Dokumentieren, warnen, helfen: Sturmjäger sind gefragter denn je
AIGEN-SCHLÄGL. „Das Wetter wird unberechenbarer“, sagt Thomas Gierlinger – und er weiß das aus erster Hand: Als Sturmjäger fahren er und sein Co-Pilot Daniel Plöderl den Unwettern hinterher, um zu filmen, Daten zu erfassen und Warnungen abzusetzen, aber auch um anzupacken, wenn Hilfe nötig ist.

Die Motorsäge ist immer mit im Einsatzfahrzeug, um etwa Bäume von Straßen wegzuräumen und beim Aufräumen zu helfen. „Aber Pumpen haben wir leider nicht dabei“, bedauert Gierlinger, der hier gerne Abhilfe schaffen möchte: Er möchte mit Hilfe von Sponsoren Flutboxen ankaufen – also Kisten mit Tauchpumpen und Feuerwehrschlauch. „Die könnten wir bei Einsätzen mitnehmen und in betroffenen Gebieten verteilen, damit sich die Leute selber helfen können“, erklärt der Aigen-Schlägler seine Idee.
Direkt vor Ort im Einsatz
Seit etwa fünf Jahren betreibt er die Facebook-Seite Unwetterwarndienst UWWD Rohrbach; zuvor war er für die „Stormhunters“ unterwegs. Aber so extremes Wetter wie heuer habe er noch nie erlebt. „Vor allem die Zugrichtung ist heuer ganz schwer vorherzusagen und Hagel sieht man zwar am Radarbild, aber die Größe lässt sich da nicht feststellen“, informiert Tom Gierlinger.
Deshalb sind Sturmjäger wie er und Daniel Plöderl gefragter denn je. Denn während Meteorologen das Unwetter über Radar beobachten, sind sie am Boden, direkt vor Ort. „Wir haben unsere Kameras und Action-Cams, Wind- und Temperaturmessanlagen. Die erfassten Daten geben wir dann weiter, etwa an den Kirchschlager Christian Nimmervoll, der das Wetter im Mühlviertel beobachtet (www.wetter-muehlviertel.at). Auch Feuerwehren fragen immer öfter an, ob sie sich rüsten sollen“, berichtet Gierlinger.
Tornados im Mühlviertel sind keine Seltenheit
„Achtung.... Unwetter-Warnung vor allem für die Gemeinden Julbach, Ulrichsberg, Aigen, Klaffer, Schwarzenberg, Nebelberg, Kollerschlag, Peilstein, Öpping“, hieß es gerade wieder am vergangenen Wochenende. Die Beiden warnen nicht nur vor starken Gewitterzellen, Hagel und Starkregen, sondern auch vor Tornados, die es im Mühlviertel sehr wohl gibt und schon immer gegeben hat. „Sie werden aber in unserem Hügelland kaum gesehen.“ Gierlinger erinnert sich beispielsweise an einen Wirbelsturm beim Neufeldner Stausee im Jahr 2013, der eine 30 Meter-Schneise in den Wald gezogen hat.
Kein Risiko
Die Hauptsaison für extreme Unwetter ist mittlerweile fast vorbei, normalerweise dauert diese von Mitte April bis Mitte August. Ausgefahren wird ab Warnstufe 3, sofern es die Arbeitszeit im Brotberuf der beiden zulässt. Wenn Gierlinger und Plöderl aber den Unwettern hinterherjagen und Gewitterzellen beobachten, gehen sie kein Risiko ein. „Wir suchen uns Aussichtspunkte in der Nähe von Tankstellen, damit wir uns wenn nötig in Sicherheit bringen können.“
Wichtig sind für ihre Arbeit auch „Vor-Ort-Melder“. Also Leute, die geschützt von zu Hause aus das Wetter beobachten und bei den Facebook-Warnungen einfach dazukommentieren.
Zu finden ist der Unwetterwarndienst – UWWD Rohrbach auf Facebook, eine Homepage ist geplant. Sponsoren, die den Ankauf von Flutboxen unterstützen wollen, können sich gerne per PN melden oder unter Tel. 0660/350 3899.


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