Zulisser halten mit ihren prächtigen Palmbuschen alte Tradition lebendig
RAINBACH. Die imposanten, bis zu sechs Meter langen Palmbuschen der Zulisser waren einmal mehr echte Hingucker bei der Palmprozession in Rainbach. Den im Bezirk einzigartigen Brauch der „Langen Palm“ pflegen die Zulisser schon seit vielen Jahrzehnten, und das zu Recht mit Stolz.

„A Schmålz“ braucht's auf gut Mühlviertlerisch schon, um die „langen Palm“ zu „derstemmen“, bei der Prozession - die traditionell vom Musikverein Zulissen umrahmt wird - und im Anschluss in der Kirche. Doch die Kinder meisterten ihre ehrenvolle Aufgabe am Palmsonntag einmal mehr bestens und mit sichtlichem Stolz. In Größe und Schönheit sind ihre Palmbuschen schließlich kaum zu übertreffen. Und der liebe Herrgott meinte es am Palmsonntag auch gut mit den Palmbuschenträgern und schickte diesmal weder Schnee, noch Wind oder Regen, sondern strahlenden Sonnenschein.
Das Kreuz mit dem Kreuz
Der Brauch der „langen Palm“ stammt noch aus der Zeit, als die Zulisser in die Kirche nach Oberhaid, heute Horní Dvorište, in die Messe gingen. Buchsbaum, Segenbaum, Pålmkatzerl und Lärche binden die Zulisser Frauen jedes Jahr wenige Tage vorm Palmsonntag mit flinken Fingern um Haselnuss- oder meterlange Weidestecken. Ans Ende kommt das „Kreuz“ aus Tannenreisig – „das kann hunzen“, wissen die Binderinnen, weil kerzengrad soll es sein und gut halten, nichts darf verrutschen. Schmückende Rosen und Bänder aus Krepppapier komplettieren die prächtigen Palmbuschen.
Ein bisschen Nervenkitzel
„Die langen Palm werden einen bis zu sechs Meter lang gebunden. Je nachdem, welches Kind den Palmbuschen bei der Prozession trägt. Und dann heißt es hoffen, dass in der Kirche keiner der Palmbuschenträger das Übergewicht kriegt, denn da würde es gefährlich für den Pfarrer und die Ministranten“, schmunzelt Erika Wagner, die als „Zuagroaste“ vor 25 Jahren von der Schwiegermutter in die Kunst des Palm-Bindens eingeführt wurde. So wird an jedem Haus die Tradition von Generation zu Generation weitergegeben. Beim „Tips“-Besuch binden Marion Stoiber, Anna Kasper, Erika Wagner, Maria Duschlbauer, Christiane Duschlbauer und Tanya Diaz Granados in geselliger Runde und mit geübten Händen im Feuerwehrhaus an den Buschen.
Für eine gute Ernte
Nach´dem Kirchgang werden die Buschen zerteilt, ein kleiner Palmbesen kommt in den Herrgottswinkel, andere werden auf den Feldern verteilt, auf dass es eine gute Ernte gebe. Nicht umsonst heißt es in Zulissen: „Desto länger der Poim (=Palm), desto schöner das Koin (Korn)“.
Noch ein paar Anekdoten
Einige Anekdoten zu den Zulisser Palmbuschen gäbe es auch noch zu erzählen. Zum Beispiel, dass die Buschen früher sogar acht bis zehn Meter lang waren - lang genug, um in der Kirche den Herrschaften oben am Chor die Hüte zu lüpfen. Oder dass die meterlangen Palmbuschen anno dazumal auf abenteuerliche Art und Weise mit Fahrrädern nach Rainbach transportiert wurden und am Heimweg öfter mal eine Rauferei mit neidischen Kerlen aus anderen Ortschaften die Buschen ein wenig derangierte. Und dass das Geheimnis, wo die schönsten und längsten geraden Haselnussstecken zu finden sind, bis heute gewahrt wird wie ein Schatz.


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