Die Mitarbeiter des Roten Kreuzes Ried sind seit Corona im Dauereinsatz

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Rosina Pixner Rosina Pixner, Tips Redaktion, 30.11.2021 09:00 Uhr

BEZIRK RIED. Seit der ersten Stunde der Corona-Krise ist das Rote Kreuz unermüdlich im Einsatz. Wie es den Mitarbeitern dabei geht und welche Aufgaben zu erledigen sind, erzählen Bezirksgeschäftsleiter Christian Dobler-Strehle und Bezirksrettungskommandant Andreas Hattinger im Tips-Interview.

Tips: Die vierte Corona-Welle schlägt momentan so richtig zu: Wie geht es dem Roten Kreuz dabei? Welche Aufgaben sind zu erledigen?

Dobler-Strehle: Wir sind sehr gefordert, aber uns geht es gut, weil bei uns alle Mitarbeiter mitziehen, egal ob die ehrenamtlichen, hauptberuflichen oder in der Leitstelle. Seit Montag haben wir alle Bereiche runtergefahren bis auf die versorgungskritischen Bereiche wie Rettungsdienst, Notarzt, Leitstelle, Essen auf Rädern, Besuchsdienst, mobile Dienste, Hauskrankenpflege und Heimhilfe. Die Jugend-Rotkreuz-Ausbildung findet online statt. Die Bereitschaft der Mitarbeiter ist enorm. Mitarbeiter vom Sekretariat arbeiten nun für die Corona-Hotline 1450. Auch dank der Anzahl der vielen Freiwilligen und der Zivildiener können wir das System noch gut aufrechterhalten. Es ist zwar anstrengend und fordernd, aber wir können auf ein starkes Team bauen.

Hattinger: Es bietet den Mitarbeitern auch Abwechslung und man kann die sozialen Kontakte aufrechterhalten.

Tips: Behörden und Organisationen arbeiten in Sachen Corona eng zusammen: Wie funktioniert diese Zusammenarbeit?

Hattinger: Wir sind Auftragnehmer vom Land Oberösterreich. Bei der PCR-Testung an den verschiedenen Standorten, da haben wir die volle Unterstützung seitens der Stadtgemeinde und der Straßenmeisterei, wo wir auch wieder unser Winterquartier bezogen haben. Seit März führen wir die Impfung im Auftrag des Landes Oberösterreich durch. Die Zusammenarbeit mit den Ärzten funktioniert sehr gut, die Bezirksärzte organisieren sich selber. Auch die Zusammenarbeit mit der Bezirkshauptmannschaft, dem Bundesheer und der Polizei ist sehr gut. Man kennt sich untereinander und weiß in Krisenzeiten, wie man handeln muss. Zu Beginn der Corona-Krise haben wir manchmal die Bezirkshauptfrau öfter gesehen als unsere Partner. Wöchentliche Abstimmungen, je nachdem, wie sich die Lage wieder entwickelt, sind notwendig. Heute sind wir froh, wenn sich nur wöchentlich etwas ändert. Vorher war dies täglich der Fall.

Dobler-Strehle: Krisenbewältigung ist eine unserer Kernaufgaben. Das Rote Kreuz, Ärzte und Krankenhaus funktionieren wie Zahnräder.

Tips: Welche Rückmeldungen bezüglich Belastungsgrenze erhaltet ihr?

Dobler-Strehle: Aufgrund der hohen Anrufzahlen in der Rettungsleitstelle, die über 1450 reinkommen, ist die Belastung schon hoch. Die Krankentransporte und der Rettungsdienst sind ebenfalls gefordert. Kommt es zu einem Corona-Transport, müssen die Mitarbeiter Schutzanzüge tragen. Diese sind luftdicht, da kommt man schon körperlich an die Belastungsgrenze. Nach einem Corona-Transport muss das gesamte Fahrzeug desinfiziert werden. Wenn alle mithelfen, dauert das zirka eine Stunde. Aber eine Fahrt dauert jetzt eineinhalb Mal so lange wie sonst. Das ist aufwändig und zeitintensiv. Vor allem der Transport von Intensivpatienten ist herausfordernd. Unsere Leute wollen helfen, auch in Extremsituationen. Manche machen eine zusätzliche Ausbildung, um Intensivpatienten zu betreuen. Wir sind für das Innviertel zuständig. Bis Mitte nächsten Jahres wird dies ausgebaut. Das ist aus der Corona-Situation in Fahrt gekommen. Es ist beeindruckend, wie die Leute das mittragen.

