Wie zwei Rohrbacher das Erbgut tausender Menschen entschlüsseln
ROHRBACH-BERG/ OEPPING. Zum Preis von mehr als einer Million Euro haben sich internationale Investoren Anteile am noch jungen Wiener Medizinunternehmen Platomics gesichert. Geschäftsführer ist Albert Kriegner, gebürtiger Oeppinger. Martin Lorenz aus Rohrbach-Berg leitet das Marketing.

„Wir liefern Laboren ein Computerprogramm, mit dem sie die Daten von Gentests analysieren können“, erklärt Lorenz. Besagtes Programm erkennt wichtige Stellen im Datenmaterial und wertet diese aus. „Im letzten Schritt werden sie einem Genetiker vorgelegt, der daraus zum Beispiel eine Krankheitsdiagnose ableiten kann.“
Stellt sich die Frage, warum die Labore das nicht selbst machen. Lorenz: „Gendaten sind sehr schwer auszuwerten. Die Rohdaten eines einzigen Genoms können ein Terrabyte oder mehr betragen.“ Das ist in etwa der Speicherplatz, den eine Million Handyfotos verbrauchen würden. Das alles selbst auszuwerten, würde den Laboren einen ganzen Batzen Geld kosten. Sie bräuchten eigenes Personal und eine eigene Infrastruktur. „Da ist es billiger, das ganze an Spezialisten wie uns auszulagern, die außer der Datenauswertung nichts anderes machen.“
Auf Wachstumskurs
Derzeit arbeiten 14 Leute im Unternehmen. Die Finanzspritze der Investoren soll die Entwicklung aber vorantreiben. Man sucht Bioinformatiker und Softwareentwickler. Die Genforschung entwickelt sich rasant weiter, da dürfen die Programme, die diese Daten analysieren, nicht hinterherhinken. Auch die Server-Infrastruktur am Firmensitz in Wien soll weiter ausgebaut werden. Gentests und Datenauswertung schön und gut, aber was bringen die Testergebnisse?
Nutzen von Gentests
„Medikamente können je nach Mensch sehr unterschiedlich wirken. Wie sie wirken hängt vom genetischen Bauplan jedes Einzelnen ab. In Zukunft wollen wir vor der Medikation wissen, ob die Therapie greifen wird und mit welchen Nebenwirkungen zu rechnen ist. Momentan sehen wir die Folgen oft erst im Nachhinein.“
Ein weiterer Anwendungsbereich ist die Vorsorge. Mit Gentests kann man feststellen, ob man ein erhöhtes Risiko in sich trägt, an einer bestimmten Krankheit zu erkranken. Prominentes Beispiel: Angelina Jolie. Ein Gentest ergab, dass sie eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit besitzt, an Brustkrebs zu erkranken. Auch ihre Mutter war daran gestorben. Sie ließ sich daraufhin die Brustdrüsen und Eierstöcke entfernen. Lorenz ist überzeugt: „In ein paar Jahren werden Gentest Teil der Gesundenuntersuchungen sein.“
Die neuen Möglichkeiten werfen aber auch Fragen auf. Zum Beispiel im Bereich der vorgeburtlichen Gendiagnostik. Was wenn das Kind schwerbehindert zur Welt kommen wird. Ist das Leben des Kindes trotzdem lebenswert? „Mit diesen Fragen werden wir uns als Gesellschaft in Zukunft beschäftigen müssen.“ Platomics habe auf diese Diskussion nur wenig Einfluss. „Wir wollen aber, dass das Thema sachlich behandelt und nicht von Ideologen gekapert wird.“


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