„Bei mir basiert viel auf Vertrauen und Eigenverantwortung der Spieler“
Ried. Zum Saisonstart führte Tips ein Gespräch mit dem neuen Trainer der SV Josko Ried, Helgi Kolvidsson – wie in Island allgemein üblich, per Du. Ein Teil des Interviews fand noch vor dem Spiel gegen Galatasaray statt. (von WALTER HORN)

Tips: Hattest Du schon Kontakt mit den Rieder Fans?Kolvidsson: Bis jetzt noch nicht, aber das wird noch kommen. Das Spiel gegen Sparta Prag war ja das erste Heimspiel. Danach habe ich mit einigen bei der Autogrammstunde geredet – nach so einem Spiel ist natürlich niemand zufrieden. Aber es gab keine bösen Worte. Tips: Wo lagen die Schwerpunkte in der Vorbereitung?Kolvidsson: Wir haben vor allem im körperlichen Bereich viel getan. Für mich war es wichtig, die Mannschaft kennen zu lernen und mit dem Trainerteam zusammen zu finden – welche Ziele wir haben, wie wir zusammen arbeiten. Das hat gut geklappt. Tips: Nach dem Spiel gegen Sparta Prag musste man ja schon fragen: Was ist in der Vorbereitung schief gelaufen?Kolvidsson: Es ist schwer, wenn du kommst und versuchst, etwas anders zu machen, wenn die Ergebnisse nicht passen. Aber Fußball ist nun Mal ein Ergebnissport. Tips: Auch wenn Galatasaray bei weitem nicht in der Bestbesetzung spielte, lief gegen die Türken vieles deutlich besser. Was habt Ihr übers Wochenende gemacht?Kolvidsson: Wir haben klar angesprochen, was schlecht gelaufen ist, auch mit einer Videoanalyse. Dann haben wir gesagt, wie wir es haben wollen, und das hat die Mannschaft gut umgesetzt. Tips: Die große Verunsicherung scheint auf jeden Fall weg zu sein.Kolvidsson: Man hat gegen Galatasaray gesehen, dass unser Spiel funktioniert. Es ist vieles neu in diesem Jahr und die Testspiele haben uns gezeigt, was nicht funktioniert. Daraus haben wir die Schlüsse gezogen. Tips: Trotz der Steigerung am Schluss hat die SVR kein Testspiel gewonnen. Waren die Gegner in den Testspielen zu stark?Kolvidsson: Es waren gute Gegner, aber gegen solchen Gegner spielt man am besten. Da wird jeder Fehler bestraft. Natürlich ist es schwer, die Automatismen zu finden, wenn das Ergebnis nicht passt, aber ich sehe so, wo ich ansetzen muss. Tips: Was kann man bis zum Saisonstart gegen Rapid noch ändern?Kolvidsson: Zunächst hat für uns das Cupspiel in Innsbruck Priorität. Über Rapid haben wir natürlich Daten gesammelt, aber damit beschäftigen wir uns in der nächsten Woche. Tips: Gegen Regionalligamannschaften hat die SV Ried öfters mal die Verlängerung oder sogar ein Elfmeterschießen gebraucht.Kolvidsson: Die Verlängerung würde ich mir gerne sparen. Aber im Cup kommt es letztlich nur darauf an, wer weiterkommt. Tips: Wie würdest Du den Charakter der Mannschaft beschreiben?Kolvidsson: Ich sehe, wie sie im Training arbeiten. Das sind Top-Fußballer, die ziehen mit und haben sehr viel Potenzial. Wir haben eine starke Mannschaft. Tips: Was können die Fans in der kommenden Saison von der SVR erwarten? Wie soll die SV Ried in der nächsten Saison auftreten?Kolvidsson: Mir ist wichtig, dass sich die Mannschaft weiter entwickelt. Da sehe ich viel Potenzial. Die Spieler sollen täglich an sich arbeiten und einen Schritt weiter kommen. Wir haben wieder eine junge Mannschaft, die wir auf ihrem Weg begleiten. Da gehört es dazu, dass es Schwankungen gibt. Aber wir haben alle das gleiche Ziel, wir wollen uns vorwärts entwickeln. Tips: Hast Du ein bevorzugtes Spielsystem?Kolvidsson: Zuletzt habe ich meistens 4-4-2 oder 4-2-3-1 spielen lassen. Ich will mich aber nicht festlegen. Das System hängt auch davon ab, welche Spieler wo am effektivsten einzusetzen sind und gegen welchen Gegner wir spielen. Es gibt nur ganz wenige Mannschaften, die ihr System gegen jeden Gegner durchziehen können. Tips: Was für ein Trainertyp bist Du, eher streng oder kumpelhaft?Kolvidsson: Ich glaube, gemischt. Viel basiert bei mir auf Vertrauen und Eigenverantwortlichkeit der Spieler. Mein Ziel ist, das Beste aus jedem heraus zu holen. Ich möchte Leidenschaft und Begeisterung entfachen, damit die Spieler richtig mitarbeiten. Tips: Bei welchen Neuverpflichtungen warst Du schon mit beteiligt? Kolvidsson: Der größte Teil des Kaders stand schon fest, als ich kam. Ich habe mir dann angeschaut, auf welchen Positionen die Spieler am besten eingesetzt werden können. Sikorski zum Beispiel war schon länger auf der Liste. Er hat viel Potenzial und ist einer, der uns weiter bringen kann. Tips: Von welchen Spielern aus dem Kader kann man erwarten, dass sie Führungsaufgaben übernehmen?Kolvidsson: Es gibt einige Charaktere in der Mannschaft, die das können. Unter anderem Gebauer als Mannschaftskapitän, Ziegl, Reifeltshammer, Elsneg, aber auch andere. Ich möchte sowieso nicht, dass es nur einen Spieler gibt, der Verantwortung übernimmt. Da ist jeder in der Mannschaft gefragt. Tips: Welche Bedeutung hat ein Spiel wie das gegen Galatasaray? Abgesehen davon, dass solche Startruppen selten in Ried auftauchen – kann man in einem Vorbereitungsspiel etwas von so einem Gegner lernen?Kolvidsson: Das fängt bei der Passgenauigkeit an und geht bis zur Präsenz auf dem Platz. Wenn man sich mit einer Mannschaft auf Topniveau vergleichen kann, kann man immer etwas lernen.Tips: Zum Schluss die übliche Frage: Was sind die Saisonziele der SV Ried?Kolvidsson: Erst mal müssen wir unsere Leistung befestigen und stabilisieren, damit wir eine klare Linie haben. Beim Tabellenplatz möchte ich mich nicht festlegen, im Vordergrund steht die Weiterentwicklung.HELGI KOLVIÐSSONgeboren: 13. September 1971, Reykjavík, Islandverheiratet, drei TöchterStationen als Spieler:IK und HK Kopavogur (Island), SC Pfullendorf, Austria Lustenau, 1. FSV Mainz 05, SSV Ulm 1846, FC Kärnten ,SC Pfullendorf29 Länderspiele für IslandStationen als Trainer: SC Pfullendorf, Austria Lustenau, SC Wiener Neustadt, SV Ried


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden