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Polizei-Pionierin Petra Schmied über Chancen und Herausforderungen

Petra Hanner, 04.03.2026 18:45

OÖ. Seit einem Jahr steht Petra Schmied an der Spitze der Polizei im Bezirk Rohrbach und schrieb als erste Bezirkspolizeikommandantin Oberösterreichs Polizeigeschichte. Die 41-Jährige, die in Ried im Innkreis lebt und aus dem Bezirk Schärding stammt, blickt im Tips-Gespräch auf ein intensives erstes Jahr zurück, spricht über Chancen für Frauen im Polizeidienst und ihre Ziele für die Sicherheit im Bezirk.

Rohrbachs Bezirkspolizeikommandantin Petra Schmied (Foto: Hanner)
Rohrbachs Bezirkspolizeikommandantin Petra Schmied (Foto: Hanner)

Tips: Wie ist es Ihnen im ersten Jahr in Ihrer neuen Funktion ergangen?

Petra Schmied: Es war anfangs sehr intensiv, weil der Bezirk für mich neu war. Die Kollegen haben mir den Einstieg aber leicht gemacht. Das Team ist sehr motiviert und ich habe mich schnell einleben können.

Sie pendeln täglich von Ried nach Rohrbach. Wie organisieren Sie das?

Das muss natürlich gut geplant sein. Ich bin fast immer vor Ort in Rohrbach. An freien Tagen genieße ich es aber auch, daheim zu sein und Zeit für Hobbys und Familie zu haben. Telefonisch bin ich ohnehin rund um die Uhr erreichbar.

Warum sind Sie überhaupt zur Polizei gegangen?

Ich bin gleich nach der Schule eingestiegen, mit 20 Jahren. Was genau damals der Auslöser war, kann ich heute gar nicht mehr sagen – vermutlich das Gesamtpaket. Die Polizei bietet sehr viele Möglichkeiten.

Wie hat sich in dieser Zeit die Situation für Frauen in der Polizei verändert? Welche Herausforderungen gibt es?

Als ich aufgenommen wurde, gab es bereits einige Frauen im Kollegium, wenn auch weniger als heute. Ich persönlich habe nie Benachteiligung wegen meines Geschlechts erlebt. Im Außendienst wird man als Polizistin unterschiedlich wahrgenommen: Manche Menschen tun sich leichter damit, andere weniger. Oft wirkt eine Frau deeskalierend, aber das hängt immer von der Situation und dem Gegenüber ab. Ich habe jedoch auch beobachtet, dass sich Frauen oft mehr Leistungsdruck machen und denken, sich stärker beweisen zu müssen, als männliche Kollegen, auch wenn das nicht notwendig wäre. Ich denke, manches ist selbst auferlegt.

Frauen sind in Führungspositionen noch immer weniger vertreten. Liegt das an gewachsenen Strukturen?

Teilweise ja. Wenn Planstellen länger besetzt sind, dauert es automatisch, bis neue – und damit auch weibliche – Führungskräfte nachrücken können. In Linz etwa gibt es bereits mehrere Frauen in leitenden Funktionen, sowohl auf Dienststellen als auch innerhalb der Landespolizeidirektion. In anderen Bezirken gibt es auch Postenkommandantinnen und bei uns im Bezirk eine Kollegin in Neufelden, die stellvertretende Postenkommandantin ist. Das sollte man nicht unterschätzen.

Kann man also sagen, dass die Polizei in Sachen Gleichstellung schon sehr weit ist?

Grundsätzlich würde ich sagen: ja.

Welche langfristigen Ziele haben Sie für den Bezirk Rohrbach?

Die Personalsituation bleibt ein wichtiges Thema. Derzeit sorgen rund 90 Beamte für Sicherheit, darunter bereits 13 Frauen – der Frauenanteil steigt. Eine gute Durchmischung ist optimal. Wichtig ist, dass der Personalstand stimmt, um die Streifenpräsenz aufrechtzuerhalten. Das trägt wesentlich zum Sicherheitsgefühl der Bevölkerung bei.

Wie sehen Ihre persönlichen beruflichen Zukunftspläne aus?

Der Fokus liegt für mich klar auf Rohrbach. Ich möchte das Beste für den Bezirk und für meine Kollegen erreichen. Daran orientiere ich meine Arbeit.

Was motiviert Sie bis heute in Ihrem Beruf?

Ganz klar: die Freude an der Arbeit. In meinen 20 Dienstjahren habe ich keinen einzigen Tag bereut. Es gibt Höhen und Tiefen, aber insgesamt ist es für mich einfach der richtige Beruf.

Welche Botschaft möchten Sie Frauen mitgeben, die überlegen, zur Polizei zu gehen?

Der Polizeiberuf ist hochinteressant und sehr abwechslungsreich. Man kann sich in viele Richtungen entwickeln: Verkehrsdienst, Kriminaldienst, Hundeführer und vieles mehr. Informieren Sie sich über die Möglichkeiten. Und dann: Herzlich willkommen bei der Polizei!

Sie möchten noch etwas zum Weltfrauentag sagen?

Ja. Für viele Frauen im Polizeidienst ist es eine Herausforderung, Beruf, Privatleben und Betreuung zu vereinbaren. Ich ziehe den Hut vor allen, die das meistern. Gleichzeitig ist ein gesellschaftliches Umdenken spürbar: Immer mehr Männer übernehmen Kinderbetreuung oder arbeiten in Teilzeit. Das kommt auch Frauen zugute, die wieder mehr Stunden arbeiten möchten, wenn sie das wollen. Wichtig ist: Die Möglichkeiten entwickeln sich weiter, und das ist positiv.


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