Beeindruckende Rieder lassen dem LASK keine Chance
RIED. Ganz Oberösterreich hatte vom Cup-Derby der SV Guntamatic Ried gegen den LASK ein Fußballfest erwartet, und genau das bekamen die 7.300 Zuschauer in der erstmals seit Jahren ausverkauften Keine-Sorgen-Arena zu sehen. Der 4:1-Erfolg der SVR bot von spektakulären Szenen bis zu zwei Platzverweisen alles, was zu einem Derby gehört – und auch die Fanlager „bekämpften“ sich zwar lautstark, aber rein verbal; die befürchteten Ausschreitungen blieben aus.

Wer mit einem gegenseitigen Abtasten zu Beginn gerechnet hatte, wurde eines besseren belehrt – die von Lassaad Chabbi im mehrfach bewährten und sehr offensiven 4-4-2 aufgestellten Rieder spielten in der ersten halben Stunde, als ob sie die Linzer auffressen wollten. Sie nahmen die Zweikämpfe nicht nur an, sondern suchten sie. Die Schwarz-Grünen stürzten sich auf jeden ballführenden Linzer wie ein Habicht auf ein Häschen. Zu dieser Aggressivität kamen eine sehr hohe Geschwindigkeit, enorme Lauffreude, präzise Zuspiele und spielerische Akzente, für die es in den gesamten 90 Minuten mehrfach Szenenapplaus gab.
Die Stärksten
Aus der insgesamt starken Mannschaft ragten neben dem dreifachen Torschützen Seifedin Chabbi noch Lukas Grgic und Ronnie Marcos hervor. Mannschaftskapitän Thomas Gebauer hatte zur Abwechslung mehrmals Gelegenheit sich auszuzeichnen und strahlte auch in der vorübergehenden Drangphase des LASK große Ruhe und Sicherheit aus.
13 Sekunden
Den ersten – gar nicht ungefährlichen – Schuss auf das Tor von Pavao Pervan gab Seifedin Chabbi schon nach 13 Sekunden ab. LASK-Trainer Oliver Glasner sagte später, dass er schon in diesem Moment gewusst habe, dass es für seine Mannschaft sehr schwer werde, weil die Rieder nicht nur körperlich die Schnelleren waren.
In der 9. Minute kombinierten sich Grgic und Chabbi gefährlich in den Strafraum, und bereits in der elften Minute erzielte Chabbi das 1:0 – mit einem Roller, bei dem er den Ball vermutlich gar nicht richtig erwischt hat. Bevor sich die Linzer von diesem Schlag und die Zuschauer vom Jubeln erholt hatten, traf Kennedy Boateng nach einem Eckball aus einem Gestocher im Torraum zum 2:0 (14.).
Erst nach mehr als einer halben Stunde schossen die Linzer durch Erdogan zum ersten Mal ernsthaft aufs Rieder Tor. Danach konnte sich SVR-Torwart Gebauer gegen Ranftl und Goiginger zwei Mal auszeichnen, auf der anderen Seite zwang Grgic den langsam sicherer werdenden LASK-Torhüter Pervan mit einem Freistoß zu einer starken Parade.
Offener Schlagabtausch
Die Pause kam zur richtigen Zeit, denn die Linzer waren drauf und dran, das Spiel ausgeglichen zu gestalten. Mit der Einwechslung von Mergim Berisha sorgte Oliver Glasner für mehr Druck in der LASK-Offensive. Als der Kosovare in der 55. Minute aussichtsreich aufs Rieder Tor zulief, konnte ihn Peter Haring nur mit einer Notbremse kurz vor dem Strafraum stoppen und sah dafür glatt rot.
Lassaad Chabbi reagierte, indem er Christian Schilling für Ilkay Durmus einwechselte – in der Viererkette wechselte der sehr stark spielende Ronnie Marcos jetzt nach innen auf die Haring-Position.
Lange konnte sich der LASK nicht an der Überzahl erfreuen, denn schon in der 63. Minute musste Wiesinger mit Gelb-Rot vom Platz. Nur drei Minuten später traf Seifedin Chabbi nach starker Vorarbeit von Kerhe zum 3:0. Die endgültige Entscheidung war das aber nicht, denn praktisch vom Anstoß weg erzielte Berisha das 1:3 (68.).
