„Dass das Stück im Innviertel gespielt wird, bedeutet mir sehr viel“
RIED/METTMACH. Felix Mitterer (68) ist ein österreichischer Autor, Dramatiker und Drehbuchautor. Bekanntheitsgrad erlangte er durch die „Piefke-Saga“ und „Verkaufte Heimat“. Des Weiteren schrieb er zahlreiche Drehbücher für den „Tatort“. Mitterer ist auch Autor des Theaterstückes „Franz Jägerstätter“. Die Spielgemeinschaft Mettmach feierte letzten Samstag mit dem Stück „Jägerstätter“ Premiere. Felix Mitterer war an diesem Abend Ehrengast und las tags darauf im Bildungszentrum St. Franziskus aus seinen Büchern. Tips sprach mit Felix Mitterer.

Tips:Wie hat Ihnen die Inszenierung der Spielgemeinschaft Mettmach gefallen?
Felix Mitterer: Es war eine unglaublich beeindruckende Vorstellung. Diese Poesie der Bilder, die sich im Bühnenbild ausdrückt, das Licht und die Darsteller – einfach großartig. Die sind ja auch alle berufstätig. Gemeinsam mit dem Tiroler Regisseur Markus Plattner ist hier Großes gelungen. Dass das Stück im Innviertel gespielt wird, bedeutet mir sehr viel.
Tips:Sie beschäftigen sich in ihren Arbeiten immer wieder mit dem Nationalsozialismus. Nachdem sich in Österreich die Flüchtlingskrise im letzten Jahr zugespitzt hat, war es mit der Willkommenskultur schnell vorüber. Auch in der Wortwahl sind schnell die Hemmungen gefallen. Ist ihrer Meinung nach in Österreich ein Rechtsruck spürbar?
Felix Mitterer: Der Rechtsruck ist in ganz Europa bemerkbar. Ich hätte nicht geglaubt, dass sich die Menschen im 21. Jahrhundert so täuschen und Angst machen lassen. Die Ängste muss man ihnen nehmen. Vor allem müssen Politiker das Richtige tun. Die haben in den letzten Jahren versagt. Besonders schlimm finde ich, dass Sündenböcke gesucht werden. Einmal sind es die Juden, die Ausländer oder die Flüchtlinge. Diese Menschenfeindlichkeit ist schrecklich. Wenn Menschen vor dem Krieg fliehen müssen, muss man sie aufnehmen.
Tips:Mit der Satire „Piefke Saga“ sind Sie – wenn man das so sagen darf – massenmedial bekannt geworden. Was hat Sie damals bewogen, die Thematik Massentourismus und seine Auswirkungen auf das Land und ihre Bevölkerung aufzugreifen?
Felix Mitterer: Die Idee zur Piefke-Sage kam vom Chef des norddeutschen Rundfunks. Nach einer Show von Joachim Fuchsberger gab es einen Riesenskandal. Die Deutschen wurden als Piefkes und als überheblich bezeichnet. Es gab Schlagzeilen „Wer braucht die Piefkes?“ Letztlich hat man mich gefragt, ob ich einige Episoden schreiben möchte. Ich bin ja in einer Fremdenverkehrsregion in Tirol groß geworden. So habe ich zu recherchieren begonnen. Am Ende waren wir alle vom Erfolg dieser Fernsehsatire überrascht. So ein Glück hat ein Autor nur einmal im Leben. In Tirol hatte es eher unangenehme Auswirkungen für mich. Die Hoteliers und Gastronomen hatten alle einen Hass auf mich (schmunzelt).
Tips:Sie haben das Stück „Kein Platz für Idioten“ geschrieben und später auch die Hauptrolle des behinderten Buben gespielt. Gibt es eine Rolle, die Sie gerne einmal spielen möchten?
Felix Mitterer: Die Hauptrolle in „Kein Platz für Idioten“ habe ich gespielt, weil kein anderer da war. Ich habe gewusst, dass ich eine schauspielerische Begabung habe, sonst hätte ich mich gar nicht darauf eingelassen. Danach habe ich einige Angebote als Schauspieler bekommen und so auch den Egon Schiele gespielt. Ich wusste aber, dass ich mich entscheiden muss, ob ich Schauspieler werde oder Schriftsteller sein will. Als Schauspieler hätte ich noch eine Ausbildung machen müssen, schreiben war schon von Kindheit an mein größter Wunsch. Allerdings hilft mir mein schauspielerisches Talent beim Schreiben meiner Dialoge. Aber es gibt eine Rolle, die ich noch spielen werde. Ein Stück von Franz Kafka. Es handelt von dem Affen Rotpeter in einem Käfig. Um aus dem Käfig rauszukommen, muss er zum Menschen werden. Es ist aber meine letzte Rolle.
Tips:Woran arbeiten Sie derzeit?
Felix Mitterer: Ich beende gerade ein Theaterstück für die Josefstadt, das im März gespielt wird. Es heißt „Galapagos“ und handelt von Schicksalen deutscher und österreichischer Bürger auf der Galapagosinsel.


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