Steigende Kosten, sinkende Erlöse: schwierige Zeiten am Schweinemarkt
KLEINZELL/OÖ. In der Schweinebranche gibt es immer ein Auf und Ab, da sind gute und magere Zeiten dabei. Was sich jetzt jedoch abspielt, lässt die Schweinebauern düster in die Zukunft blicken: Denn die schlechten Phasen werden immer häufiger und immer länger – die Erlöse sinken, bei gleichzeitig steigenden Erzeugungskosten. Dazu kommt, dass von den Konsumenten mehr Tierwohl gefordert wird. Alles Faktoren, die durch eine faire Entlohnung Abgeltung finden müssen.

Stefanie und Anton Zauner aus Kleinzell sind mit Leidenschaft Schweinebauern. Sie züchten seit gut 20 Jahren Ferkel, die dann mit einem Mastgewicht von etwa 30 Kilo an drei Mastbetriebe verkauft werden. Dabei setzen sie auf Kreislaufwirtschaft und viele ökologische Maßnahmen, wie die hofeigene Kompostanlage, die emissionsarme Gülleausbringung auf dem eigenen Grund und Boden bis hin zur Strohhaltung im Wartestall für die trächtigen Zuchtsauen.
Das alles machen sie aus Überzeugung und Verantwortung gegenüber den Tieren und der Natur. Allerdings wird es ihnen nicht leicht gemacht, denn schon seit Monaten bleibt unterm Strich nichts übrig. „Mit dem Erlös aus dem Ferkelverkauf kann der laufende Betrieb nicht abgedeckt werden. Wir und unsere Produkte werden unter unserem Wert verkauft“, sagt Stefanie Zauner. „Keiner möchte von Förderungen allein leben. Auch in der Landwirtschaft hat es oberste Priorität, eine faire Entlohnung für die von uns erzeugten Produkte zu erhalten – nur dies führt langfristig zur Zufriedenheit. Unterm Strich zählt der Euro. Da helfen der ganze Fleiß und gute Wille nichts.“
Angespannter Markt
Die Lage spitzte sich mit Beginn der Corona-Pandemie – und damit einhergehend der schwächelnden Gastronomie, Hotellerie und auch den geschlossenen Betriebsküchen – zu; schon vorher ließ die Afrikanische Schweinepest in Europa die Preise für Ferkel und Mastschweine sinken und nicht zuletzt wird der Markt mit billiger Importware überschwemmt. Dem gegenüber stehen jedoch die stetig steigenden Kosten für Eiweißfuttermittel, Energie, Düngemittel und Maschinen. „Die Preisgestaltung obliegt schon lange nicht mehr uns Produzenten, sprich dem Landwirt. Wir sind zum Spielball des globalen Marktes, der Zwischenhändler, der Fleischindustrie und des Lebensmittelhandels geworden“, sagt die Kleinzellerin, die in der Krise aber auch eine Chance sehen will: „Die Leute sind regionsbewusster geworden und bereit, auf heimische Herkunft und Haltung zu schauen. Wir müssen aber noch mehr ins Bewusstsein rücken, dass der Konsument bei jedem Stück österreichischem Lebensmittel einen Teil der gepflegten Landwirtschaft, der Erhaltung unseres Lebens- und Erholungsraumes, der Artenvielfalt und heimischen Arbeitsplätze mitzahlt. Und ebenso die 100-prozentige Erfüllung aller Auflagen für Tierschutz und Pflanzenschutz.“
„Politik muss hinter uns stehen“
Dafür brauche es die Unterstützung seitens der Politik: „Österreichische Qualität darf nicht mehr austauschbar sein mit Billigware aus dem Ausland. Wir brauchen ein eindeutiges Bekenntnis zu unseren Familienbetrieben und zur heimischen Landwirtschaft. Die Lebensmittelkennzeichnung muss so erfolgen, dass sie vom Kunden eindeutig, leicht erkennbar und zu 100 Prozent nachvollziehbar ist.“ Für die Landwirtin und Vizebürgermeisterin ist die aktuelle Krise ein möglicher Wendepunkt: „Der Hilfeschrei der Branche hat die Regierung erreicht. Jetzt ist die Frage, was sie daraus machen. Denn wir können uns nicht weiterhin rote Zahlen erlauben.“
Bereit für mehr Tierwohl
Geht es den Tieren gut, geht es auch dem Landwirt gut. „Die österreichischen Schweinebauern sind bereit, den Weg hin zu noch mehr Tierwohl im Schweinestall zu gehen, wenn auch die Konsumenten mit ihrer Kaufentscheidung diesen Weg mitgehen“, betont Franz Waldenberger, Präsident der Landwirtschaftskammer OÖ. Denn mehr Tierwohl heißt mehr Arbeitszeit, mehr Fläche im Stall, höhere Kosten der Haltung und Aufzucht – und das müsse sich im Preis des Produktes abbilden. Der Verband Österreichischer Schweinebauern VÖS hat gemeinsam mit der AMA-Marketing ein Paket geschnürt, bei dem künftig Schweinefleisch in Programmen mit deutlich höheren Tierwohl-Standards bis hin zu Bio angeboten werden soll. Generell gibt es ein Upgrade beim AMA-Gütesiegel mit einer Reihe von Auflagen. Im Parlament wurde zudem beschlossen, dass ab 2023 bei Neu- und Umbauten für alle Schweinemäster der Einbau von Ökospalten zur Pflicht wird.


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