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BEZIRK ROHRBACH. Kein Tag vergeht, an dem Bezirkshauptfrau Wilbirg Mitterlehner nicht mit der Flüchtlingsthematik zu tun hat. „Das ist derzeit das vordringlichste Thema, denn der Asylantenstrom reißt nicht ab“, sagt sie. Die Suche nach weiteren Quartieren bleibt da die größte Herausforderung.

  1 / 3   Zum Tag mit der Feuerwehr lud die FF Haslach die Flüchtlinge in ihrem Ort. Die Begeisterung war bei Groß und Klein groß. Foto: Lisa Pfleger

Seit Jahresbeginn sind über 3240 Flüchtlinge nach Oberösterreich gekommen, derzeit sind rund 8000 im Land untergebracht – rund 450 davon im Bezirk Rohrbach. „Die Hälfte der Gemeinden hat sich bisher bereit erklärt, Flüchtlinge aufzunehmen. Derzeit liegen wir bei einer Quote von 0,8 Prozent – im Hinblick auf die vom Bund festgelegte Quote ist also noch einiges zu tun“, sagt die Bezirkschefin, bei der in Sachen Asyl alle Fäden zusammenlaufen. Wöchentlich gibt es eine Bezirks-Koordinationssitzung mit der Volkshilfe und dem Roten Kreuz, die sich um die Betreuung angenommen haben, teilweise auch mit der Polizei. „Dort wo wir Asylwerber haben, funktioniert es sehr gut. Nicht zuletzt dank der vielen Ehrenamtlichen“, ist Wilbirg Mitterlehner dankbar für die enorme Hilfsbereitschaft.

Für die Betreuung gerade in der Anfangsphase brauche es aber Profis, ergänzt sie und spricht dabei auch in ihrer Funktion als Rotkreuz-Bezirksstellenleiterin. Das Rote Kreuz betreut seit Mitte Juli Flüchtlinge, derzeit sind die Quartiere in St. Peter, Niederwaldkirchen und Aigen-Schlägl in RK-Hand. „Dazu haben wir Sozialarbeiter aufgenommen, die speziell für diese Aufgabe geschult wurden.“

Zusätzliche Mitarbeiter sind sowohl beim Roten Kreuz, als auch bei der Volkshilfe gesucht. Diese helfen den Asylwerbern bei Behördengängen, sie organisieren Dolmetscher und Deutschkurse, zahlen die Grundversorgung an die Flüchtlinge aus (5,50 Euro pro Tag), sie sind Rechtsberater, Hausmeister, Chauffeur und bauen ein Netzwerk an Freiwilligen in den jeweiligen Gemeinden auf. „Die Erfahrung zeigt, dass die Flüchtlinge sehr gut betreut und aufgehoben sind. Da merkt man, dass wir ein sehr sozialer Bezirk sind“, sagt Mitterlehner.

Nur zwei Plastiksackerl

Josef und Erika Pühringer aus St. Peter können das bestätigen. Sie haben in ihrem Privathaus einer syrischen Familie mit drei Kindern eine Wohnung zur Verfügung gestellt. „Die Hilfsbereitschaft und Akzeptanz in der Bevölkerung ist sehr groß. Sobald es persönlichen Kontakt gibt, ist das Eis gebrochen“, sagt Pühringer. Vor gut vier Wochen ist die Familie Ghura in St. Peter angekommen. „Nur mit zwei Plastiksackerln und mit Schlapfen an den Füßen sind sie aus dem Bus gestiegen und haben überhaupt nicht gewusst, was sie erwartet“, erzählt der Volksschul-Direktor. Es habe ein paar Tage gedauert, bis sie sich in ihrem neuen Leben zurechtgefunden haben. Über ihre langwierige, mühsame Flucht aus Syrien reden sie aber nur wenig. „Sie sind hunderte Kilometer zu Fuß marschiert, teilweise nur mit Flip-Flops“, schildert Josef Pühringer. Mittlerweile helfen sie im Haushalt und Garten mit, haben sich in der Urlaubszeit um die Bienen gekümmert und auch schon syrisches Essen für die Nachbarn gekocht. „Sie sind keine Belastung, sondern eine Bereicherung.“

Auch Mohammad Ali Kohsafi hat privat eine Unterkunft bekommen. Bei Otto Anreiter in Hofkirchen ist der 23-jährige Afghane gut aufgehoben. „Ich habe ein großes Haus und viel Platz und es freut mich, wenn ich helfen kann. Uns geht es allen so gut, da kann man sich schon engagieren“, ist Anreiter überzeugt.

Essen und Fußball verbindet

In allen Asylwerber-Häusern im Bezirk ist die Unterstützung durch die Bevölkerung spürbar. Neben Zeit- und Sachspenden gibt es viele gemeinsame Aktionen: Da wird etwa gemeinsam gekocht, in Haslach sorgte die Feuerwehr für einen erfrischenden Nachmittag und in Aigen-Schlägl sind die zugereisten jungen Burschen häufig am Fußballplatz zu sehen. Denn die Kicker haben ihre gebrauchten Schuhe und eine nicht mehr ganz aktuelle Dress den Neuankömmlingen zur Verfügung gestellt.

Mögliche Quartiere (für mind. zwölf Personen) können bei der Bezirkshauptmannschaft Rohrbach gemeldet werden: Tel. 07289/8851. Auch interessierte Pflegeeltern, die unbegleitete Minderjährige aufnehmen können, können sich unter dieser Nummer melden.


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