Fischotter gilt nicht mehr als gefährdet – Bejagung bleibt trotzdem schwierig
BEZIRK ROHRBACH/OÖ. Schon seit 20 Jahren hat das Fischereirevier Rohrbach mit dem Fischotter zu kämpfen, der in manchen Gebieten so stark auftritt, dass der Fischbestand und die Biodiversität in Gefahr sind. Nach einem Monitoring hat das auch das Land OÖ erkannt und den Fischotter von der Liste der gefährdeten Tierarten genommen.

Das Biologie-Institut der Naturwissenschaftlichen Fakultät der Karl-Franzens-Universität Graz hat im Auftrag des Landes OÖ die Population des Fischotters in den heimischen Fließgewässern und damit die Notwendigkeit des Schutzstatus genauer unter die Lupe genommen. Die Experten kamen zu einem für die Mühlviertler Fischer wenig überraschenden Ergebnis: Der Erhaltungszustand der schwimmenden Marderart wird als „günstig“ eingestuft – der Fischotter kann somit von der Liste der gefährdeten Tierarten in OÖ genommen werden.
Ausgleich finden
Für Agrar-Landesrätin Michaela Langer-Weninger ist die Studie eine wichtige objektive Grundlage für künftige Managementmaßnahmen: „Der Fischotter, der lange Zeit im Inland gefährdet war, ist längst wieder flächendeckend und in angemessener Zahl in Oberösterreich zuhause. Als Agrar- und Jagd-Landesrätin höre ich aber auch jene Stimmen, die gerade in den bereits dicht besiedelten Regionen bei einer weiteren Expansion des Fischotters eine Gefährdung der Fischpopulation befürchten.“
Denn während für die einen der Fischotter ein schützenswerter und liebenswerter Flussbewohner ist, ist er für die anderen ein räuberischer Schlinghals. Die Folge: leergefressene Bäche bzw. zur Fischzucht angelegte Fischteiche. Schutzmaßnahmen wie Elektro- oder Fixzäune seien häufig ohne Nutzen, oft sind solche Präventionsmaßnahmen wirtschaftlich wie praktisch auch gar nicht umsetzbar, heißt es von der Bauernschaft und den Fischern.
Mühlviertel war Rückzugsort
Im Bezirk Rohrbach hat man jedenfalls schon lange seine liebe Not mit dem Fischräuber, bestätigt Thomas Koller, Obmann des Fischereireviers Rohrbach: „Der Fischotter ist als Prädator ein riesiges Problem, besonders in der hohen Anzahl, in der er im Mühlviertel und im Bezirk Rohrbach vorkommt.“ Die Forschungsstudie unter der Leitung des Biologen Steven Weiss gibt ihm Recht: „Anhand der erhobenen Daten an Monitoring-Brücken kann man sagen, dass der Fischotter grundsätzlich in ganz Oberösterreich verbreitet ist. Das Einzugsgebiet der linken Donauzubringer, das Mühlviertel, hat aber den höchsten Anteil an Fischotter-positiven Brücken vorzuweisen“, sagt Weiss. Diese Region werde auch als eines von zwei Rückzugsgebieten gehandelt, in dem der Fischotter, nachdem er im 20. Jahrhundert beinahe in Österreich ausgestorben war, überlebt hat. „Die Reliktpopulation im Mühl- und Waldviertel dürfte eine der beiden Quellpopulationen für die Wiederausbreitung des Fischotters in Österreich gewesen sein“, ergänzt der Experte.
Sorge um einheimische Fischarten
Das Fischerrevier Rohrbach erhielt nicht zuletzt wegen des dichten Bestands für die Steinerne Mühl eine Entnahmegenehmigung im Rahmen des Fischotter-Managementplans 2015 bis 2021. Denn vor allem im Winter kam es immer wieder zu massiven Schäden in den Flüssen: „Hier hat der Fischmarder ja kein Nahrungsangebot außer Fische. Wir machen uns deshalb auch Sorgen um die Stämme der autochthonen Bachforellen und Äschen und befürchten, dass der in den Flüssen lebende Genpool bei einigen Arten ausgelöscht wird“, sagt Thomas Koller. Es würden aber nicht nur Fischarten verschwinden, sondern auch Vögel, Amphibien, Insekten und seltene Muschelarten, ergänzt der jüngste Revierobmann Oberösterreichs.
Reduktion täte Flüssen gut
Eine Reduktion könnte gerade den Fließgewässern helfen, ist Koller überzeugt: „Wenn eine gewisse Anzahl an Fischottern entnommen wird, erholt sich das Gewässer in drei bis vier Jahren fast vollständig und es gibt wieder Bestände, die jahrelang nicht mehr vorgekommen sind.“ Er fügt aber gleich an: „Die Erlaubnis, Fischotter zu entnehmen, heißt nicht, dass man sie ausrotten könnte. Denn er ist wahnsinnig schwer zu bejagen.“ Für ihn steht fest, dass ein Miteinander nur möglich sein wird, wenn man ihn managt. „Leider haben nicht alle Tiere in Hülle und Fülle Platz, sondern wir leben in einer Kulturlandschaft, wo der Platz für die verschiedenen Tiere eben beschränkt ist und man bei einer Überpopulation von menschlicher Seite aus reagieren muss.“
Entnahme nur in Ausnahmefällen
In diesem Punkt beruhigt Landesrätin Langer-Weninger gleich besorgte Fischotter-Fans und Naturschützer: „In absoluten Ausnahmefällen sowie innerhalb enger Grenzen können wir uns eine Entnahme vorstellen. Ein günstiger Erhaltungszustand ist ein wesentlicher Bestandteil bei der Prüfung, ob einzelne konkrete Entnahmen mit den Vorgaben der geltenden Regelungen des oö. Jagdgesetzes vereinbar sind.“


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