Frauenhaus: „Gewalt geht uns alle an“
RIED/INNVIERTEL. In Oberösterreich gibt es derzeit fünf Frauenhäuser – in Linz, Wels, Steyr, Ried und Vöcklabruck. Aufgrund der hohen Auslastung und der nicht mehr zeitgemäßen Wohnverhältnisse wird das Frauenhaus in Ried durch einen Neubau ersetzt. In Ried wurde bereits ein Grundstück angekauft. In Braunau ist für 2021 der Spatenstich für ein sechstes Frauenhaus geplant.

Seitens der Landesrätin Birgit Gerstorfer ist das Frauenhaus Innviertel budgetiert und auf Schiene. „Anhand der aktuellen Zahlen sehen wir, dass trotz intensiver Präventionsarbeit und zunehmender Sensibilisierung der Öffentlichkeit für das Thema, Gewalt gegen Frauen und Kinder steigt. Vor allem die Intensität der Gewalttaten nimmt zu. Die Auslastung unserer Frauenhäuser liegt im Schnitt bei fast 100 Prozent“, sagt Landesrätin Birgit Gerstorfer anlässlich des Auftakts der internationalen Kampagne „16 Tage gegen Gewalt an Frauen und Mädchen“.
Gewalt an Frauen noch immer ein Randthema
Ursula Walli, Geschäftsführerin des Frauenhaus Innviertel, sagt zur Kampagne: „“16 Tage gegen Gewalt an Frauen und Mädchen“ ist eine Kampagne, die meines Erachtens überaus wichtig ist. In dieser Zeit finden weltweit Aktionen statt. Gewalt an Frauen und Mädchen ist immer noch ein Randthema, umso wichtiger ist es, dass vermehrt und im großen Stil darauf aufmerksam gemacht wird. Leider macht es uns Corona nicht einfacher, da viele größere Aktionen nicht stattfinden dürfen, aber wir werden uns davon nicht abhalten lassen und trotzdem Zeichen setzen. Auch in Ried wurde am 1. Dezember in kleinem Rahmen die „Fahne gegen Gewalt“ gehisst. Ich bin sehr dankbar, dass dies möglich ist und hoffe, dass es nächstes Jahr wieder mit vielen Unterstützern stattfinden kann.“
Lockdown macht die Situation nicht einfacher
Auf die Frage, wie aktuell die Situation im Frauenhaus ist und ob sich die Situation aufgrund des Lockdowns verschärft hat, sagt Walli: „Beim ersten Lockdown waren wir voll belegt. Dieses Mal können wir im Moment Gott sei Dank noch Zimmer zur Verfügung stellen. Als Kriseneinrichtung ist es wichtig, Kapazitäten bereitstellen zu können und nicht immer 100-prozentige Auslastung zu haben.“ Problematisch im Lockdown ist für Walli auch, dass Frauen sich nicht melden können, wenn der Gewalttäter ständig neben ihnen ist. Umso wichtiger ist hier die Kooperation mit der Polizei, die sehr gut funktioniert. Diese kann eine Wegweisung veranlassen, sodass der Gewalttäter die Wohnung, das Haus nicht mehr betreten darf. Ihr Appell, gerade in dieser Zeit: „Gewalt geht uns alle was an. Bitte hinhören und handeln. Ob als Nachbar, Freund, Verwandte etc.“ Vermutet man, dass beispielsweise die Nachbarin oder die Schwester Opfer von häuslicher Gewalt ist, besteht die Möglichkeit die Person anzusprechen: „Ich mache mir Sorgen. Geht es dir gut?“ Man kann bei der Nachbarwohnung anläuten und eine paradoxe Intervention starten und beispielsweise nach Mehl fragen. Das bedeutet mit einer einfachen Intervention wird die Gewalt unterbrochen und es wird dem Täter und auch dem Opfer signalisiert, dass es hier Nachbarn gibt, die mithören.
Beratung und Hilfe rund um die Uhr
Beratungen für Betroffene gibt es telefonisch rund um die Uhr (Frauenhaus Innviertel 07752/71733, Frauenhelpline 0800/222 555) oder office@frauenhaus-innviertel.at, Helpchat: www.haltdergewalt.at täglich von 16 bis 22 Uhr.


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