„Wir wollen das KiK auf jeden Fall Ende September wieder öffnen“
RIED. Ganz Österreich atmete auf, als am 19. Mai viele Lockerungen in Kraft traten. Ganz Österreich? Nein! Die Gruppe unbeugsamer Kulturschaffender muss immer noch auf gute Bedingungen warten. Und das Leben ist noch immer nicht leicht für die Veranstalter und Künstler.

Tips sprach mit Florian Bauböck, dem Obmann der Rieder Kulturinitiative Kultur im Keller (KiK), über die Probleme für Veranstalter und sinnvolle und unlogische Vorschriften.
[Anmerkung: Das Interview wurde vor Pfingsten geführt. Die am Pfingstmontag von der Regierung angekündigten möglichen Öffnungsschritte sind deswegen noch nicht berücksichtigt.“
Tips: Das KiK wurde gründlich saniert und hat jetzt eine tolle Anlage. Wie sehr schmerzt es, die noch nicht dem Publikum präsentieren zu können?
Bauböck: Sehr. Wir haben die Anlage seit fast einem Jahr, und sie wurde erst einmal bei dem Livestream-Konzert von Mono Dual 721 bespielt. Nur eine handvoll Leute konnten die perfekte Akustik in Studioqualität genießen.
Tips:Ist es derzeit möglich, länger vorauszuplanen?
Bauböck: Nein, gar nicht. Unser Kleinkunstfestival mussten wir schon einmal verschieben. Das ist ein riesiger Aufwand, wir mussten alle 25 Künstler anrufen, dazu die Technik, die Bühne, die Brauerei. Vor Corona hatten wir bei unserem Programm immer einen Vorlauf von einem halben oder Dreivierteljahr, jetzt sind wir bei einem Monat.
Tips: Was plant das KiK außer dem Kleinkunstfestival im Stadtpark?
Bauböck: Wir haben am 11. Juni das Konzert der Gesangskapelle Hermann, und wir planen das Programm für die Kulturbühne Ried im Sommer. Wir bekommen laufend Anfragen für Herbst und Winter. Die Bands wollen unbedingt spielen, da gibt es ein großes Bedürfnis. Wir könnten jetzt viele Bands günstig bekommen, die wir uns sonst nicht leisten können. Das wirkt sich allerdings auf die kleineren Bands aus. Auch die regionale Szene gehört unterstützt. Das bleibt sicher bis Ende des Jahres ein Thema. Wir wollen das KiK auf jeden Fall Ende September wieder öffnen. Die Frage ist, ob das dann mit 30, 50 oder 100 Prozent Belegung möglich ist. Danach richtet sich auch die Planung.
Tips: Besteht jetzt nicht die Gefahr, dass die Veranstalter versuchen, so viel Verlorenes nachzuholen wie möglich, und sich dadurch gegenseitig die Zuschauer wegnehmen?
Bauböck: Ich glaube nicht. Es gibt eine große Sehnsucht nach Kulturveranstaltungen. Es werden mehr Leute kommen, als wir jetzt glauben.
Tips: Was sind derzeit die größten Probleme für Veranstalter?
Bauböck: Natürlich die Ungewissheit bei der Planung und die Frage, wie die Politik auf die Entwicklungen reagiert. Eine große Herausforderung ist mittlerweile der Förderdschungel. Es ist gut, dass es die vielen Förderungen gibt, damit keiner zu kurz kommt, aber es ist ein großer Aufwand, herauszufinden, welche Förderung die passende ist. Die Abrechnung wird auch sehr kompliziert. Auch ohne Veranstaltungen wird die Arbeit nicht zu wenig.
Tips: Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit den Behörden?
Bauböck: Die Bezirkshauptmannschaft Ried ist sehr bemüht, dass wir unsere geplanten Veranstaltungen zusammenbringen, aber sie muss sich natürlich an die Vorschriften halten. Vom Land gibt es oft unterschiedliche Interpretationen. Außerdem weiß man nicht, was die Politiker aufführen. Die türkisen Regierungsspitzen sagen, dass alles lockerer wird, aber können wir uns darauf verlassen oder müssen wir unseren Besuchern, die im Freien mit viel Platz stehen, sagen, dass sie Masken brauchen? In Wahrheit ist die Maskenpflicht jetzt so streng wie nie zuvor.
Tips: Ein Beispiel für widersprüchliche Vorschriften ist die Regelung für Gastronomie bei Veranstaltungen.
Bauböck: In der Gastronomie dürfen die Besucher an den zugewiesenen Sitzplätzen stundenlang ohne Maske essen und trinken. Findet aber ein paar Meter daneben ein Konzert statt, müssen sie entsprechend der Veranstaltungsordnung die ganze Zeit Maske tragen. Außerdem dürften zugewiesene Sitzplätze nicht die Verabreichungsplätze sein, was dazu führen würde, dass die Besucher ständig vom Konzert- in den Gastrobereich wechseln würden. Im Grunde verlangt das Land, dass wir unser Präventionskonzept verschlechtern. Da kommt man sich schikaniert vor und kann schon auf den Gedanken kommen, dass die eigentlich lieber keine Veranstaltungen wollen.
Tips: Wenn man Livemusik im Sitzen hört, womöglich mit Maske und großem Abstand, ist das nur gemeinsames Musikhören, aber kein Konzert. Wann wird es wieder richtige Konzerte geben?
Bauböck: Im Herbst. Draußen hoffentlich schon im Sommer, indoor wohl nicht vor Oktober. Ich hoffe, dass wir dann so weit geimpft sind und mit der 3G-Regel sichere Veranstaltungen haben werden.


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