BEZIRK ROHRBACH. Die Flussperlmuschel, die Mopsfledermaus oder der Böhmische Enzian, der nur in der Böhmerwaldregion vorkommt: Diese bedrohten Tiere und Pflanzen sind drei von insgesamt sieben heimischen Arten, die als Botschafter für den Artenschutz ausgewählt wurden. Denn die Naturschutzabteilung des Landes will dem Artenschutz heuer ein Gesicht geben, um Wissen und Bewusstsein für die Vielfalt unserer Natur zu schaffen.
Jedes Teil im Ökosystem hat seine Aufgabe. Viele sind voneinander abhängig, damit die Natur im Gleichgewicht bleibt. Deshalb wird dem ganzheitlichen Artenschutz im heurigen Jahr einen besonderen Schwerpunkt eingeräumt. „Ziel ist die Mobilisierung der Bevölkerung hin zu einer bewussten, aktiven Einstellung zum Thema Artenschutz. Damit die heimische Vielfalt auch für kommende Generationen erhalten bleibt“, begründet FP-Landesrat Manfred Haimbuchner die Initiative. Gottfried Schindlbauer, Direktor der Naturschutzabteilung, ergänzt: „Wir geben dem Artenschutz ein Gesicht, indem wir anhand von sieben heimischen Arten seine Bedeutung lebendig machen.“
Artenschutz braucht noch mehr Akzeptanz Wie wichtig solche Initiativen sind, weiß Thomas Engleder aus Haslach, der sich seit vielen Jahren für den Schutz der Tier- und Pflanzenvielfalt engagiert. „Meist gelingt es nur auf sehr kleinen Flächen, Arten, die kurz vor dem Aussterben sind, zu erhalten“, sagt er. „Bei der Flußperlmuschel und dem Böhmischen Enzian passiert mittlerweile eine wissenschaftliche Nachzucht, die auch sehr gut funktioniert. Aber diese Nachzucht müssen wir in die freie Natur entlassen – und hier wird es immer schwieriger, geeignete Flächen und Gebiete zu finden, wo die Arten dann auch gedeihen.“ Die Flußperlmuschel braucht zum Beispiel ein intaktes Fließgewässer, der Enzian eine passende Magerwiese mit traditioneller Bewirtschaftung. Andere seltene Arten, wie der Fischotter, Biber oder Luchs sind robuster, „sie können sich ihren Lebensraum zurück erobern, wenn der Mensch sie lässt. Bei geschützten Arten ist es also die Akzeptanz durch den Menschen, die noch besser werden sollte“, sagt Engleder. Jeder Grundbesitzer könnte eigentlich einen Beitrag zum Artenschutz leisten: Randstreifen entlang von Waldrändern und Wegen, Spätmähflächen, Brachen, Feuchtflächen, Magerwiesen, strukturreiche Mischwälder, einen Teil des Gartens nur zweimal mähen und nicht alle 14 Tage, Bäume groß und alt werden lassen, Parkplätze und Flachdächer begrünen, nennt Thomas Engleder einige Möglichkeiten. „Viel geholfen wäre vor allem, wenn der Nutzungsdruck auf unsere Landschaft weniger würde.“
Zum Erhalt und Schutz verschiedener Arten und Lebensräume werden 2015 zahlreiche Projekte und Maßnahmen umgesetzt. Unter anderem gibt es Bestandszählungen, Schaffung und Betreuung von Schlafplätzen oder Laichanlagen, aber auch die weitere Erforschung der Arten wird vorangetrieben. Ergänzend bietet die Naturschutzabteilung Informationsmaterialien an, eine neue Facebook-Seite und das Fest der Natur (27. Juni). Erstmals wird außerdem der Naturschutzpreis Philyra vergeben (21. Mai), die Einreichfrist läuft noch bis 15. März (www.philyra.at).
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