Neuer Trainer, neue Spieler, gleiche Ziele: Die SV Ried präsentiert sich als selbstbewusst, aber bescheiden
RIED, GEINBERG. Mit Leistungstests am 22. Juni und dem ersten Training auf dem Sportplatz des Spa Resorts Geinberg ist die SV Oberbank Ried wie auch schon in den letzten Jahren in die neue Saison gestartet. Auch mit verändertem Personal will der Verein seinen erfolgreichen Weg konsequent fortsetzen und den nächsten Schritt zur dauerhaften Etablierung in der höchsten heimischen Spielklasse setzen. Ein weiterer Neuzugang wird der Flügelspieler Jaedin Rhodes aus Südafrika sein.

Der neue Cheftrainer Mario Despotovic bezeichnete die österreichische Bundesliga als intensive Liga. „Es ist gut, dass im Trainerstab auch Leute sind, die die Liga kennen und ihre Erfahrungen an mich weitergeben.“ Der 41-Jährige Deutsch-Kroate ist in Deutschland aufgewachsen, ging dann nach Kroatien und war zuletzt in Ägypten tätig, zuletzt als Sportdirektor. Er habe schon früher in Vereinen gearbeitet, in denen man die Spieler weiterentwickeln wollte. Wenn man neue Kulturen kennenlernt, müsse man sich anpassen. „Fußball wird überall nach den gleichen Regeln gespielt, aber der Kontext ist überall anders.“
Seine ersten Ziele seien, den Kader und alle Spieler gut kennen zu lernen, und dann die Spieler jeden Tag besser zu machen. „Ich bin jemand, der sehr im Moment lebt und versucht, alles objektiv zu bewerten und zu verbessern.“ Im Moment gehe es darum, Vertrauen aufzubauen, die Spieler zu verstehen und im Verein eine gute Kultur herzustellen, die auf harter Arbeit, Ehrlichkeit und Ehrgeiz aufbaut. „Alle sollen fröhlich zur Arbeit kommen, aber auch wissen, dass es Arbeit ist.“
„Einige von den jungen Spielern werden sich in der Vorbereitung zeigen“
Es sei wichtig für einen Verein, den jungen Spielern einen Weg zur Kampfmannschaft zu zeigen - das habe er auch bei Dinamo Zagreb und Hajduk Split so gemacht. „Nach der ersten Trainingseinheit habe ich schon den Eindruck, dass sich einige von den jungen Spielern in der Vorbereitung zeigen werden.“
Er habe in den Transfergesprächen gemerkt, dass das Gesamtpaket mit der Tradition, der Vereinsführung, den sportlichen Werten und den Fans sehr emotional sei: „Ich mag Emotionen. Auch der erste Eindruck von der Stadt und den Fans, die mich schon begrüßt haben, ist sehr positiv.“
„Die ganze große Fußballwelt ist doch ein kleines Dorf“
Über das Zustandekommen des Kontaktes zur SVR sagte Despotivic: „Die ganze große Fußballwelt ist doch ein kleines Dorf und viele Leute kennen sich. Wenn es dann junge Trainer gibt, die viele Sachen sehr akribisch machen oder out-of-the-box sind, spricht sich das schnell herum. Ich glaube, dass ich auch damals als Trainer der zweiten Mannschaft von Hajduk Split einen guten Stand hatte. Als Sportdirektor in Ägypten lernte ich in vielen Meetings und Transfergesprächen auch andere Sportdirektoren kennen; man verbindet sich, und wenn man dann mit Leuten zusmmenkommt, die ähnliche Fußballideen haben und sieht, dass der Verein gesunde Strukturen hat, ist das auf jeden Fall interessant.“
Sportdirektor
Wolfgang Fiala bestätigte, dass die SV Ried auch unter dem neuen Trainer mit hoher Intensität spielen wolle. Es sei entscheidend, sich auch die Frage zu stellen, was die Fans sehen wollen und welcher Fußball gezeigt werden soll. „Wir werden immer über Teamwork, über Intensität, über Körperlichkeit und Standardsituationen kommen. Gleichzeitig wollen wir mit der Weiterentwicklung noch das eine oder andere Prozent herausholen. Wir haben schon in der Qualifikationsgruppe im Frühjahr begonnen, mehr spielerische Akzente zu setzen.“ Auch auf die neuen Regeländerungen werde man reagieren. „Ich habe bei der WM nicht viele weite Einwürfe gesehen, bei denen der Innenverteidiger nach vorne kommt.“
Dass die SVR drei Jahre lang relativ unverändert zusammengearbeitet habe, sei im Profifußball unüblich. Durch die ausgezeichnete sportliche Performance wurden Begehrlichkeiten geweckt, die zu Veränderungen führten. „Wir brauchen aber nicht darüber zu diskutieren, dass es wirtschaftlich für uns sinnvoll war.“ Die SVR stehe vor einer Herausforderung, an der man aber auch Freude habe. Die Verstärkung des Kaders nach diesen Kriterien sei eine gute Challenge.
Der intensive Spielstil, den Gegner mit hohem Pressing unter Druck zu setzen, soll beibehalten werden. In den Ballbesitzphasen will man sich aber mehr Optionen verschaffen, um das Spiel aktiver zu gestalten und besser zu kontrollieren. Fiala ist überzeugt, dass mit Despotovic dafür genau der richtige Mann gefunden wurde.
„Keine Denkverbote“
Dass ein innviertler Verein einen Trainer holt, der Sportdirektor in Ägypten war, sei möglich, weil die SVR ein Stück weit neue Wege gehe und sich keine Denkverbote auferlegt. „Wir haben den ausgewählt, bei dem wir das Gefühl haben, dass das Bestehende weiterentwickelt werden kann. Wir sind sehr froh, dass wir diese Lösung gefunden haben.“
Über Despotovic habe man im Verein schon im Dezember gesprochen, als der vorige SVR-Trainer Max Senft das Angebot von Sturm Graz bekam. „Es war aber schnell klar, dass Max bleibt.“
Was eventuelle Abgänge betrifft, habe die SVR bei allen Spielern das Heft des Handelns in der Hand.
Kapitän
Mannschaftskapitän Andreas Leitner meinte, dass die vielen Abgänge zwar für gewisse Erschütterungen gesorgt hätten, die Mannschaft sei aber gespannt und voller Vorfreude auf die neue Situation. „Dass Spieler verkauft werden, kommt ja nicht von irgendwo, sondern beruht darauf, dass wir sehr gute Leistungen gebracht haben.“ Oberstes Ziel sei, wieder in der Liga zu bleiben, aber von dort weg könne man sich höhere Ziele setzen.
Präsident
Vereinspräsident Thomas Gahleitner: „Nach den tollen Ergebnissen der vergangenen Saison, die auch international aufhorchen ließen, starten wir mit viel Selbstvertrauen in die neue Saison. Die Abgänge des Trainerteams und von Leistungsträgern sehe ich eher als Auszeichnung, aber auch als neue Chance für neue Impulse. Mario hat uns in den Gesprächen total überzeugt. Das Wichtigste ist für uns auch in dieser Saison, den Klassenerhalt so schnell wie möglich zu fixieren. Wenn wir darüber hinaus Außergewöhnliches leisten, sind auch außergewöhnliche Erfolg möglich.“
Etwas Geduld bitte
Für den Saisonstart bittet Gahleitner den eigenen Anhang um etwas Geduld: „Wir haben eine neue sportliche Leitung, neue Spieler und möchten die Spielidee weiterentwickeln. Das wird etwas Zeit brauchen. Trotzdem sehe ich realistische Chancen, dass wir auch heuer um einen Platz im oberen Play-Off kämpfen werden.“
Generell müsse der Verein wieder die Balance zwischen wirtschaftlichem und sportlichem Erfolg schaffen. Gahleitner: „Aber dafür sind wir ja bekannt.“
Für den VIP-Klub, dessen Umbauarbneiten bis zum Saisonbeginn noch nicht abgeschlossen sein werden, versprach der Vereinspräsident eine „tolle Zwischenlösung“.
Trainerteam
Im neuen Trainerteam unter der Leitung des neuen Cheftrainers Mario Despotovic blieben Co-Trainer Moritz Kossmann, Tormanntrainer Wolfgang Wimmer und Spielanalyst Alfons Fischer. Neu dazu kamen Marcel Thallinger aus der eigenen Akademie und Judah Davies von Premier League-Aufsteiger Ipswich Town als neue Co-Trainer sowie Marko Lozancic (der schon beim ägyptischen Klub Wadi Degla mit Despotovic arbeitete) als neuer Athletiktrainer.
Kader
Neu im Kader sind aktuell neben dem bisher einzigen Neuzugang Lukas Malicsek die Jungprofis Sefiwu Abubakar, Alessandro Goiginger, Fabian Lechner, Raphael Pesu, Conrad Scholl, Leonit Zeqiri und Nevio Zotz, die alle über die Rieder Akademie bzw. die Jungen Wikinger zur Profi-Mannschaft gekommen sind.
Weitere Neuzugänge sind nach den zahlreichen Abgängen selbstverständlich geplant. Fiala bestätigte, dass mit dem 23-jährigen Flügelspieler Jaedin Rhodes erneut ein Südafrikaner nach Ried kommt. Rhodes spielte beim südafrikanischen Zweitligisten Cape Town Spurs. Sein Landsmann Yussuf Maart werde in Ried bleiben.


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