Auf Ausstellungsgäste folgen Hochzeitsgäste und Amtsstunden
PÖGGSTALL. Die Landesausstellung 2017 ist Geschichte. Der Gastgeberort und die Region können zufrieden durchschnaufen. „Unsere Erwartungen wurden übertroffen“, erzählt Bürgermeisterin Margit Straßhofer (VP) im Tips-Gespräch. Sie wird nun mit der Marktgemeinde die Ausstellungsräume beziehen.

„Es geht mir sehr gut. Wir haben viele positive Rückmeldungen bekommen, die viel Kraft geben. Es war eine unvergessliche Zeit, die man kein zweites Mal erleben wird“, antwortet Pöggstalls Bürgermeisterin Margit Straßhofer auf die Frage, wie es um ihre Gefühlslage nach dem Ende der Landesausstellung steht. 228.501 Besucher haben das Tor zum Schloss Pöggstall durchschritten, um „Alles was Recht ist“ zu sehen. „Mit einer solch hohen Besucherzahl war nicht zu rechnen. Das hat unsere Erwartungen klar übertroffen“, zeigt sich Straßhofer glücklich.
Nicht vergleichbar
Den Zahlenvergleich mit vorherigen Ausstellungsorten sucht Straßhofer bewusst nicht – die Ausstellung „Ötscher:reich“ im Jahr 2015 hatte 280.648 Besucher, die Ausstellung „Brot und Wein“ im Jahr 2013 305.366 Gäste. „Die Landesausstellung in Pöggstall hatte im Gegensatz zu vergangenen Landesschauen nur einen Ausstellungsstandort, daher lassen sich die Besucherzahlen nur bedingt vergleichen“, erklärt die Ortschefin und fügt hinzu: „Mehr Standorte können die Besucher leicht überfordern und stressen. Wir haben uns daher auf einen Ausstellungsstandort und die sechs Waldviertel-Stationen beschränkt. Auch finanziell war diese Lösung leichter handzuhaben.“ 23 Millionen Euro wurden in die gesamte Region investiert. 9,5 Millionen Euro kosteten die Umbau- und Sanierungsarbeiten im Schloss – davon übernahm neun Millionen das Land Niederösterreich und eine halbe Million der Bund. Gebracht hat die Landesausstellung rund 35 Millionen Euro netto an Wertschöpfung.
Jeden Tag gelernt
„Das südliche Waldviertel war für viele ein weißer Fleck. Mit der Landesausstellung konnten wir die Buntheit und Vielfalt unserer Region präsentieren und die regionale Entwicklung vorantreiben“ so Straßhofer. Für sie waren die letzten sieben Ausstellungsmonate ein voller Erfolg – „Alles hat bestens funktioniert“. Rückblickend gibt es für die Bürgermeisterin nichts, das man anders machen hätte müssen. „Landesausstellung kann man nicht üben“, zitiert Straßhofer den Geschäftsführer der Landesausstellungen Guido Wirth. „Wir haben versucht, uns bestmöglich auf den Besucheransturm vorzubereiten. Nichtsdestotrotz ist es manchmal zu Engpässen gekommen. So hatten wir zu Ausstellungsbeginn 15 Kulturvermittler. Die Zahl musste kurze Zeit später aufgestockt werden“, so die Ortschefin und betont: „Man darf nicht vergessen, dass es sich beim Landesausstellungsteam um Profis handelt, die viel Erfahrung mitbringen. Wir haben im April 2014, nachdem wir den Zuschlag erhalten hatten, sofort mit den Planungen begonnen. Ich konnte seitdem jeden Tag etwas lernen – sei es etwa in bautechnischer oder in denkmalpflegerischer Hinsicht und möchte keinen Tag missen.“ Viele Besucher hätten ihr zugesichert, dass sie wieder nach Pöggstall kommen werden, erzählt Straßhofer auf das Thema „Nachhaltigkeit“ angesprochen und verweist auf die vielen Projekte, die im Rahmen der Landesschau umgesetzt wurden. 230 neue Arbeitsplätze wurden in der Region geschaffen. Wenngleich der Großteil dieser nur saisonal Bestand hatte, werden einige im Kultur- und Tourismusbereich langfristig erhalten bleiben.
Kommunales Zentrum
Die Sanierung des Schlosses wäre für die Gemeinde ohne die Gelder, die im Zuge der Landesausstellung nach Pöggstall geflossen sind, nicht möglich gewesen. Es soll nun zu einem kulturellen und kommunalen Zentrum werden – Gefahr, einem Dornröschenschlaf zu verfallen, besteht für das Schloss demnach nicht. Das Gemeindeamt und die Musikschule Südliches Waldviertel werden in die frisch sanierten alten Gemäuer ziehen. Auf das jetzige Amtshaus warten Umstrukturierungen, in deren Folge drei Wohnungen entstehen werden. Ende März soll der Umzug abgeschlossen sein. Viel Zeit, um sich am neuen Arbeitsort einzuleben, wird Pöggstalls Bürgermeisterin wohl nicht benötigen. Immerhin war sie seit 1. April lediglich an neun Tagen nicht im Schloss zugegen. Dort werden künftig nicht nur Gemeinderatsbeschlüsse gefasst, sondern auch Eheversprechen gegeben. Eine Hochzeitssuite und drei Apartments sollen Heiratswillige ins Schloss locken. Die Sonderausstellung im Rondell „Schloss Pöggstall – zwischen Region und Kaiserhof“ bleibt bestehen. Weiteres werden die rechtsgeschichtliche Sammlung des Landes NÖ, die Sammlung Traunfellner und wechselnde Ausstellungen des NÖ Dokumentationszentrums für moderne Kunst ab 2018 in den Räumlichkeiten des Schlosses präsentiert.
Kaum Beschwerden
„Für mich war die gesamte Landesausstellungszeit ein einziges Highlight. Mir war es wichtig, als Gastgeber präsent zu sein, wenn das auch bedeutet hat, viel Zeit zu investieren. Die Begeisterung der Menschen hat mir sehr große Freude bereitet“, strahlt Straßhofer, die stolz darauf verweisen kann, dass es noch nie so wenige Besucherbeschwerden im Rahmen einer Landesausstellung gegeben hat


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