Tips: Welche Aufgaben hat das Rote Kreuz bei Corona-Einsätzen?

Hattinger: Wir fahren die Patienten mittlerweile in alle oberösterreichischen Krankenhäuser, je nachdem, welches Krankenhaus noch jemanden aufnehmen kann. Für einen Intensivtransport müssen die Mitarbeiter medizinisch höher qualifiziert werden. Theorie und Praxis werden im Krankenhaus absolviert. Vorher gab es keinen Intensivbettenplan. Mittlerweile schon. Allerdings ändert sich dieser täglich, weil Leute sterben. Ein Intensivfahrzeug ist größer als ein normaler Rettungswagen. Für Intensivpatienten müssen ein Beatmungsgerät, elektrische Anschlüsse, eine Herz-Lungenmaschine, eine spezielle Verankerung im Fahrzeug und Platz für einen Arzt und Notfallsanitäter sein. Die Rotkreuz-Intensivtransporte sind eingeführt worden mit Unterstützung des Landesverbandes und des Landes Oberösterreich, um den regulären Notarztdienst zu entlasten. Sonst wäre der Notarztdienst unterversorgt.

Tips: Wie geht es den Mitarbeitern in der Test- und Impfstraße?

Hattinger: Wir bekommen durchwegs ein gutes Feedback in den Test- und Impfstraßen. Die Leute bedanken sich bei uns, das gibt unseren Leuten viel. Natürlich gibt es auch andere, die sich aufregen. Aber die positiven Rückmeldungen überwiegen. Die Mitarbeiter sind mit ihren Aufgaben mitgewachsen. Vorher waren sie freiwillige Helfer, mittlerweile sind einige angestellt. Besonders freut uns, dass so viele junge Leute gekommen sind, die jetzt fix bei uns sind. Seit Beginn haben wir 90.000 Tests durchgeführt. Eine Belastung ist da, aber das gemeinsame Ziel lässt uns damit gut umgehen. Transparenz ist wichtig, weil ja die Mitarbeiter auch im Privatbereich angesprochen werden. Daher ist es gut, wenn sie mehr Hintergrundwissen haben, da sie als sogenannte Experten gesehen werden. Jeder von uns ist Botschafter und wir wollen informieren. Bei Fake News können wir nur mit Information entgegensteuern.

Tips: Was können Sie Menschen sagen, die nach wie vor nicht sicher sind, ob sie sich impfen lassen sollen?

Dobler-Strehle: Wir können nur sagen, es ist wissenschaftlich belegt. Eine Impfung kann vor einem schweren Verlauf schützen. Keiner kann von uns sagen, dass wir nicht Corona bekommen. Es kann auch tragisch enden. Die Schutzimpfung schützt vor einem schweren Verlauf. Andere Erkrankungen wie Pocken konnten ausgerottet werden. Wir vertrauen der Wissenschaft.

Hattinger: Letzte Woche hatten wir 2.500 Impfungen. Das Innviertel liegt unter den vier Vierteln an letzter Stelle. Wir glauben, es liegt nicht am Impfangebot. Es geht darum, dass man die Leute informiert. Man kann sich von Montag bis Sonntag impfen lassen. Man muss die Leute ermutigen, dass sie kommen.

Dobler-Strehle: Zum Schluss möchte ich allen unseren Mitarbeitern – ob ehrenamtlich oder angestellt – Danke sagen für ihren Einsatz, die Teamarbeit und den Zusammenhalt in dieser herausfordernden Zeit. Wir leben den Slogan „Aus Liebe zum Mitmenschen“

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