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RIED/GRAZ. Am Straflandesgericht Graz hat am 1. März ein Prozeß gegen einen 63-jährigen Israeli wegen Beteiligung an schwerem Betrug, Geldwäscherei und Beteiligung an einer kriminellen Organisation begonnen. Die Taten hängen mit dem „Fake President Fraud“, einer Online-Betrugsmasche, zusammen, durch den der Rieder Flugzeugzulieferer FACC Anfang 2016 etwa 54 Millionen Euro verlor.

 (Foto: FACC/Gortana)
(Foto: FACC/Gortana)

Bei dem „Fake President Fraud“ hatten die Täter 2015 eine gefälschte Mailadresse des damaligen Vorstandschefs und Firmengründers Walter Stephan eingerichtet und FACC-Finanzverantwortliche in Stephans Namen angewiesen, Millionenbeträge auf ausländische Konten zu überweisen. Den Mitarbeitern wurde dabei vorgegaukelt, es handle sich um streng vertrauliche Transaktionen für einen Firmenkauf. Außerdem wurde der Anruf eines angeblich damit befassten Anwalts angekündigt. Ein solcher – natürlich gefälschter – Anruf erfolgte tatsächlich.

Überweisungen nach China

Als der Betrug im Jänner 2016 bemerkt wurde, waren bereits mehr als 90 Überweisungen erfolgt und die Spur verwischt. Die Millionensummen wurden sofort nach der Überweisung in kleinere Beträge aufgeteilt und auf Konten von Scheinfirmen und dann weiter, vor allem nach Asien, überwiesen.

Von der Schadenssumme von 54 Millionen Euro konnten durch sofort eingeleitete Maßnahmen noch etwa zehn Millionen auf Empfängerkonten in China gesperrt werden. Das Geld liegt mittlerweile auf einem Verwahrkonto der Republik – zunächst noch ohne Zugriff der FACC. Eine von FACC mit 42 Millionen Euro bezifferte Schadensersatzklage gegen Stephan wurde im Oktober 2021 vom Obersten Gerichtshof abgewiesen – quasi ein Freispruch für den Gründer des Innviertler Flugzeugzulieferers. Die Entscheidung ist rechtskräftig, weil der Flugzeugzulieferer die Berufungsfrist gegen das schriftlich ergangene Urteil auslaufen ließ.

Briefkastenfirmen

Der Angeklagte war 2019 von österreichischen und israelischen Polizisten in Aschdod in Israel festgenommen worden und war dort zunächst sieben Monate in Haft, bevor er nach Österreich ausgeliefert wurde. Er soll ein Unternehmen geleitet haben, das im Internet mit dem Verkauf von Firmen und Bankkonten beschäftigt war. Diese Unternehmen soll er mit gefälschten Ausweisen gegründet haben. Laut der Grazer Staatsanwaltschaft wurde in seinem Büro „eine richtige Fälscherwerkstatt“ ausgehoben. Die Kriminalpolizei halte ihn nicht für einen Einzeltäter und habe ihre Ermittlungen „noch längst nicht beendet“. Der Verdächtige bestreitet jede Schuld – es gilt die Unschuldsvermutung. 

Der Fall wird in Graz verhandelt, weil sich die ersten geschädigten Firmen in der Steiermark befanden. Es gibt aber auch Hinweise auf Verbindungen zu einem gescheiterten Betrugsversuch beim deutschen Schokoladehersteller Ritter Sport im Jahr 2017.

Update Donnerstag, 3. März 16:30 Uhr:

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