Corona: Auch die Feuerwehren im Bezirk Ried sind in dieser Zeit sehr gefordert
BEZIRK RIED. Auch die Feuerwehren des Bezirkes Ried sind in Zeiten der Corona-Krise massiv gefordert. Mit ihrer Einsatzbereitschaft unterstützen sie Behörden, andere Blaulichtorganisationen und natürlich auch die Bevölkerung bei Bränden und vielen technischen Einsätzen. Tips sprach mit Bezirksfeuerwehrkommandant Jürgen Hell über die aktuelle Situation.

Tips:Wie viele Feuerwehren sind im Bezirk einsatzbereit?
Jürgen Hell: Es war und ist mir nach wie vor sehr wichtig, dass alle 76 Freiwilligen Feuerwehren und unsere Betriebsfeuerwehr einsatzbereit sind und auch bleiben. Dafür hat es und gibt es auch weiterhin entsprechende Maßnahmen die die Feuerwehren wirklich ernst nehmen und weitestgehend einhalten beziehungsweise umsetzen. Leider gibt es auch in unseren Reihen unbelehrbare, aber wir werden nicht müde es auch diesen - wirklich wenigen - immer und immer wieder zu erklären, wie wichtig es ist sich an die Regeln zu halten – für grobe Verfehlungen gibt es auch Sanktionen zum Schutz der Feuerwehr – aber die sind die Ausnahme. Auf die breite Disziplin unter den Feuerwehrmitgliedern in unserem Bezirk bin ich sehr stolz und nur dadurch ist es auch bis heute gelungen, zu 100 Prozent einsatzbereit zu bleiben. Dafür darf ich mich bei jedem Einzelnen sehr herzlich bedanken.
Tips:Wie wirkt sich die Pandemie auf die Einsatzzahlen aus?
Jürgen Hell: Ich darf eines vorweg nehmen: mit dem Shut-Down sind alle Feuerwehren von 100 Prozent ihres Aufgabenfeldes auf 10 Prozent herunter gefahren. Das heißt es beschränkt sich derzeit jede Feuerwehr nur auf den Einsatzdienst und hier auch nur auf wirklich notwendige Einsätze. Zu glauben, es haben sich die Einsatzzahlen seit Beginn der Pandemie verringert weil das öffentliche Leben fast zum Erliegen gekommen ist, der irrt. Wenn man den Covid-Zeitraum – einschließlich heute - mit 2019 vergleicht, so mussten in etwa gleich viele Einsatzstunden – nämlich rund 3.750 Stunden freiwillig und unter erschwerten Bedingungen geleistet werden. Bei den Brandeinsätzen die derzeit gefühlt viele sind, unterscheiden wir uns mit 37 Brandeinstätzen gegenüber dem Vorjahr gar nicht. Jedoch hatten wir in diesem kurzen Zeitraum Großbrände in Mehrnbach und Reichersberg, die die Einsatzkräfte sehr gefordert haben. Bei den Technischen Einsätzen verzeichnen wir einen leichten Rückgang. 1.758 Feuerwehrfrauen und Männer sind seit Beginn von Corona im „Normal-Einsatz“ gestanden.
Tips:Gab es spezielle Aufgaben für die Feuerwehren in Bezug auf die Pandemie? Hauptsächlich betroffen ist ja das Rote Kreuz?
Jürgen Hell: Ja die gab es und da bin ich ganz besonders stolz auf die kleinen Feuerwehren, die sonst oftmals als weniger wichtig bis teils überflüssig bewertet werden. Eben diese kleinen Wehren haben wiederum gezeigt, dass sie speziell in diesen Zeiten den Größeren Wehren den Rücken frei halten können. Mit ausschließlich deren Mannschaft wurden bis heute die Einsatzstellen beim Krankenhaus bewältigt und eben das Rote Kreuz im Drive-In am Messegelände unterstützt. Auch Transportfahrten von Schutzausausrüstung wurden von den Feuerwehren durchgeführt. Großen Respekt zolle ich den Kameradinnen und Kameraden vom Roten Kreuz, dem Stab der Bezirksverwaltungsbehörde, der Polizei, dem Krankenhaus und allen die dazu beigetragen haben, dass wir bis heute doch sehr glimpflich davon gekommen sind. Die enge Stabszusammenarbeit mit der Behörde, aller Organisationen und der damit verbundene Informationsaustausch war und ist vorbildlich.
