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Erwärmung der innviertler Flüsse und Bäche gefährdet den Fischbestand

Walter Horn, 10.03.2026 16:02

INNVIERTEL. Das Land Oberösterreich hat in einer Studie die langfristige Entwicklung der Wassertemperaturen in oberösterreichischen Fließgewässern untersucht. Ziel war es, die Erwärmung festzustellen, die Auswirkungen auf die Fischfauna einzuschätzen und Handlungsoptionen für das Gewässermanagement aufzuzeigen.

Die Bachforelle ist vom Temperaturanstieg besonders betroffen. (Foto: OÖLFV)
  1 / 3   Die Bachforelle ist vom Temperaturanstieg besonders betroffen. (Foto: OÖLFV)

Gesammelt wurden die Messdaten von 61 Pegelstationen im gesamten Land im Zeitraum 1984 bis 2023 (40 Jahre).

Fast zwei Grad wärmer

Die Ergebnisse sind klar und belegen eine „statistisch robuste“ Erwärmung: Die mittlere Temperatur der untersuchten Gewässer stieg im Untersuchungszeitraum um durchschnittlich 0,048 Grad Celsius pro Jahr. Das addiert sich zu einer Gesamterwärmung von rund 1,9 Grad innerhalb von vier Jahrzehnten. Diese Werte liegen deutlich über früheren Untersuchungen und zeigen eine fortschreitende Beschleunigung der Erwärmung.

Umwelt- und Klima-Landesrat Stefan Kaineder (Grüne) erklärt: „Diese Zahlen machen die Klimaerwärmung in Oberösterreich sichtbar und begreifbar. Sie stehen für Hitzedruck in den Gewässern, für weniger Sauerstoff im Wasser und dafür, dass vertraute Arten verschwinden können.“

Schärding und Ried

Im Bezirk Schärding hat das Land an insgesamt drei Messstellen eine durchschnittliche Erwärmung von 1,93 Grad Celsius in 40 Jahren festgestellt. Der Inn wurde bei Schärding um 1,82 Grad Celsius wärmer. Die Messwerte der Pram stiegen bei Pramerdorf um 1,58 und bei Winertsham (Steg) sogar um 2,41 Grad.

Im Bezirk Ried wurde nur an einer Stelle gemessen. Die Antiesen hat sich bei Haging um 1,8 Grad Celsius erwärmt.

Braunau

Im Bezirk Braunau ergaben die Messungen an sechs Stellen eine durchschnittliche Erwärmung von 2,06 Grad Celsius in 40 Jahren.

Die stärkste Erwärmung wurde mit weit überdurchschnittlichen 3,19 Grad bei der Enknach in Österlehen gemessen. Eine starke Erwärmung wurde auch in der Mühlheimer Ache bei Mamling mit einem Anstieg um 2,50 Grad und in der Salzach bei Ettenau mit 2,36 Grad festgestellt.

Die Mattig wurde an den Messstellen Jahrsdorf und Laimhausmühle um 1,96 beziehungsweise 1,52 Grad wärmer. Eine deutlich geringere Erwärmung wurde im Schwemmbach bei Furth mit 0,83 Grad gemessen.

Besonders starke Temperaturzunahmen treten im bayerisch-österreichischen Alpenvorland sowie im Granit- und Gneisgebiet der Böhmischen Masse auf. Saisonal wird die stärkste Erwärmung in den Sommermonaten gemessen, vor allem im Juni. Auch im April und November ist der Temperaturanstieg überdurchschnittlich hoch.

Kälteliebende Arten leiden

Klaus Berg, der Geschäftsführer des OÖ. Landesfischereiverbandes, bestätigt die Auswirkungen auf den Fischbestand: „Die Erwärmung betrifft vor allem kälteliebende Arten wie Bachforelle, Äsche oder Koppe. Wenn die Wassertemperatur im Sommer für einen längeren Zeitraum über 20 Grad steigt, wird es für diese Fische kritisch. Die Bachforelle wird als Anglerfisch Nummer eins zurückgehen.“

Fischregionen verschieben sich nach oben

Durch die Erwärmung des Wassers verschieben sich die Fischregionen – durch die Wassertemperatur bedingte Lebensräume – nach oben. Während wärmeliebende Fische noch keine Probleme haben, wird die Forellenregion, in der kälteliebende Arten leben, in die Oberläufe gedrängt. Diese sind häufig in Quellnähe zu seicht und verfügen über ein zu starkes Gefälle, um als Lebensraum oder Laichgebiet geeignet zu sein. Im Innviertel gibt es besonders in kleineren Zuflüssen zu Mattig, Antiesen oder Pram noch viele dieser Forellenregionen.

Auch Querbauwerke tragen durch die Verlangsamung der Strömungsgeschwindigkeit und Verbreiterung des Flussbettes zur Erwärmung bei.

Von wärmeren Wassertemperaturen profitieren unter anderem Weißfische wie Barbe, Aitel oder Nase, die mit höheren Temperaturen besser umgehen können.

Handlungsbedarf

Landesrat Kaineder fordert Maßnahmen, die schnell wirken und langfristig stabilisieren: „Vor allem dort, wo sich Flüsse besonders stark aufheizen. Bäume und Sträucher entlang der Ufer kühlen das Wasser spürbar. Mehr Platz und Struktur im Flussbett. Wenn Flüsse wieder mehr Raum bekommen, entstehen kühle Rückzugsorte. Freie Wege für Fische und Lebewesen: Wo Barrieren fallen, können Arten ausweichen, wandern und sich erholen.“

Er warnt: „Das Tempo der Klimakrise lässt uns keine Pause. Der Klimawandel ist auch in unseren Gewässern angekommen und genau deshalb müssen wir jetzt konsequent an der Verbesserung der Gewässerökologie arbeiten. Renaturierung ist nicht nur Lebensversicherung für unsere kommenden Generationen, sie hilft uns auch, unsere Lebensgrundlagen zu erhalten.“


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