Schiffsanlegestelle in Niederranna abgebaut – für neue Lösung braucht es Mitstreiter

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Martina Gahleitner Tips Redaktion Martina Gahleitner, 16.04.2021 09:44 Uhr

HOFKIRCHEN/NIEDERRANNA. Nach fünf Jahren Diskussion wurde am Dienstag die Schiffsanlegestelle vor dem Gasthof Draxler in Niederranna abgebaut und abtransportiert. Sie soll aber ersetzt werden – und dafür braucht es engagierte Mitstreiter und Kümmerer vor Ort.

Historisch betrachtet, hat die Ortschaft Niederranna schon tausende Jahre eine überregionale Bedeutung. Die Lage an der Donau, die westlich gelegene Rannamündung und die verhältnismäßig breite und langgezogene Auflandung durch die Donau boten ausreichend Platz zum Leben und Wirtschaften. Die Donau als natürliche Verkehrsader wurde damals ausgiebig genutzt und 1862 wurde die erste moderne Schiffsstation in Niederranna eröffnet.

Schiffsanlegungen verärgerten

In den vergangenen Jahren jedoch gingen die Ein- und Ausstiegszahlen zurück, ab 2017 wurde Niederranna weitgehend aus den jährlichen Schifffahrtsplänen herausgehalten. „Die wenigen verbliebenen Schiffsanlegungen erfolgten beinahe ausschließlich infolge Behinderung der Donauschifffahrt wegen Hoch- oder Niederwasser“, berichtet Hofkirchens Bürgermeister Martin Raab: „Die Betreiber der Anlegestelle waren aus mehreren Gründen verpflichtet, Schiffe in Niederranna anlegen zu lassen. Diese Not-Anlegungen dauerten oft mehrere Tage bis Wochen und führten zu viel Ärger und Störungen in Niederranna.“

Nachfolge-Lösung ist fix geplant

Deshalb und weil neuerlich eine große Sanierung nötig gewesen wäre, liefen bereits seit 2016 Gespräche mit der Werbegemeinschaft Donau-Oberösterreich wegen eines Abbaus der Schiffsanlegestelle vor dem Gasthof Draxler, der nun erfolgt ist. „Es wurde schon damals vereinbart, dass Niederranna eine Nachfolge-Infrastruktur bekommt und vor allem, dass dafür auch finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt werden“, ergänzt Raab. An vorderster Front engagieren sich dafür Hofkirchens Vizebürgermeister Manfred Stallinger und Gastwirt Erich Draxler jun. Diese brauchen aber Mitstreiter.

Freunde der Donau sind gesucht

Gesucht werden deshalb jetzt Menschen oder auch Unternehmen, die sich an der Errichtung einer neuen Anlegestelle für Zillen oder Kleinboote am bisherigen Standort der Schifffahrtsanlegestelle beteiligen wollen. „Wenn wir wieder eine zeitgemäße Ersatzinfrastruktur errichten wollen, braucht das Menschen, die sich dafür engagieren und entsprechende Verantwortung übernehmen“, betont Bürgermeister Raab. Die Marktgemeinde Hofkirchen könne nicht als alleiniger Errichter und Betreiber der neuen Infrastruktur auftreten.

Interessierte können sich am Gemeindeamt Hofkirchen melden: Tel. 07285/7011, www.hofkirchen.at

 

Kurzer Geschichtsabriss

Die Ortschaft Niederranna bildet das zweitgrößte Ortsgebiet in der Gemeinde Hofkirchen i.M. Historisch nachgelesen hatte Niederranna schon tausende Jahre eine überregionale Bedeutung. Die Lage an der Donau, die westlich gelegene Rannamündung und die verhältnismäßig breite und langgezogene Auflandung durch die Donau bot schon immer ausreichend viel Platz zum Leben und Wirtschaften. Die Donau war nicht nur Nahrungslieferant, sie war vor allem tausende Jahre natürliche Verkehrsader nach Ost und West sowie über den Inn auch nach Süden. Schon sehr früh in unserer Geschichte entwickelte sich Niederranna als Ort mit regem Warenverkehr für eine große umliegende Region. Um 1300 entwickelte sich Niederranna zur Ent- und Beladestelle der Falkensteiner (Heimatbuch Hofkirchen i.M.). Anschließend erstarkte Niederranna zu einem immer wichtiger werdenden überregionalen Zentrum.

1862 wurde die erste moderne Schiffsstation (Agentie) in Niederranna eröffnet, 1938 die erste Poststelle. Ab dem Zweiten Weltkrieg war bis 1955 das Zufahren und Anlegen von Donauschiffen verboten. 1965 wurde die von der Gemeinde erneuerte Schiffsanlegestelle in Niederranna mit einem feierlichen Festakt eröffnet. Anschließend bildete diese Schiffsanlegestelle einige Jahrzehnte eine sehr wertvolle und gut frequentierte öffentliche Infrastruktur. Während vieler Jahre bildete die Donauschifffahrt sogar ein öffentliches Verkehrsmittel. Beginnend in den Achtzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts war es periodisch erforderlich die Einstiegszahlen durch sogenannte Gemeinde-Schifffahrtstage und Vereinsveranstaltungen etwas aufzubessern. Bis Anfang der Neunzigerjahre des vorigen Jahrhunderts wurde der Schiffsponton (Schwimmkörper) jedes Jahr jeweils vor dem Winter aus Niederranna abgeholt, gewartet und im Frühling wieder angeliefert. 1991 wurde die DDSG privatisiert, die Firma Wurm & Köck trat in Aktion. 2006 musste der Ponton generalsaniert werden, die Gemeinde hatte dazu einen 20%igen Beitrag in Höhe von 12.000,- Euro zu leisten. Seit gut zehn Jahren waren die Ein- und Ausstiegszahlen in Niederranna so klein geworden, dass ständig die Unwirtschaftlichkeit beklagt wurde.

Ab dem Jahr 2017 wurde Niederranna weitgehend aus den jährlichen Schifffahrtsplänen herausgehalten. Möglich blieb lediglich eine Nachmittagsfahrt nach Passau ohne jede Gelegenheit zu einer vernünftigen Rückkehr. Möglich blieb auch eine Schifffahrt nach Schlögen mit beinahe sofortiger Rückkehr. Zwei bis dreimal pro Woche wäre auch noch eine Schifffahrt nach Linz mit Umsteigemöglichkeit in Schlögen gewesen. Eine lange Wartezeit in Schlögen machte das Angebot unattraktiv. In wenigen Jahren wäre neuerlich eine große Sanierung, eventuell sogar eine gänzliche Erneuerung schlagend geworden. Einen dazu erforderlichen 20%igen Gemeindebeitrag hätte der Gemeinderat, der schon im Juli 2016 mit dem Abbau der Anlegestelle in ihrer bisherigen Größe einverstanden war, aus Gründen des Kosten-Nutzen-Verhältnisses wohl nicht mehr freigegeben.

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