Tips:Wann wird es wieder Schulungen geben? Gibt es hier schon einen Zeitplan?
Jürgen Hell: Es wird ab 4. Mai unter Einhaltung spezieller Maßnahmen sowie der allgemein gültigen Verhaltensregeln ein Ausbildungsbetrieb in den Feuerwehren vorerst in Kleingruppen bis maximal fünf Personen wieder möglich sein.
Tips:Feuerwehrmänner und -frauen sind bei Einsätzen stets gefordert. Nach einem Einsatz nutzten viele die Gelegenheit zum Austausch im Feuerwehrhaus, um das Erlebte zu verarbeiten. Wie geht man in Zeiten von Corona damit um?
Jürgen Hell: Derzeit sind diese intensiven Nachbesprechungen in der Gruppe nicht möglich, aber wir sind für solche Fälle bestens aufgestellt. Wenn es um belastende Einsätze geht, steht uns das SVE-Team des Bezirkes mit Feuerwehrseelsorger Heinz Rieder an der Spitze zur Verfügung. Dieses speziell geschulte Personal ist genau für solche Kameraden da, die Erlebtes nur schwer selber bewältigen oder verarbeiten können.
Tips:Wie erlebst du die Kameraden im Bezirk? Wie geht es den Feuerwehrmänner- und frauen?
Jürgen Hell: Momentan ist es eher schwierig das Befinden der Kameraden wieder zu spiegeln, aber mit den neuen digitalen Möglichkeiten wie Videokonferenz hat man mit dem einen oder anderen schon Kontakt und das Telefon gibt es ja auch noch. Ich denke, dass derzeit eine große allgemeine Sehnsucht nach der fehlenden Kameradschaftspflege herrscht. Keine Treffen, Übungen, Schulungen, Weiterbildungen und natürlich Veranstaltungen. Jeglicher Verzicht auf soziale Kontakte ist keine leichte Sache für uns Feuerwehrmänner und- frauen. Denn genau das, was jetzt zu unterlassen ist macht Feuerwehr aus. Darüber hinaus kann ich mir gut vorstellen, dass es vielen im privaten Bereich nicht gut geht. Existenzängste, Verlust des Arbeitsplatzes etc. alles Gegebenheiten die nicht von heute auf morgen gelöst werden können und viel abverlangen. Die Kameradschaft in den Feuerwehren ist groß und auch hier gilt – zusammenhalten.
Tips:Worauf freust du dich nach Corona?
Jürgen Hell: Wir haben jetzt die Chance radikal umzudenken – regional(er) zu denken. Immer wenn wir jetzt überlegen wo wir - meine Frau und ich - die benötigten Waren, Lebensmittel, usw. her bekommen, blicken wir nun in unsere nahe Umgebung. Vorher ist man ohne zu denken einkaufen gegangen, es war größtenteils egal wo die Waren her kamen, nur ein paar Klicks am PC und es wurde aus allen Herren Länder nach Hause geliefert. Heute beziehen wir zufrieden und guten Gewissens aus den regionalen Märkten, Bäckern, holen Speisen bei den Wirten ab und kaufen bei den Unternehmen in unserer Umgebung und wissen, dass wir unser Geld bestens investiert haben. Die regionalen Betriebe kämpfen derzeit ums Überleben und brauchen jetzt unsere Unterstützung und die bekommen sie auch. Hier unterstützen zu können freut mich jetzt und auch nach Corona ungemein. Denn damit sichern wir in gewisser Weise auch Arbeitsplätze. Weiters braucht das Feuerwehrwesen Betriebe die Feuerwehrmitglieder anstellt und zu Einsätzen freistellt – da schließt sich für mich der Kreis.
Tips: Was möchtest du deinen Feuerwehrkameraden mit auf den Weg geben?
Jürgen Hell: Halten wir gemeinsam weiterhin aus und kommen erst dann wieder ins Feuerwehrhaus, wenn die Zeiten wieder sicher sind. Bis dahin und darüber hinaus unterstützen wir jetzt im speziellen die Händler, Unternehmen, usw. die uns in der Vergangenheit Jahr für Jahr mit Sponsoring, Sachspenden und vieles mehr unterstützt haben. Kaufen wir jetzt verstärkt ihre Produkte. Ihr die Feuerwehren seid Vorbilder für unsere Gesellschaft, ihr könnt es vorzeigen wie es geht. Herzlichen Dank für euren unermüdlichen Einsatz und die Disziplin die ihr Tag für Tag lebt!


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