Gebauer: „Wir stellen uns einfach superdämlich an“
RIED IM INNKREIS. Mit 1:4 erlitt die SV Josko Ried in Grödig eine in dieser Deutlichkeit nicht erwartete Niederlage. Während die Partie für Grödig nach fünf sieglosen Spielen eine Trendwende brachte, kassierte die SVR einen Rückschlag und rutschte auf den letzten Tabellenplatz ab (was im Übrigen für die SVR in dieser Meisterschaftsphase keine Neuheit ist). von WALTER HORN

Cheftrainer Paul Gludovatz schickte die gleiche Elf aufs Spielfeld, die gegen Sturm erfolgreich war, allerdings etwas defensiver: Aus dem 3-3-3-1 wurde ein 5-3-1.
Der Traum von einem Aufbauspiel aus einer sicheren Defensive war aber schon nach 20 Minuten ausgeträumt, denn da führten die Gastgeber schon 2:0 (Derflinger, 7., Venuto, 19.). Die Rieder hatten zwar mehr Ballbesitz, vor dem Tor war aber nur Grödig gefährlich – mit einer Ausnahme direkt vor dem Pausenpfiff, als Dieter Elsneg nach Zuspiel von Kragl den 1:2-Anschlusstreffer erzielte.
Die Entscheidung fiel in der 72. Minute, als Grödig durch einen schnellen Konter und einen starken Abschluss von Gschweidl das 3:1 erzielte. Dass Reifeltshammer in der Nachspielzeit noch ein Eigentor zum 1:4 unterlief, war dann schon fast egal.
Superdämlich
Mannschaftskapitän Thomas Gebauer fand klare Worte der Selbstkritik: „Wir stellen uns einfach superdämlich an bei den Gegentoren. Wir sollten schnell aufwachen und aus diesen Spielen lernen, sonst gibt es irgendwann ein böses Erwachen.“ Der Torhüter wies auf ein Grundproblem hin: „Ried funktioniert nur, wenn wir im Kopf von Anfang an mit 100 Prozent auf dem Platz sind. Das waren wir heute in den ersten dreißig Minuten wieder nicht.“
Auch der Trainer fand wenig Gefallen an der Darbietung seiner Mannschaft: „Bei solchen Fehlern brodelt es in mir!“ Viel Positives sah Gludovatz nicht: „Wir hatten nur den Willen, das war der einzige Hoffnungsschimmer. Wir hätten auch noch das eine oder andere Tor mehr kassieren können.“
Konsequenzen
Die Länderspielpause dürfte für die SVR-Profis mit „Pause“ wenig zu tun haben, denn der Trainer schien sich schon während der 90 Minuten von Grödig Konsequenzen überlegt zu haben: „Die Zweikampfschwächen in der Defensive sind nicht von heute auf morgen auszumerzen. Ich werde jetzt mein Programm durchziehen. Wer mitkommt, ist okay, wer nicht mitkommt, bleibt auf der Strecke.“ Wie ernst er den Zusatz „...und wenn es der Paul Gludovatz ist“ meinte, bleibt wohl sein Geheimnis.
KOMMENTAR:ANGETIPPTvon Walter Hornw.horn@tips.at
Euphoriedämpfer
Schon vor dem Spiel gegen Sturm Graz hatte Paul Gludovatz vor überzogener Euphorie gewarnt. „Ich bin kein Messias“, sagte er – wohl in dem Bewusstsein, dass es in dieser Branche vom „Hosianna“ zum „Kreuziget ihn!“ oft nicht sehr weit ist. Als nach dem schon fast kitschigen Comeback-Sieg der Jubel grenzenlos schien, warnte er wieder. Das 1:4 in Grödig bewies, dass er die Lage realistisch eingeschätzt hat. Auf ihn und Gerhard Schweitzer (und auf die Spieler) wartet noch viel Arbeit, bis die SV Ried wieder „auf Schiene“, sprich: im gesicherten Mittelfeld mit Blick nach oben, ist. Die Länderspielpause kommt da gerade recht.


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