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„Die Rahmenbedingungen für den Klimaschutz muss die Politik schaffen!“

Walter Horn, 25.12.2020 12:43

RIED. Ronja Dummann, Dora Zeiko und Anja Steinhuber sind bei Fridays For Future tätig – national und auch in Ried. Im Interview erzählen sie vom spannenden Jahr 2019, von coronabedingten Planänderungen 2020 und von Aktivitäten, die sie für die nächste Zeit vorhaben. von ANTON PLANITZER

Eine Fridays For Future-Aktion vor dem rathaus Ried (Foto: Fridays For Future)
  1 / 2   Eine Fridays For Future-Aktion vor dem rathaus Ried (Foto: Fridays For Future)

Dora Zeiko ist 16 Jahre alt, Schülerin und wohnt in Eberschwang. Ronja Dummann ist 17 und besucht das Abendgymnasium Linz. Sie kommt aus Eitzing und wohnt derzeit in Linz. Anja Steinhuber ist 19 Jahre alt und Schülerin am BORG Ried. Sie wohnt in Taiskirchen.  

Frage:Der Journalist Benedikt Narodoslawsky erwähnt euch in seinem Buch über Fridays For Future in Österreich als sehr engagierte Gründerinnen der Regionalgruppe Ried, die viele Aktivitäten gesetzt und auch bei österreichweiten Aktionen mitgemacht haben. Wenn ihr auf das Jahr 2019 zurückblickt, was waren da eure wichtigsten Projekte, wo habt ihr besonders viel Engagement und Zeit hineingesteckt und was ist euch besonders positiv in Erinnerung?

FFF: Besonders in Erinnerung bleiben wird uns wohl immer unsere erste Aktion in Ried. Damals waren etwa 150 Leute am Hauptplatz, was uns sehr überrascht und gefreut hat. Auch war unsere Aufregung damals noch sehr groß.

Dann sind es natürlich die Großdemonstrationen, die in Erinnerung bleiben: Zum Beispiel der „Greta-Streik“ in Wien, bei dem Greta Thunberg dabei war, oder der weltweite Klimastreik im September 2019. Da konnten wir österreichweit 150.000 Menschen auf die Straßen bringen.

Viel Zeit fließt eigentlich in jede Aktion. Besonders schwierig für uns ist die Mobilisierung von Menschen. Wir sind sehr wenige in der Organisation und Ried ist doch eher ländlich und klein.

Lockdown

Frage: Fridays For Future haben vor allem durch publikumswirksame öffentliche Auftritte und Demonstrationen auf ihre Anliegen hingewiesen. Coronabedingt wurde diese Aktivitäten mit März 2020 eingestellt. Wir habt ihr als Fridays For Future-Aktivistinnen diesen Lockdown erlebt? Was hat das für euer Engagement und eure Arbeit bedeutet? Wie seht ihr den Stellenwert von Fragen des Umwelt- und Klimaschutzes in Zeiten der Coronakrise?

FFF: Zuerst einmal war der Lockdown für uns wohl ähnlich wie für alle anderen Menschen: Einfach eine große Umstellung. Gleichzeitig bedeutete er natürlich, wie Sie schon erwähnt haben, eine große Veränderung für uns als Aktivistinnen. Demonstrationen und Streiks waren nicht mehr möglich, beziehungsweise wäre es verantwortungslos gewesen, auf die Straße zu gehen. Für uns war also klar, dies vorübergehend einzustellen – mit dem Wissen, dass die Klimakrise keine Pause machen wird, was für uns alle keine leichte Situation war.  

Daher haben wir begonnen, online Aktionen zu machen. Das ist aber leider nicht dasselbe: Es ist kaum möglich, mit Online-Aktionen neue Menschen zu erreichen oder ausreichend Druck auf Entscheidungsträger aufzubauen.

Einen positiven Aspekt gab es jedoch: Einerseits ergab sich für viele (überarbeitete) Aktivisten eine Pause, andererseits konnten wir die Zeit nutzen, uns als Fridays For Future Österreich intern besser auszutauschen, zu vernetzen und gemeinsam Strategien zu entwickeln.  

Frage: Die Coronakrise wird uns alle noch eine Zeitlang beschäftigen. Welche Auswirkungen hat das auf eure Arbeit? Welche Aktivitäten plant ihr für die nächste Zeit?

FFF: Wir müssen vor allem flexibel bleiben und uns nach den Zahlen und der Situation richten. In den größeren Städten gab es zuletzt wieder wöchentliche Streiks – natürlich unter Einhaltung der Sicherheitsmaßnahmen und nur, wenn es zu verantworten war.

Generell sind wir am Planen von Aktionen, jedoch muss die Lage erst wieder besser werden, damit diese stattfinden können.  

