„Wir stehen erst in der Steinzeit-Ära der digitalen Evolution“
ROHRBACH-BERG. „Die Welt verändert sich ständig – und darauf müssen wir uns einstellen, sonst schaffen wir uns ein großes Zukunftsproblem“: AEC-Leiter Gerfried Stocker fand klare Worte, als er auf Einladung des Wirtschaftsbundes über die Herausforderungen der Zukunft sprach und darüber, was wir daraus machen können.

Gerfried Stocker befasst sich als künstlerischer Geschäftsführer des Ars Electronica Centers ständig mit dem technologischen Fortschritt. „Wir stecken mittendrin in der digitalen Evolution. Unsere aktuellen Handys sind eigentlich Steinzeitgeräte – über diese werden wir uns noch abhauen“, ist er überzeugt. Aber auch wenn wir den Ausgang der Entwicklung nicht kennen und nicht wissen, wie sich die neuen Technologien auswirken werden: „Wir dürfen diese nicht wegsperren und wegdenken“, betont er. Stocker kritisiert damit auch das vielerorts herrschende Handyverbot an Schulen: „Hier wird die entscheidende Schlüsseltechnologie ignoriert. Überleben tut der, der sich am besten und schnellsten anpassen kann – das müssen wir unseren Jugendlichen möglich machen. Sonst schaffen wir uns ein großes Zukunftsproblem.“ Denn der Zugang zum Internet und die Kompetenz, damit umzugehen, seien entscheidende Faktoren.
Roboter erobern die Straße
Was wird nun die Zukunft bringen? Vor allem die Roboter-Technologie ist am Vormarsch – im bereits eröffneten Roboter-Hotel in Japan ebenso, wie auf der Straße. „Selbstfahrende Autos im Individualverkehr werden noch lange nicht kommen. Aber die autonome Mobilität bei Lastwägen wird schnell gehen und enorme wirtschaftliche Vorteile bringen“, prophezeit der Experte. Pakete werden bereits über Drohnen zugestellt, diese könnten auch als Rettungshubschrauber oder im Abschleppdienst eingesetzt werden; im Baugewerbe könnte etwa der Beton-3D-Drucker den Maurer ersetzen; im Einzelhandel wächst die Konkurrenz via Internet, das Geschäft selbst werden Markenhersteller daher verstärkt zur Imagewerbung nutzen; und auch das Gedruckte auf Papier hat ein Ablaufdatum.
„Es gibt keinen Berufsstand, der nicht massiv von der digitalen Entwicklung betroffen sein wird, das ist sicher“, sagt Gerfried Stocker und meint weiter, dass „Industrie 4.0 Arbeitslosigkeit 4.0 bedeuten wird“. Deshalb sei es umso wichtiger, gerade die junge Generation auf die globale Dynamik vorzubereiten.
Symbolträchtige Veranstaltung
Der Wirtschaftsbund Region Rohrbach hat den renommierten Referenten nicht ohne Grund ins Kneidinger Center eingeladen. Denn sein visionärer Vortrag soll symbolhaft für die Arbeit der Organisation sein. „Wir Wirtschaftstreibende sind aufgefordert, nicht mit Sorgenfalten in die Zukunft zu blicken, sondern zukunftsfähige Entwicklung zu fördern“, betont Wirtschaftsbund-Obmann Manfred Stallinger. Dazu wünsche man sich Rahmenbedingungen, die mit Hausverstand und Wirtschaftlichkeit gemacht werden.


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