Energiegenossenschaft zeigt's vor: Ziele setzen, die auch realistisch sind
BEZIRK. Eine neue Energiestrategie hat die oö. Landesregierung beschlossen, die zwar weiterhin auf Energieeffizienz und die Förderung erneuerbarer Energieträger setzt, dennoch aber nicht nur Zustimmung findet.

Ausgangspunkt für die Energiestrategie 2050 ist das Konzept Energiezukunft 2030, das einer Überprüfung unterzogen worden ist. Laut Landesrat Michael Strugl (ÖVP) habe man festgestellt, dass die darin festgelegten Zielkorridore zum Teil deutlich verfehlt worden seien: „Beim Stromverbrauch war das Ziel eine Reduktion von 0,5 Prozent pro Jahr, bis 2015 hat es sogar ein Plus von 0,2 Prozent gegeben. Beim Wärmeverbrauch sind minus 2 Prozent pro Jahr angepeilt worden, erreicht wurden nur minus 0,1 Prozent. Bei der Stromerzeugung wurde bis 2030 ein Ziel von 100 Prozent aus erneuerbaren Energieträgern festgeschrieben, mit der bestehenden Strategie können aber nur 83 Prozent erreicht werden. Daher wurde gemeinsam mit Experten von Bundes- und Landesebene sowie aus der Wissenschaft eine neue Energiestrategie mit realistischen Zielsetzungen formuliert“, erklärt Strugl und fordert Sachlichkeit in der aufgekommenen Debatte: „Ein Ziel von 97 Prozent Stromerzeugung aus erneuerbarer Energie kann mit Sicherheit nicht als Abkehr von der Energiewende dargestellt werden.“
Unplanbare variable Ziele
Für die Grüne Energiesprecherin, LAbg. Ulrike Schwarz aus Rohrbach-Berg, ist die neue Energiestrategie dennoch ein „massiver Rückschritt“ und man wolle im Landtag alles daran setzen, das Ende der Energiewende zu verhindern: „Die planbaren Ziele von 100 Prozent erneuerbarer Energie bei verbrauchtem Strom und Raumwärme herunter zu schrauben und unplanbare variable Ziele zu definieren, ist unverantwortlich. Unverantwortlich den nächsten Generationen und auch dem Standort gegenüber. Gerade die zahlreichen, sehr innovativen Ökounternehmen im Bezirk sind hier die Verlierer – auch weil mit April die Förderungen für Solaranlagen und Wärmepumpen für Häuslbauer auslaufen.“
Zur Neugestaltung der Energieförderung meint Strugl: Man habe ganz bewusst die Förderung der Energieeffizienz und der erneuerbaren Energien in den Vordergrund gestellt, um die Erreichung der Ziele zu erleichtern und auch, um die Unternehmen zu unterstützen.
Energiegenossenschaft zeigt“s vor
„Was heute Standard ist, braucht keine Anschubfinanzierung mehr“, sagt dazu der Obmann der Energiegenossenschaft Donau-Böhmerwald, Bürgermeister Franz Lindinger. Außerdem müsse stets das Gesamtpaket beachtet werden: „Wenn in alternative Energien investiert wird, muss der Strom auch genutzt werden können. Oder Elektroautos zu fördern macht nur Sinn, wenn auch ausreichend Ladestationen bereitstehen. Da muss man schon realistisch bleiben, ein vernünftiges Ziel setzen und an diesem arbeiten“, kann er der Energiestrategie durchaus etwas abgewinnen. Die Energiegenossenschaft zeigt den Realitätsbezug vor: „Wir bemühen uns, für die Öffentlichkeit Dinge zu schaffen, die finanzierbar und bewältigbar sind und schaffen damit Motivation.“
Die Ziele im Überblick:
- Bis 2030 soll der Anteil erneuerbarer Energieträger am Gesamtstromverbrauch 80 bis 97 Prozent erreichen.
- Die Energieintensität (Energieverbrauch im Verhältnis zum Bruttoregionalprodukt) soll um 1,5 bis 2 Prozent pro Jahr sinken.
- Die Emissionsintensität (Treibhaugasemissionen zu BRP) will man bis 2030 um 25 bis 33 Prozent und bis 2050 um 70 bis 90 Prozent reduzieren.
- Der Energieeinsatz pro Quadratmeter für Raumwärme soll um 1 Prozent pro Jahr sinken.
- Der Pkw-Treibstoffverbrauch pro 100 Kilometer soll um 0,5 bis 1 Prozent jährlich verringert werden.


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