Innviertler Briefmarkensammlerverein wurde vor 111 Jahren gegründet
RIED. In unserer von E-Mail geprägten Zeit mutet das Hobby des Briefmarkensammelns etwas aus der Zeit gefallen an. Die (weniger gewordenen) Sammler pflegen diese Tradition aber nach wie vor. Eine lange Tradition hat auch der Innviertler Briefmarkensammlerverein (IBSV Ried im Innkreis): Er feiert heuer sein 111-jähriges Bestehen.

Nach mündlichen Überlieferungen wurde der Verein 1909 gegründet und ist damit einer der ältesten Philatelistenvereine Österreichs. Zu den Mitgliedern zählten Bürger, Kaufleute – später auch Bürgermeister und Direktoren der Rieder Messe. Auch der Rieder Maler Wilhelm Dachauer, der ein bedeutender Entwerfer österreichischer Briefmarken war, hatte ein Naheverhältnis zum Verein.
Neben dem philatelistischen Schwerpunkt des Vereins finden auch Numismatiker und Notgeldsammler, Postkartenliebhaber und Liebhaber anderer Postbelege im Verein eine Heimat.
Urkundlich ist der Verein erstmals am 11. September 1920 im Vereinskataster der Bezirkshauptmannschaft Ried erwähnt.
Große Ausstellungen
Ab 1955 konnte sich der IBSV im Rahmen der Rieder Messe mit der Innviertler Briefmarkenausstellung (IBA) und einem Wettbewerb dem Publikum präsentieren. Zahlreiche Werbe- und Sonderstempel von 1939 bis 2001 belegen die gute Zusammenarbeit mit der Messe. Die Innviertler Briefmarkenausstellungen des Vereins endeten 2001 mit dem letzten Sonderpoststempel, den die Post der Messe bzw. dem IBSV zur Verfügung stellte.
Ab den späten 50er-Jahren erlebte der Verein einen großen Publikumszulauf. Das Briefmarkensammeln war in der Bevölkerung weit verbreitet und die österreichische Philatelie auf einem Höhepunkt. Seine höchste Mitgliederzahl erreichte der Verein 1990 mit 142 Briefmarkensammlern.
Vereinsabende beim Rieder Wirt
Nach zahlreichen Lokalwechseln in 111 Jahren Vereinsgeschichte (darunter das Gasthaus Schranne, Gasthaus „Zur Stadt Ried“, Cafe Holzhammer, Gasthaus Scheiringer) finden die Vereinsabende nun jeden zweiten und vierten Donnerstag im Monat im Gasthaus Rieder Wirt (Voglweg 3) statt.
Um den Nachwuchs steht es schlecht. Das gibt auch Obmann Klaus Roßboth unumwunden zu: „Die Jugend hat so viele andere Ablenkungen. Ein Jugendlicher, der Marken sammelt, würde wohl zum Einzelgänger.“
„Faszinierende Beschäftigung mit der Geschichte und der Vergangenheit“
Er bezeichnet auch die neuen Marken als „nicht so interessant“. Was die Sammler fasziniere, sei die Beschäftigung mit der Geschichte und der Vergangenheit, zum Beispiel in Spezialgebieten wie Feldpost mit russischen Kriegsgefangenen, Zeit der Inflation, oder weltweite Motivsammlungen wie Schmetterlinge, Formel 1, Komponisten, Raumfahrt und vieles mehr.
Dabei gehe es meistens nicht um einzelne Marken (postfrisch oder abgelöscht), sondern um Belege mit den darauf abgeschlagenen Stempel, bei denen man die Wege zurückverfolgen kann.
Veranstaltungen
Seit 1974 veranstaltet der IBSV jeden 6. Dezember das Nikolaus-Sonderpostamt in Pram – derzeit wird unter der Leitung von Herbert Gruber (der Gestalter der Belege, Stempel und Personalisierten Marken) und Irmgard Emprechtinger das 48. Nikolaussonderpostamt vorbereitet.
Der IBSV führt neben dem Nikolaussonderpostamt jährlich auch zwei Briefmarkenbörsen durch.


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