Giesserei als Denkmal des Monats Juni ausgezeichnet
RIED. Die Renovierung der Giesserei, des Hauses der Nachhaltigkeit, ist ein Vorzeigeprojekt für den Denkmalschutz. Das Bundesdenkmalamt würdigt dies, indem es die Giesserei als Denkmal des Monats Juni hervorhebt.

Seit über 20 Jahren vergibt das österreichische Bundesdenkmalamt die österreichweite Auszeichnung „Denkmal des Monats“ und bittet damit besonders gut gelungene Projekte im Bereich der Renovierung bzw. Restaurierung vor den Vorhang. Kirchen, Schlösser, Denkmäler, Plastiken und Gemälde bis hin zu Ensembles wie Kellergassen wurden dabei ausgezeichnet. Im Juni 2021 wurde diese Auszeichnung nun der Giesserei, dem Haus der Nachhaltigkeit, für die mustergültige Renovierung verliehen. Das Haus, das auch als Zinngießer- beziehungsweise Hofmannhaus bekannt ist, ist eines von 39 denkmalgeschützten Objekten in Ried und wurde heuer am 1. Juni eröffnet.
Geschichte des Hauses
Das Haus in der Rainerstraße 5 hat eine lange Tradition. Es entstand im 15. Jahrhundert und hat verschiedenste Nutzungen erfahren. So hat es im 16. und 17. Jahrhundert eine Zinngießerei beherbergt. Es hat als Gastwirtschaft vor allem im Zusammenhang mit dem Salzhandel fungiert und als Hofmannhaus war eine Werkzeughandlung darin untergebracht. Zuletzt wurde es von einem Bekleidungsgeschäft genutzt, das sich auf Pelz-, Leder- und Lammfellkleidung spezialisiert hatte. Ein Großteil des Hauses wurde nicht mehr genutzt und war dringend sanierungsbedürftig.
Aufwändige Renovierung
„Das von uns übernommene Haus wurde von den meisten Immobilienentwicklern und Bauexperten als tendenziell abbruchreif eingestuft. Weder die Raumhöhe noch die Elektro- und Sanitärausstattung entsprachen auch nur annähernd gängigen Normen. Der historische Dachstuhl war zwar ganz schön anzusehen, wies aber keine Dämmung auf und das Problem der Raumhöhe war auch hier gegeben. Nach dem heutigen termingetriebenen Verständnis von rationellem Bauen überwogen die Argumente pro Abbruch und Neubau“, erzählt Karl Weilhartner vom Zustand des Gebäudes bei der Übernahme des Hauses durch den Verein Trafos Anfang 2020. Trotz dieser Fakten hat sich die Planungsgruppe nach längerem Überlegen und Einbeziehung von Prämissen der Nachhaltigkeit und Erhaltung des baukulturellen Erbes dazu entschlossen, das bestehende Gebäude zu sanieren und eine gute Kombination aus traditioneller Bausubstanz und modernem Ausbau zu realisieren. Herausgekommen ist eine wirklich gelungene Restaurierung, verbunden mit einer hochwertigen und formschönen Adaptierung. Die Künstlerin Ursula Wimmesberger hat die Räumlichkeiten ausgestaltet und entsprechende Beleuchtungskörper wurden von Verena Waidmann und Lukas Gstöttner installiert.
Freude über die Anerkennung
Sehr freuen sich die Trafos über die externe Anerkennung. So hat bereits im Herbst ein Baukultur-Stammtisch des „architekturforum oberösterreich“ in den Räumlichkeiten der Giesserei stattgefunden und wurden die Räumlichkeiten vom Bundesdenkmalamt für eine Präsentation des neuen Dehio Kulturdenkmalführers fürs Innviertel genutzt. Die Auszeichnung als österreichisches Denkmal des Monats Juni 2021 ist hierbei sicherlich ein Höhepunkt.
1.500 Stunden in Eigenregie gearbeitet
„Der Geist und die Schönheit des mehrere Jahrhunderte alten Gebäudes wurden, soweit es möglich war, belassen und mit modernen, formschönen und funktionellen Materialien ergänzt“, beschreiben Obmann Max Gramberger und Karl Weilhartner das tragende Anliegen. Dies war unter anderem nur möglich, weil rund 30 Vereinsmitglieder etwa 1.500 Arbeitsstunden kostenlos zur Verfügung gestellt haben.
Öffnungszeiten
Seit der Eröffnung haben sich mehrere 100 Personen das renovierte Gebäude angesehen und haben mit großer Zustimmung und Lob auf die Renovierung reagiert. Die Giesserei kann zu den üblichen Geschäftszeiten von Montag bis Freitag 10 bis 18 Uhr, Samstag von 9 bis 14 Uhr besucht werden. Sie beinhaltet mehrere Geschäfte und einen Gastronomiebetrieb und wird auch für verschiedene Veranstaltungen genutzt.<


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden