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RIED. Bei herrlichem Sommerwetter wurde am Donnerstag, 9. September, die Rieder Landwirtschafts- und Herbstmesse von Bundespräsident Alexander Van der Bellen mit einer launigen Rede eröffnet.

Bundespräsident Alexander van der Bellen (Foto: Tips / Horn)
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Speziell in den letzten eineinhalb Jahren sei die wichtige Rolle der Landwirtschaft als Krisenversorger erkannt worden, sagte Van der Bellen: „Das haben auch wir – ich rede im Plural Majestatis – entdeckt. Also meine Frau.“

„Wir werden das schon irgendwie hinkriegen!“

Die laufende und permanente Krise sei die Klimakrise. „Wir hätten es wissen können, die wissenschaftlichen Erkenntnisse lagen vor.“ Jetzt müssten wir zur Kenntnis nehmen, dass die Häufigkeit von Unwettern zunehmen werde und dass man in den Wäldern andere Bäume als Fichten pflanzen müsse.

In der für ihn typischen Art meinte er aber: „Wir werden das schon irgendwie hinkriegen!“

Am Beispiel des Kaunertals, in dem er aufgewachsen ist, schilderte Van der Bellen den Wandel in den letzten Jahrzehnten: Früher sei man mit der Landwirtschaft gerade über die Runden gekommen, heute habe in vielen Familien einer die Landwirtschaft, einer einen Angestelltenjob und einer biete Betten für Touristen an. Auch die Sprache habe sich geändert, meinte er schmunzelnd: zum Teil wegen der Touristen, zum Teil, „weil man Auswärtige heiratet und dann nach der Schrift sprechen muss, bis sie es verstehen“.

Er beendete seine Rede mit „dem Satz, für den ich wohl eingeladen bin: Die Rieder Messe ist endlich eröffnet!“

„Das Barometer in Ried steht auf „Hoch““

Messepräsident LAbg. Alfred Frauscher wies darauf hin, dass seit 18 Monaten keine Messe mehr stattgefunden habe. Die Entscheidung, die Rieder Herbst- und Landwirtschaftsmesse durchzuführen, sei nicht einfach gewesen. Sie musste zu einem Zeitpunkt getroffen werden, als noch nicht feststand, unter welchen Umständen die Messe stattfinden könne. Letztlich habe sich die Messeleitung nicht nur aus wirtschaftlichen, sondern auch aus gesellschaftlichen Gründen für die Durchführung entschieden. Der Mut sei belohnt worden, denn die Landwirtschaftsmesse ist restlos ausverkauft. Frauscher: „Messen sind Wirtschaftsbarometer. Das Barometer in Ried steht auf „Hoch“.“

„Danke und ein paar Bitten“

Für Bürgermeister Albert Ortig (ÖVP), der nicht mehr zur Bürgermeisterwahl antritt, war diese Eröffnung seine letzte nach 27 Jahren. Daher nutzte er sie, „um vor allem Danke zu sagen und vielleicht am Ende ein paar kleine Bitten anzubringen“.

Er dankte Bundespräsident Alexander Van der Bellen, der während der Coronakrise Videokonferenzen mit Bürgermeistern durchgeführt und diese dadurch motiviert habe. Landeshauptmann Thomas Stelzer danke Ortig ebenfalls, fügte aber sofort die Forderung an, dass bei der „Finanzierung neu“ eine Evaluierung erfolgen müsse, um den Städten wieder mehr Spielraum zu geben.

Bei den rund 500 Ausstellern bedankte sich Ortig, weil sie sich zu einem Zeitpunkt angemeldet hatten, als noch nicht feststand, auf welcher Grundlage die Messe abgehalten werden könne. Beim Team der Messe hob Ortig hervor, dass die Arbeit der Messevorbereitung, die normalerweise ein Jahr dauere, in vier Monaten geschafft wurde.

Für die 50-prozentige Beteiligung an den Kosten für die Rückhaltebecken in der Umgebung von Ried dankte Ortig Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger, deponierte aber gleich die Forderung, dass nicht nur rein privat geführte Messen Ausgleichzahlungen bekommen sollten, sondern auch solche wie die städtische Rieder Messe, die ebenfalls eine GmbH sei. Für die Messe Ried gehe es dabei um eine Million Euro.

Landwirtschaft „im Würgegriff des Handels“

Weniger versöhnlich gab sich der Präsident der Landwirtschaftskammer Österreich, Josef Moosbrugger. Er nutzte die Gelegenheit, um mit klaren Worten breiten politischen und gesellschaftlichen Rückhalt für die Landwirtschaft zu fordern: „Die Bauern spüren, dass die Preis-Kosten-Schere immer weiter auseinanderklafft. Die Handelspartner, die Rekordergebnisse verbuchen, sind der Meinung, dass das so weitergehen soll. Wir befinden und in einem Schraubstock und im Würgegriff des Handels. Wir müssen uns Luft verschaffen.“

Moosbrugger fordert vom Handel „Partnerschaft statt Billigstimporten“ sowie höhere Rohstoff- und Erzeugerpreise beim Handel und in der Verarbeitungswirtschaft: „Nur wenn Bauern verdienen, können sie auch investieren.“

Landeshauptmann Thomas Stelzer gratulierte der Messeleitung zur Entscheidung, die Messe durchzuführen. „Wir erleben derzeit einen Aufschwung und größeres Wachstum als erwartet. Diese Aufwärtsbewegung müssen wir in Nachhaltigkeit umwandeln.“

Landwirtschaftsministerim Elisabeth Köstinger stellte sich hinter die Forderungen der Landwirtschaft: „Wir müssen zuerst an den großen Schrauben drehen und die Industrie in die Pflicht nehmen. Wir müssen dorthin gehen, wo die Handelskonzerne, die den Markt unter sich aufteilen, unglaubliche Macht haben.“  Das werde aber nur gehen, wenn die Konsumenten diese Forderungen mit ihrem Einkaufsverhalten unterstützen.


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