiterhin sehr intensiv.

Wie wurden Sie von den Menschen vor Ort aufgenommen?

Wir wurden von der ersten Minute an herzlich aufgenommen, speziell Jugendliche und Kinder haben uns sofort in ihr Herz geschlossen.

Welche Maßnahmen wären noch nötig, um den Menschen zu helfen?

Leider ist das in letzten Monaten gespendete Geld noch immer nicht bei den Betroffenen angekommen. Aus meiner Sicht ist der beste Weg hinzureisen, Spenden persönlich zu übergeben und auch selber mitzuarbeiten. Das werde auch ich wieder machen. Wichtig wäre auch Lobbyarbeit für diese Art von Häusern – hier sollte auf Regierungsebene gearbeitet werden.

VORTRAG

Freitag, 22. April, 20 Uhr

Pfarrsaal Peuerbach

Um freiwillige Spenden für die Fortführung des Projektes wird gebeten


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