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Schwarz auf Grün 23 – Ingijad Djulic: „Wenn aus einem Jahrgang zwei Spieler Profis werden, ist das ein Erfolg“

Walter Horn, 23.02.2026 15:45

RIED. Ingijad Djulic ist bei der SV Oberbank Ried der sportliche Leiter des Grundlagenbereichs und damit zuständig für den Spiel- und Trainingsbetrieb der U7 bis U14.

Ingijad Djulic leitet die Nachwuchsarbeit der SV Ried vor der Akademie. (Foto: Eva Flotzinger)
Ingijad Djulic leitet die Nachwuchsarbeit der SV Ried vor der Akademie. (Foto: Eva Flotzinger)

Der gebürtige Bosnier kam 1992 nach Österreich – zuerst nach Eberschwang und 1997 nach Ried. Im September 1999 begann er beim damaligen Bundesnachwuchszentrum der SV Ried seine Arbeit. 20 Jahre lang betreute er beim SVR-Nachwuchs Mannschaften von der U7 bis zur U14. In den letzten Jahren verlegte er seinen Fokus auf Technik- und Individualtraining.

Seit dem vorigen Herbst leitet er den Grundlagenbereich und ist damit vor allem verantwortlich für die Entwicklung der Spieler und die Zusammenstellung des Trainerteams, das derzeit aus 15 Trainern, darunter ein Torwarttrainer, besteht. In seinem Bereich sind 90 Nachwuchsspieler und fünf Gastspieler angemeldet.

Mehr Breitensport

Im Grundlagenbereich setzt die SV Ried seit neuestem auf Breitensport. Djulic: „Wir bieten allen die Möglichkeit, bis zur U14 bei uns zu trainieren.“ Der Verein will auch mehr Nachwuchskicker aus der Region gewinnen. Außerdem sucht man schon in den Kindergärten nach kleinen Fußballern: „Wir laden den 20er-Jahrgang zum Probetraining ein.“

Nachwuchstrainer gesucht

„Dafür werden wir mehr Trainer brauchen“, sagt Djulic. „Wer interessiert ist, Mannschaften von der U6 bis zur U14 zu trainieren, ist jederzeit zu einem Gespräch willkommen.“

Viele mögliche Kandidaten wüssten gar nicht, dass die SV Ried Nachwuchstrainer sucht. Die wichtigste Frage dabei sei, ob die Trainer mit Kindern arbeiten können. Ganz ohne Ausbildung sollten sie daher nicht sein.

Qualifizierte Nachwuchstrainer zu finden, sei nicht leicht, sagt Djulic: „Wir haben vier Mannschaften, bei denen die Trainer Väter eines Spielers sind.“

Der Job verlangt einen hohen Zeitaufwand: zwei- bis dreimal pro Woche jeweils eineinhalb Stunden Training, dazu Turniere und Meisterschaftsspiele am Wochenende. Die Bambini haben zwei Trainings pro Woche, ab der U9 wird dreimal wöchentlich trainiert.

Allerdings sei die SV Ried auch ein attraktiver Arbeitgeber im Nachwuchsbereich, nicht nur wegen der engen Anbindung des Grundlagenbereichs an die Fußballakademie. Der Nachwuchs der SV Ried spielt bei Turnieren in ganz Österreich und auch im Ausland. „Die SV Ried hat einen guten Ruf. Wir sind mit Sicherheit der beste Verein in Österreich, was den Übergang von Nachwuchsspielern zur Kampfmannschaft betrifft.“ Die Nachwuchstrainer haben die Möglichkeit zur Weiterbildung und können von der Zusammenarbeit mit den anderen Trainern profitieren.

„Ich möchte, dass sie die Welt anders sehen“

„Die Trainer geben nicht nur viel Wissen weiter, sie lernen auch selbst sehr viel“, sagt Djulic. Besonders wichtig sei, wie man mit Kindern in ihrer mentalen und körperlichen Entwicklung umgeht und ihnen dabei helfen kann.

Für die persönliche Entwicklung der Kinder hat Djulic ein ehrgeiziges Ziel: „Ich möchte, dass sie die Welt anders sehen als Kinder, die keinen Sport betreiben. Dass sie anders leben, anders essen, sich anders benehmen und auch Entscheidungen unter Druck treffen können. Wir bilden für die Zukunft aus. Viele unserer Absolventen sind Handwerksmeister, Rechtsanwälte oder Ärzte geworden.“

Zur Persönlichkeitsentwicklung trägt auch bei, dass im SVR-Nachwuchs oft zehn bis zwölf Nationalitäten vertreten sind. Djulic, der, wie er sagt, „selbst einen Integrationshintergrund“ hat und auch Integrationsbotschafter des ÖFB ist: „Der wichtigste Integrationsfaktor ist die Sprache. Auf dem Platz wird nur Deutsch gesprochen. Das verstehen alle.“

Talentselektion

Talent allein reicht nicht für eine Fußballerkarriere. Einer der entscheidenden Punkte bei der Nachwuchsarbeit ist daher, das Talent zu erkennen. Ingijad Djulic: „Manche zeigen bis zur U12 wenig, und dann geht auf einmal der Knopf auf. Andere sind von klein auf Naturtalente.“

Ob es einer der Burschen schafft, hänge zu einem großen Teil von ihm selbst ab. Djulic: „Wie lebt er seinen Traum, wie stark ist er mental, was ist er bereit zu opfern?“ Die Spieler in der Akademie haben wenig Freizeit: Neben der Schule wird trainiert, am Wochenende finden die Meisterschaftsspiele statt. „Sie opfern extrem viel, daher tut es mir jedes Mal leid, wenn es einer nicht schafft. Aber wenn es aus einem Jahrgang zwei Spieler dauerhaft zu den Profis schaffen, ist das ein Erfolg.“


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