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1.200 Arbeitslose im Bezirk Rohrbach – aber meisten haben eine Einstellzusage

Martina Gahleitner, 28.04.2020 11:35

BEZIRK. Der Tag der Arbeitslosen am 30. April hat heuer eine neue Dimension bekommen: Wegen der Corona-Krise ist die Zahl der arbeitssuchenden Menschen auch im Bezirk Rohrbach deutlich angestiegen. Dennoch ist AMS-Leiterin Doris Steiner zuversichtlich, dass sich die Situation bald normalisieren wird.

Das AMS Rohrbach ist vor allem mit Kurzarbeit-Anträgen beschäftigt. Foto: Gahleitner
  1 / 2   Das AMS Rohrbach ist vor allem mit Kurzarbeit-Anträgen beschäftigt. Foto: Gahleitner

Gut 1.200 Menschen waren mit Anfang der Woche beim Rohrbacher Arbeitsmarktservice (AMS) als arbeitslos gemeldet. Schon Ende Februar waren aber rund 1.000 Personen arbeitslos, „nur viele konnten im März aufgrund der Corona-Krise nicht zurück an ihren Arbeitsplatz, wie in den vergangen Jahren“, informiert AMS-Leiterin Doris Steiner und ergänzt: „Die meisten, die jetzt arbeitslos wurden, haben eine Einstellzusage.“ Sie ist zuversichtlich, dass aufgrund der Struktur mit familiengeführten Klein- und Mittelbetrieben bis Mitte Mai die Menschen im Bezirk wieder ihre Arbeit aufnehmen können oder rasch einen neuen Arbeitsplatz finden.

Positive Signale aus der Wirtschaft

„Sobald die Wirtschaft wieder hochfährt, werden sich die Zahlen normalisieren und einpendeln. Es gibt auch bereits Signale unserer Unternehmen, dass auch die Kurzarbeit nicht im gesamten Ausmaß ausgeschöpft wird, wie ursprünglich angenommen.“ Nur manche Branchen, wie Gastronomie oder die Reisebusbranche, werden vermutlich noch länger mit der Krise zu kämpfen haben, meint Steiner.

Kurzarbeit beschäftigt AMS-Mitarbeiter

Auch wenn die Arbeitslosenrate im Vorzeigebezirk Rohrbach, der zu normalen Zeiten quasi Vollbeschäftigung vorweisen kann, deutlich gestiegen ist, habe man die Arbeitslosigkeit mittels Kurzarbeit niedrig halten können. „Diese Anträge sind es auch, die uns derzeit massiv beschäftigen. Fast alle Mitarbeiter – auch jene, die sonst in der Arbeitslosen-Beratung tätig sind – bearbeiten Kurzarbeit-Anträge“, informiert die Rohrbacher AMS-Leiterin, die an dieser Stelle ein großes Lob an ihre Mitarbeiter ausspricht. Im Bezirk haben 450 Unternehmen um Kurzarbeit angesucht, oberösterreichweit sind es 16.000. „Jede AMS-Geschäftsstelle arbeitet quer durch OÖ tausende Anträge ab, wir bitten deshalb Unternehmen um Verständnis und Geduld“, sagt Doris Steiner.

Corona-Krise wird zur Überlebenskrise

Die Volkshilfe ist allerdings nicht so zuversichtlich gestimmt und nimmt den Tag der Arbeitslosen zum Anlass, um auf die Armutsgefährdung aufmerksam zu machen. „Bereits vor Covid-19 waren 14,3 Prozent der österreichischen Bevölkerung armutsgefährdet. Nun haben die Auswirkungen der Corona-Krise den größten Anstieg an Arbeitslosen in der Geschichte der Zweiten Republik gebracht“, zeigt Ingrid Groiß, Vorsitzende der Volkshilfe Rohrbach, auf. 1.400 Arbeitslose im Bezirk Rohrbach (Ende März) bedeuten im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von erschreckenden 123,7 Prozent, fügt sie hinzu. Groiß fürchtet, dass für viele die Gesundheitskrise zu einer Überlebenskrise werden könnte: „Arbeitslos gewordene Beschäftige aus dem Niedriglohnsektor können vom Arbeitslosengeld kaum leben. Wir brauchen daher dringend eine Erhöhung der Nettoersatzquote von derzeit 55 auf 80 Prozent.“ Helfen würden den Menschen auch soziale Innovationen, wie etwa ein bedingungsloses Grundeinkommen, sagt Groiß.


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