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Wolfgang Marschall erzählt mit Zeitungsausschnitten zwanzig Jahre Lokalgeschichte

Walter Horn, 09.12.2020 12:17

RIED. Der pensionierte Gymnasiallehrer und PR-Berater Wolfgang Marschall hat sich in jahrelanger Arbeit 20 Jahrgänge der Rieder Volkszeitung (“Riada Ratschn“) zwischen 1950 und 1970 vorgenommen und daraus das ebenso unterhaltsame wie informative Buch „Eine Luftmatratze muss her!“ (Verlag Anton Pustet) gemacht.

Wolfgang Marschall berichtet über die 50er- und 60er-Jahre im Innviertel. (Foto: privat)
Wolfgang Marschall berichtet über die 50er- und 60er-Jahre im Innviertel. (Foto: privat)

Er dokumentiert und kommentiert darin 20 Jahre Lokalgeschichte – von der Hoffnung auf die Segnungen der Atomenergie über die ersten Andeutungen von Umweltschutz, von Entwicklungen in der Landwirtschaft bis zum Siegeszug des Fernsehens.

Während vieles aus heutiger Sicht zum Schmunzeln oder ungläubigem Staunen anregt, zeigen viele dieser Artikel und Ausschnitte auch, welches repressive gesellschaftliche Klima damals herrschte – sehr dörflich, sehr katholisch und politisch tiefschwarz.

„Schmutz und Schund“

Viel Platz im Buch nimmt – wie auch damals in der Zeitung – der unermüdliche Kampf der Rieder Volkszeitung gegen „Schmutz und Schund“ ein, wozu neben angeblich zu freizügigen Filmen besonders auch Comics, Beatmusik und – quasi der Gottseibeiuns höchstpersönlich – „Bravo“-Hefte zählten. Ein Kommentator empfahl dagegen die örtliche Pfarrbibliothek, „die jedem Geschmack Rechnung trägt“.

Wozu Privatsphäre?

Beliebt bei den Lesern waren die Unfälle der Woche (“Den Daumen gequetscht hat sich am 26. August 1961 der Einlasser der Dreschgesellschaft Johann Stranzinger“) oder die Führerscheinentzüge der Woche. Opfer und „Übeltäter“ wurden mit vollem Namen und meist auch mit Adresse genannt.

Andererseits wurden Frauen kaum erwähnt, nicht einmal bei den Geburten. Dort hieß es meist „dem XY wurde ein Kind geboren“. Den Namen der Mutter nannte die Zeitung selten – außer bei ledigen Müttern, wodurch deren „Fehltritt“ weithin bekannt wurde.

Frauenbild

Bezeichnend für das damalige Frauenbild ist auch ein Zeitungsausschnitt, in dem berichtet wurde, wie sich „die 15 hübschen Lambrechtener Mädchen“, angeleitet von einer Fachlehrerin „auf ihren künftigen Hausfrauenberuf“ vorbereiteten. Berufstätige Frauen waren damals im Innviertel nicht vorgesehen. Frauen mit Führerschein übrigens auch nicht.


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