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In Syrien haben sie keine Zukunft – in Rohrbach finden Flüchtlinge neue Hoffnung

Martina Gahleitner, 18.09.2015 07:30

ROHRBACH. Der Bürgerkrieg in Syrien zwingt viele Menschen zur Flucht. Sechs Männer haben in Rohrbach zumindest vorübergehend ein Dach über dem Kopf gefunden. Im Tips-Gespräch erzählen sie von ihrer Heimat, von ihrer Flucht und von ihren Hoffnungen, die sie mit Österreich verbinden.  

„Wir sind wie Brüder“ (v.l.): Ammer, Tarek, Sofian, Adib, Adnan und Ahmed
  1 / 3   „Wir sind wie Brüder“ (v.l.): Ammer, Tarek, Sofian, Adib, Adnan und Ahmed

Herzlich begrüßen Ahmed und seine Freunde jeden, der sie im Flüchtlingsheim besucht. Manche sind seit fast einem Jahr hier, andere seit ein paar Monaten, aber alle sind aus dem gleichen Grund nach Österreich gekommen: Sie mussten ihr Heimatland Syrien verlassen, der Krieg machte ihr Zuhause zu einem lebensgefährlichen Ort.  “Ich fühle mich schlecht, dass ich fort und meine Familie und Freunde verlassen musste, aber es war notwendig“, erzählt der 21-jährige Tarek. Die Trauer steht ihm ins Gesicht geschrieben, gleichzeitig ist aber seine Entschlossenheit zu spüren, dass er nicht aufgeben wird.

Vom Student zum Flüchtling

Adib und Tarek haben in Syrien gemeinsam Wirtschaft studiert, mussten aber vor dem Bürgerkrieg fliehen. „Wir möchten hier in Österreich unsere Ausbildung beenden und anschließend arbeiten. Wir wollen mit unserem Leben weitermachen!“, erklären sie. Doch das ist alles andere als einfach, denn die Bürokratie bremst ihren guten Willen und so müssen die jungen Männer oft fast ein Jahr darauf warten, um zu einem Gespräch nach Linz eingeladen zu werden. 

Familie in Gefahr

Diese Wartezeit ist für den 40-jährigen Ammer besonders schlimm. Seine Frau und seine drei Kinder sind noch immer in Damaskus, denn sie können erst nachkommen, wenn Ammer eine Aufenthaltsgenehmigung hat. Der gelernte Konditor muss jeden Tag Angst haben, denn die Bomben fallen auch in der Nähe seines Hauses. „Ich bin nicht wegen mir nach Österreich gekommen“, erklärt er verzweifelt. „Ich bin gekommen, damit meine Familie sicher ist!“ Bis es soweit ist, vergehen wohl noch viele schlaflose Nächte.

Gefährliche Reise

Um in Sicherheit zu sein, haben die Männer auf der Flucht große Risiken in Kauf genommen. Sofian (24) berichtet von der Überfahrt auf dem Meer: „Ich bin in einem kleinen, völlig überfüllten Boot von Griechenland in die Türkei gekommen, das war sehr gefährlich!“ Auch Sofians Familie ist noch in Damaskus, er hofft und betet, dass sie die Flucht schaffen.

Die Flüchtlinge sehen trotz ihres Leides bewusst in die Zukunft. „In Syrien habe ich als Sportlehrer gearbeitet, das würde ich auch gerne in Österreich“, träumt Adnan (27). Um sein Ziel zu erreichen, lernt er zusätzlich zu den Kursen über Youtube-Videos Deutsch.

Für alle sechs ist klar: Sie wollen in Österreich bleiben, am liebsten in Rohrbach. „Die Menschen hier sind sehr gut zu uns und die Regierung akzeptiert uns. Dafür bedanken wir uns.“ Auch Freundschaften entwickeln sich bereits, am meisten Austausch ergibt sich bisher beim Fußballspielen. Adib würde wie in Syrien gerne wieder in einer richtigen Mannschaft spielen, dafür trainiert er fleißig.

Gemeinsam hoffen

Für den Moment bleibt den Syrern nur das Warten: Auf die Familie, die Aufenthaltsgenehmigung, auf neue Arbeit. Sie tun das gemeinsam und sind so eng zusammengewachsen. „Wir sind wie Brüder“, erklärt Ahmed. Am Ende des Interviews hören die sechs Männer kaum auf, ein Wort immer und immer wieder zu sagen: „Danke!“

von Maria Köchler


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