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Beratungsstelle: Raus aus der Co-Abhängigkeit: Wenn ein Nein – ein Ja zu sich selbst ist

Rosina Pixner, 04.11.2017 13:47

RIED. Das Frauennetzwerk3 (FN3) ist eine Anlaufstelle für Frauen und Mädchen (ab 16 Jahren), die kostenlos und vertraulich Information und Beratung in persönlichen, familiären, sozialen und beruflichen Angelegenheiten suchen. Gerlinde Zdralek, Leiterin des Frauennetzwerk3 informiert im letzten Teil der Serie über Co-Abhängigkeit bei Alkoholsucht.

Eva Kapsammer und Gerlinde Zdralek Foto: Hannes Resch
Eva Kapsammer und Gerlinde Zdralek Foto: Hannes Resch

„Sie tut mir ja so leid! Wenn ich mich nicht um sie kümmere, hat sie niemanden mehr,“ beschrieb kürzlich Carola, eine junge Frau, ihr Verhältnis zu der alkoholkranken Mutter.

Sie kam in die Beratung, weil sie das Verhalten ihrer Mutter sehr belastete und sie spürte, so könne es nicht weitergehen: Die Eltern sind seit Jahren geschieden. Die Mutter trinkt seither, leidet, bewältigt ihr Leben kaum noch und – sie ruft regelmäßig ihre Tochter um Hilfe. Sie solle ihr doch zuhören, ihre Probleme verstehen, aufräumen, kochen, sich um sie kümmern. Das sei sie ihr doch als Tochter schuldig. Die Tochter der alkoholkranken Mutter fühlt sich mittlerweile überfordert und beschreibt ihren Kummer: „In mir zieht sich alles zusammen, ich möchte nur noch raus, möchte dem Chaos entfliehen, ihren mal jammervollen, mal herrschsüchtigen Ton nicht mehr hören, die leeren Flaschen nicht aufräumen und ihre Betrunkenheit nicht mehr mit ansehen müssen.“

Aber Carola reißt sich zusammen. Sie ballt ihre Fäuste, presst die Lippen aufeinander und sagt wieder einmal nichts. Sie tut. Und geht. Und fürchtet sich vor dem nächsten Anruf mit dem immer wiederkehrenden Druckmittel, als Tochter sei sie es ihr schuldig.

Falsche Hilfe

In der Co-Abhängigkeit versuchen die nächsten Angehörigen, dem alkoholkranken Menschen zu helfen, ihm möglichst alle Probleme vom Hals zu schaffen, seine Suchtkrankheit vor Fremden zu verbergen, ihn zu schonen. Dadurch wandert die Verantwortung für das Lebensglück des Kranken mehr und mehr zum helfenden Angehörigen. Doch nur wer über sein Leben die Verantwortung übernimmt, ist fähig zu Entscheidungen, dazu den Alkohol zu besiegen und wieder gesund zu werden.

Entscheidender Schritt

„Alkohol oder ich!“ entschied Carola nach mehrmaligen Beratungsgesprächen. Nach Monaten des Überlegens und Abwägens, brachte sie es auf den Punkt: Sie wolle nichts mehr mit ihrer alkoholabhängigen Mutter zu tun haben. Ihre Mutter ist nun am Zug und müsse eine wegweisende Entscheidung treffen.

Befreiungsschlag

„Ich hatte unheimlich Angst vor der nötigen Auseinandersetzung, aber als ich schließlich vor der Tür meiner Mutter stand, wusste ich genau was ich zu tun hatte“, beschreibt Carola ihren Befreiungsschlag. „Ich muss dir was sagen“ waren die ersten Worte, und sprach sich gut reflektiert alles von der Seele mit dem Appell an ihre Mutter, nur sie sei für ihr weiteres Leben verantwortlich, mit oder ohne professionelle Hilfe. Heute fühlt sich Carola enorm erleichtert und frei, sich um ihr eigenes Leben zu kümmern. Ihr „Nein!“ zur Co-Abhängigkeit war ein „Ja“ zu sich selbst – und letztendlich eine große Chance für ihre Mutter.

Kontakt

4910 Ried, Johannesgasse 3 (Montag bis Donnerstag)

4780 Schärding, Alfred-Kubin Straße 9 b (Mittwoch – im Familien- und Sozialzentrum)

Anmeldung erforderlich

0664/5178530 und 0664/8588033

www.frauennetzwerk3.at


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