Schildorner besuchte kurdische Guerilla
SCHILDORN / KURDISTAN. Lukas Rachbauer aus Schildorn reiste vor ein paar Wochen mit einer Delegation nach Südkurdistan. Dort hat er auch mit Freiheitskämpfern über die aktuelle Invasion der türkischen Armee gesprochen.

Die kurdische Jugendorganisation „Gencanî Welatparêz“ hatte Solidaritätsgruppen aus Europa dazu eingeladen, nach Südkurdistan zu reisen und sich dort an einer Demonstration gegen die Angriffe der Türkei zu beteiligen. Gemeinsam mit einer Freundin aus Wien und 17 weiteren Personen aus verschiedenen Ländern Europas folgte Rachbauer der Einladung in das Kurdengebiet, welches im Norden des Irak liegt.
Erstes Ziel war die Millionenstadt Slemani, die in einem Tal am Fuße des Zagros-Gebirges in einer kargen Landschaft mit goldenen Weizenfeldern, die darauf warten, gedroschen zu werden, liegt. Der Stellenwert von Landwirtschaft sei allerdings in den letzten Jahrzehnten stark zurückgegangen - das neue Gold ist das Öl und das Gas.
Gastfreundschaft
„Die Kurden sind für ihre Gastfreundschaft bekannt“, berichtet Rachbauer. „Kein einziges Mal zahlen wir für Unterkunft, Essen oder Transport. Untergebracht sind wir meist bei Familien, wo wir mit regionalen Speisen verköstigt werden. Besonders lecker sind das dünne Fladenbrot, das selbstgemachte, säuerliche Joghurt oder frische Kräuter. Auch um unsere Sicherheit waren die Gastgeber sehr bemüht. In der Region operieren viele ausländische Geheimdienste, deshalb waren wir nur in Begleitung unterwegs. Einer unserer Gastgeber schlief für uns sogar mit einer Pistole bewaffnet vor seinem Haus.“
Verknüpft mit europäischer Politik
In vielen Gesprächen sei ihm klar geworden, wie eng das Schicksal der Kurden mit europäischer Politik verknüpft ist, erzählt Rachbauer und zitiert einen Tätowierer mit Künstlernamen Vampire: „Mein Land wird verkauft. Die Türkei führt einen Krieg gegen uns Kurden. Warum? Weil sie das Öl und Gas Kurdistans für euch nehmen wollen.“
Dieser Krieg hat in den vergangenen Monaten an Intensität zugenommen. Die türkische Armee hat Boden- und Luftoperationen gegen die Stellungen der kurdischen Guerilla in den Bergen im Norden des Irak gestartet. Laut offiziellen Angaben geht es der Türkei um ihre Sicherheitsinteressen. Rachbauer: „Meine Gastgeber sehen das anders: Es gehe Erdogan um die Ausdehnung des Machtbereichs bis hin zur ölreichen Stadt Kirkuk.“
Zusätzlich kündigte die Türkei eine neue Besetzungsinvasion auf die Autonome Administration von Nord- und Ostsyrien an. Dort hat die Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) in den Wirren des syrischen Bürgerkriegs ein basisdemokratisches Autonomiegebiet aufgebaut, in dem auch Minderheiten in das politische System miteinbezogen werden und Ökologie sowie Frauenbefreiung einen zentralen Stellenwert haben.
Strategische Partnerschaften in der Weltpolitik
Die Zurückschlagung des IS („Islamischer Staat“) im Jahr 2015 verdankt die Welt zum Großteil den kurdischen Volksverteidigungskräften aus der Autonomieregion. Diese Zone der Selbstverwaltung wird nun vom türkischen Militär angegriffen. Es ist nicht der erste Besatzungsangriff, doch diesmal befürchten viele das Ende der Autonomie, berichtet der Schildorner. Besonders seit dem Ukraine-Krieg wurde das türkische Regime zu einem strategischen Partner Europas in Energie- und Migrationsfragen. Im Gegenzug verlangt die Türkei, wie jüngst im Streit um den NATO-Beitritt von Schweden und Finnland, dass die kurdische Freiheitsbewegung als Terrororganisation verfolgt wird.
Lukas Rachbauer zitiert Deyar, einen Kurden, der in Deutschland aufgewachsen ist: „Europa hat gute Menschenrechte, aber nur für Europäer. Wenn Kurden sterben, schaut Europa weg. Doch dieser Krieg ist ohne die Zustimmung der EU nicht möglich.“
Rachbauers Fazit: „Die Lebensfreude der jungen Freiheitskämpfer und -kämpferinnen, dren parole 'Widerstand ist Leben' lautet, hat mich tief beeindruckt. Manche von ihnen sind jetzt wieder in den Bergen und verteidigen das Land, das sie lieben. Andere organisieren Frauen in Dörfern oder machen Jugendarbeit in Städten.“
Vortrag
Am 22. September um 19.30 Uhr hält Lukas Rachbauer im Bildungsheim Franziskus in Ried einen Vortrag über seine Reise sowie über die aktuelle Situation der Kurden.


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