Wieder konnte der LASK nur kurz hoffen, denn in der 72. Minute erzielte Seifedin Chabbi mit einer sehenswerten Einzelaktion das 4:1 – die Körpersprache der Linzer nach diesem Treffer verriet, dass das Spiel damit entschieden war.
Während die Linzer nach dem Schlusspfiff von ihren Fans ausgepfiffen wurden, waren die Schlussminuten für die Rieder praktisch ein Schaulaufen; sie wurden vom Publikum begeistert gefeiert – besonders laut wurde es, als der dreifache Torschütze Chabbi ausgewechselt wurde und sich einen Sonderapplaus abholte.
„Er hat seinen Job gemacht“
Viel mehr Anerkennung gab es für seine drei Tore aber nicht: „Tore machen ist sein Job“, meinte Vater Chabbi trocken. Offenbar sieht er die Tore als Wiedergutmachung für die gelb-rote Karte des Sohnes aus dem Innsbruck-Spiel an, über die er „stinksauer“ war, weil der Junior die zweite gelbe Karte für Schiedsrichterkritik bekam. Lassaad: „Darauf reagiere ich allergisch.“ Seifedin: „Da habe ich einen Anschiss bekommen.“
Bewerbsübergreifend hat Seifedin Chabbi in dieser Saison in 17 Einsätzen 15 Tore erzielt (zwölf in der Meisterschaft, drei im Cup) – was auch bemerkenswert ist, weil er erst in der sechsten Meisterschaftsrunde zum ersten Mal traf und vorher schon als „Chancentod“ bezeichnet wurde. „Ich bin gottseidank im Kopf stark genug“, sagte er nach dem Derbysieg über diese Zeit. „Viele andere hätten wahrscheinlich aufgegeben. Die Mannschaft hat mir damals den Rücken gestärkt, und auch Manager Fränky Schiemer hat mir in einem Gespräch Mut gemacht.“
Der Sieg gegen den LASK überraschte ihn nicht: „Wir haben erwartet, dass wir gewinnen können.“ Größere Feiern stünden nicht auf dem Programm: „Wir müssen bodenständig bleiben. Außerdem wartet Hartberg auf uns.“ Dann schien ihm einzufallen, dass er in diesem Spiel gesperrt ist und er fügte schmunzelnd hinzu: „Na ja, auf mich nicht!“
Bonus-Spiel
Mannschaftskapitän Thomas Gebauer bezeichnete das Match als Bonusspiel: „Das sind die besonderen Spiele, für die wir Tag für Tag arbeiten. Wir haben nicht viele Spieler im Kader, die schon einmal so eine Atmosphäre erlebt haben.“
Für das beeindruckende Auftreten seiner Mannschaft hatte er eine Erklärung: „Für solche Spiele brauchst du keine Extramotivation. Wir haben auch viele ex-LASKler im Kader, die es den Linzern zeigen wollten. Letztlich waren wir aggressiver und wollten den Sieg mehr. Wir haben gezeigt, dass wir ebenbürtig sind. Das macht eine breite Brust, aber wir müssen trotzdem bodenständig bleiben.“
Die Trainer
Lassaad Chabbi kommentierte das wahrscheinlich beste Spiel einer Rieder Mannschaft seit Jahren gewohnt sparsam: „Wir haben teilweise gut gespielt. Wir müssen bodenständig bleiben und dürfen nicht vergessen, dass wir nächste Woche gegen Hartberg spielen. Die Meisterschaft ist unser tägliches Brot; das ist wichtig.“
Er konnte dem denkwürdigen Fußballabend aber noch einen positiven Aspekt abgewinnen: „Der Sieger heute ist die Fairness. Die Rieder Fans jubeln friedlich und die LASK-Fans haben die Niederlage akzeptiert.“
Oliver Glasner nahm sich selbst nicht aus der Verantwortung: „Ich habe darauf hingewiesen, wie stark die Rieder sind. Aber es ist mir nicht gelungen, den Spielern zu vermitteln, was auf sie wartet.“
Starke Bilanz
Vor heimischem Publikum hat die SVR jetzt eine stolze Bilanz von 18 Spielen ohne Niederlage gegen den LASK. Die Schwarz-Grünen sind in dieser Saison bewerbsübergreifend seit acht Spielen ungeschlagen und haben sechs Heimspiele in Serie gewonnen. Hartberg kann kommen.


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