Engagement

Frage:Viele Menschen, auch viele Jugendliche, sind in Sorge um unsere Umwelt und wollen sich engagieren. Was würdet ihr konkret Jugendlichen empfehlen, denen unser Klima, unsere Umwelt ein besonderes Anliegen ist? Welche Möglichkeiten gibt es, bei Fridays For Future mitzuarbeiten? Was kann man konkret hier bei uns im Innviertel machen? Kann man sich digital mit euch vernetzen?

FFF: Erst einmal: Habt keine Scheu euch zu melden, wir sind dankbar über jede neue Person, die Teil der Veränderung sein möchte! Jeder und jede, der/die sich hinter die Ziele und Grundsätze von Fridays For Future stellt, ist herzlich willkommen. Wir freuen uns über Unterstützung jeglicher Art. Motivierte Leute können wir immer brauchen, am besten ist es, uns einmal zu kontaktieren – ja, wir sind auf Instagram, auf Facebook und auch per E-Mail zu erreichen.  

Wenn jemand nicht von hier ist und keine Fridays For Future-Regionalgruppe in der Nähe hat, ist es am besten, ein E-Mail an mitmachen@fridaysforfuture.at oder eine Privatnachricht an die österreichweiten Social Media-Accounts zu schreiben.

Frage:Am 25. September gab es erstmals wieder Klimademos weltweit. Wie habt ihr euch beteiligt und wie schätzt ihr den Erfolg dieser Aktion ein?

FFF: Der weltweite Streik war vergleichsweise zum letzten Jahr kleiner, aber es hat uns intern als Bewegung sehr gestärkt, nach dem ersten Lockdown wieder weltweit gemeinsam auf die Straßen zu gehen. Und es war auch ein Zeichen an die Politik, dass es uns noch gibt und wir bestimmt nicht aufgeben werden.

Maßnahmen

Frage:Wenn ihr die Regierung bilden würdet, welche drei Maßnahmen würde ihr als erste umsetzen?

FFF: Wir haben als Fridays For Future Austria sechs Forderungen ausgearbeitet, die auch von den Scientists For Future (mehr als 26.800 Wissenschaftler alleine im deutschen Sprachraum) gegengelesen und bestätigt wurden.  

Sie sind unter FFF-Forderungen (PDF-Download) downloadbar und dabei geht“s vor allem um die Umsetzung von konkreten Maßnahmen wie Ausstieg aus fossiler Energie, Treibhausgassenkung auf Null bis 2030, ökosoziale Steuerreform sofort, Schutz bzw. Förderung der Biodiversität, Stopp fossiler Großprojekte, Klimaschutz in die Verfassung.  

Wahrscheinlich würden wir versuchen, diese Forderungen umzusetzen. Aber vor allem würden wir Wissenschaftler in alle unsere Entscheidungen mit einbeziehen und ihre Kompetenz nutzen, um zu versuchen, die Klimakatastrophe noch abzuwenden. Denn wir sehen uns weder als Schüler noch als Politiker in der Lage, diese Krise allein zu lösen. Dazu braucht es Menschen, die mit fachlicher Expertise zur Seite stehen.

„Ein ökologischer Lebensstil wird die Klimakatastrophe nicht abwenden“

Frage:Viele interessiert auch, wie weit Engagement auf den persönlichen Lebensstil abfärbt. Wie weit hat euer Engagement für Klima- und Umweltschutz euren Lebensstil beeinflusst? Was ist euch da im konkreten Alltag wichtig?

FFF: Diese Frage wird uns sehr oft gestellt und wir finden eigentlich, dass sie sehr vom eigentlichen Thema ablenkt.  

Ein großes Problem mit der Kommunikation um die Klimakrise ist, dass die Politik der Gesellschaft die Botschaft gibt, dass jeder bei sich selbst anfangen soll. Ein ökologischer Lebensstil ist auf jeden Fall gut und lobenswert, aber er wird nicht die Klimakatastrophe abwenden. Und er ist auch nicht Voraussetzung, damit sich jemand über die Klimapolitik aufregen darf.  

Das Gerede von wegen „Klimaschutz fängt bei jedem einzelnen an“ ist nichts anderes als eine Ablenkung davon, dass die Politik auf voller Linie versagt. Die Rahmenbedingungen, damit ein klimaschonendes Leben für alle möglich und kein Privileg ist, muss die Politik schaffen. 

Zudem sind es gerade große Konzerne, die unser Klima nachhaltig beeinflussen. Auch dahinter sitzen wichtige Entscheidungsträger, die wir als Fridays For Future, genau wie die politischen Entscheidungsträger, auffordern, endlich Verantwortung zu übernehmen. Hierbei sehen wir jede Person, die die Möglichkeit dazu hat, in der Verantwortung, unterstützend mitzuwirken.

Vielen herzlichen Dank für das Interview und alles Gute für euer Engagement!


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