Ein bisschen Hexenwerk und viele Experimente beleben altes Wissen
JULBACH. Es hat schon was von Hexenwerk, von Magie und Alchemie, was Christiane Seufferlein aus Pflanzen und ein paar natürlichen Zutaten zaubert: Mit ihren Malfarben aus Pflanzen hat sie in der Corona-Krise anscheinend einen Nerv getroffen, denn sie gehen weg wie die sprichwörtlichen warmen Semmeln.

Brodelnde, dampfende Kessel mit allerlei Kräutern simmern in ihrem kleinen Bauernhäuschen in der „Leithen“ bei Julbach dahin. Das ist bei der 44-Jährigen an sich nichts Ungewöhnliches, denn mit dem Färben von Wolle und Textilien mit Hilfe von Pflanzen kennt sie sich aus. Und eigentlich verdient sie mit diesen Kursen auch ihr täglich Brot – wäre da nicht Corona.
Viel Geheimniskrämerei
„Not macht erfinderisch. Ich darf derzeit nämlich keine Kurse geben und da das mittelalterliche Handwerk der Farbenmacherei eng verknüpft ist mit der Färberei, bin ich irgendwann heuer dort gelandet. Ihr Wissen über die Herstellung von Pflanzen-Malfarben hat sie sich großteils durch Ausprobieren und Experimentieren angeeignet, denn: „Leider gibt es so gut wie keine Aufzeichnungen in historischen Quellen über diese Kunst, denn es war tatsächlich im Mittelalter viel Geheimniskrämerei dahinter. Rezepte wurden nicht weitergegeben, denn jeder wollte seine Kunst für sich behalten. Leider geriet dieses Know-how vor ungefähr 100 Jahren, als chemische Farben erfunden wurden, fast komplett in Vergessenheit“, bedauert Seufferlein.
Sinnbild für Vergänglichkeit
Verschiedenste Pflanzen, aber auch Wurzeln dienen als Ressourcen für die Farben, die allerdings nicht allesamt lichtecht sind. Das heißt, was heute beispielsweise rosa ist, kann in einem Monat schon fast verblasst sein. Das ist für Christiane Seufferlein aber nicht etwa ein Nachteil, sondern ein Sinnbild der Vergänglichkeit allen Seins: „Ich kann zum Beispiel eine Rose malen und ihr über die Zeit hinweg beim Verwelken zusehen. So etwas sind wir natürlich von unseren modernen Farben nicht gewohnt.“
Eine Box voll Kreativität
Beim Vertrieb hilft ihr modernste Technik, denn wegen der Corona-Krise hat sie gezwungenermaßen auf Online-Versand und Online-Kurse umgestellt. Etwas, das sie eigentlich nie wollte: „Ich bin – noch immer – der Meinung, man muss Dinge spüren und mit eigenen Augen sehen. Doch das Malen und einige andere Teile meines Kursprogrammes gehen ganz gut per Video-Anleitung.“
Und so hat sie Malboxen gepackt, in denen von den eigentlichen Pflanzenfarben über die Mischpalette bis hin zu verschiedensten Zusätzen und den Zugang zum Anleitungs-Video alles enthalten ist, was der geneigte Maler braucht. Und spannend ist auch, wo überall Nachfrage nach ihren Produkten herrscht: „Ich habe in der kurzen Zeit, in der es die Malbox jetzt gibt, schon Packerl nach Deutschland, in die Schweiz, nach Italien und natürlich Österreich verschickt. Das ist für mich natürlich eine Möglichkeit, Menschen zu erreichen, die sonst wegen des weiten Weges nie einen Kurs von mir besuchen könnten.“
Übrigens: Ein zweiter Teil ist schon in Planung. Darin wird es um das Malen mit Erdfarben gehen. Mehr auf www.faserundfarbe.at


Kommentare sind nur für eingeloggte User verfügbar.
Jetzt anmelden